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8.669140-41 - BARBER: Vanessa
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Samuel Barber (1910-1981)

Samuel Barber (1910-1981)

Vanessa

 

Samuel Barber war beinahe 48 Jahre alt, als die New Yorker Metropolitan Opera am 23. Januar 1958 seine erste Oper inszenierte. Schon seit dem Ende der dreißiger Jahre war er vor allem mit seinen Orchesterwerken erfolgreich gewesen. Seine Freude an der menschlichen Stimme inspirierte ihn zudem zu vielen Liedern, von denen heute etliche bereits zum Standardrepertoire gehören (Barber hatte am Curtis Institute selbst Gesang studiert und ernsthaft über eine Sängerkarriere nachgedacht). Seit er als Sechsjähriger an der Met Verdis Aida mit Caruso und seiner Tante Louise Homer als Amneris gehört hatte, war er ein glühender Opernfan, und desto eigenartiger ist es, dass er erst so viele Jahre später ein eigenes Bühnenwerk in Angriff nahm (nicht berücksichtigt ist hier das Fragment The Rose Tree des Neunjährigen, dessen Libretto von der irischen Köchin der Familie stammte). Schon 1934 hatte Barber Interesse an der Vertonung eines amerikanischen Textbuches gezeigt. 1942 erhielt er zwei Opernaufträge. Der erste kam von der Met und wurde wegen der Untauglichkeit des Librettos abgelehnt. Der zweite stammte von Serge Koussevitzky, der für das Berkshire Festival eine Kammeroper haben wollte: Barber nahm an, und Dylan Thomas erklärte sich schließlich bereit, den Text zu verfassen. Doch Barber und Thomas waren bald in die Kriegsereignisse involviert, und das Projekt kam nicht zustande. (Der Auftrag selbst materialisierte sich dennoch, und zwar in The Prayers of Kierkegaard für Chor und Orchester.)

 

Nach Kriegsende meldete sich die Metropolitan Opera erneut, und wieder begab sich Barber auf die Suche nach einem Librettisten. Nach erfolglosen Gesprächen mit Thornton Wilder, James Agee und Stephen Spender bot sich 1952 Barbers Freund und Lebensgefährte Gian Carlo Menotti an, das Buch zu schreiben. Der außergewöhnlich erfolgreiche Opernkomponist (Amelia geht zum Ball, Die alte Jungfer und der Dieb, Das Telefon, Das Medium und Der Konsul) hatte bislang nur die Texte zu seinen eigenen Werken geschrieben, und es war vielleicht das erste Mal, dass ein Komponist für einen andern ein Libretto liefern sollte, seit Boito und Verdi im späten 19. Jahrhundert zusammengearbeitet hatten. Man einigte sich darauf, eine Handlung der Seven Gothic Tales von Isak Dinesen zu benutzen, doch Barber hatte zwei Jahre zu warten, bis auch nur die erste Szene Gestalt angenommen hatte. Diese vertonte er im Sommer 1954, und dann wollte er natürlich die Fortsetzung haben, doch gesellschaftliche und berufliche Verpflichtungen hinderten Menotti an der weiteren Arbeit. Barber war enttäuscht und stellte ein Ultimatum: Er werde keine Note schreiben, bevor er nicht das fertige Libretto in Händen halte. Später berichtete er in den Opera News, dass diese Taktik ein glänzender Erfolg gewesen sei: Menotti sei so nervös geworden, dass er den ganzen Sommer allmorgendlich auf einem Felsen am Mittelmeer gesessen habe, um ein Libretto abzuschließen, das er, Barber, für das schönste und bestgeformte seiner Textbücher halte.

 

Im Winter 1956 gab die Met bekannt, dass sie die Oper inszenieren wolle, und damit begann für Barber die konzentrierte Arbeit an Vanessa, deren Titel er dem Buch How to Name Your Child (Der richtige Name für Ihr Kind) entnommen hatte. Im Oktober 1957 spielte (und sang) Barber den Verantwortlichen des New Yorker Hauses und dessen Generalmanager Rudolf Bing die fertigen Teile des Werkes vor, und sogleich debattierte man über die Besetzungsmöglichkeiten. Barber hörte sich in vielen Aufführungen der Met nach geeigneten Sänger(inne)n für die verschiedenen Partien um. Maria Callas, damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, wäre seine erste Wahl für die Titelrolle gewesen. Er bat sie, nach Mt. Kisco (New York) zu kommen, um ihr in seinem und Menottis Haus Capricorn die Partitur vorzuspielen. Die Callas war unbeeindruckt. Sie meinte, die Partie der Erika sei stärker als die Titelrolle, und lehnte ab. Schließlich entschied man, dass Sena Jurinac, der jugoslawische Star der Wiener Staatsoper und des Glyndebourne Festivals, in der Partie der Vanessa an der Met debütieren sollte. Die lyrische Sopranistin und bekannte Mozart-Interpretin besaß auch ein außerordentliches linguistisches Talent und sprach ein ausgezeichnetes Englisch. Dasselbe galt für den schwedischen Tenor Nicolai Gedda, den Barber in Paris gehört hatte und für einen idealen Anatol hielt. Die andern Hauptdarsteller(innen), Rosalind Elias, Regina Resnik und Giorgio Tozzi, waren amerikanische Veteranen der Met. Die Premiere sollte in der Spielzeit 1957/58 stattfinden. Dirigent war Dimitri Mitropoulos. Menotti sollte Regie führen, der englische Designer Cecil Beaton, der mit seinen Kostümen für My Fair Lady eine regelrechte Mode ausgelöst hatte, war für Bühnenbilder und Kostüme verpflichtet worden.

 

Den Sommer des Jahres 1957 verbrachte Barber in Italien. Dort arbeitete er mit Mitropoulos an der Orchestration, überdies studierte er mit Rosalind Elias in Rom und Sena Jurinac in Wien die jeweiligen Partien ein. Im Herbst begann man mit Bühnenbildern und Kostümen sowie mit den musikalischen Proben. Bis Anfang Dezember verlief alles genau nach Plan, doch dann ließ Sena Jurinac mitteilen, dass sie erkrankt sei und absagen müsse. Man kann sich die allgemeine Verzweiflung der Beteiligten vorstellen! Man sprach bereits davon, die Premiere zu verschieben, als sich Edgar Vincent, der Presse-Agent vieler Opernsänger, bei Max Rudolf, dem Koordinator der Met, meldete und eine Künstlerin ins Gespräche brachte, die das Projekt retten könnte: Eleanor Steber. „Sie hätte die Partie von Anfang an singen sollen,“ meinte Vincent. Eleanor Steber war seit fünfzehn Jahren ein Star der Metropolitan Opera und in dieser Zeit schon oft als „Retterin“ erschienen. Sie hatte allerdings in der vorigen Saison an der Met pausiert, weil sie sich mit Rudolf Bing nicht über ihr Repertoire hatte einigen können und weil die europäischen Kolleginnen, die ihre Partien sangen, höhere Gagen erhielten als sie. Im September hatte sie dann allerdings als Donna Anna in einer Neuinszenierung des Don Giovanni triumphiert, doch sie hatte noch immer das Gefühl, dass Bing sie hinausekeln wollte.

 

Schon zehn Jahre zuvor hatten Samuel Barber und Eleanor Steber zusammengearbeitet – in Knoxville, Summer of 1915, das die Sopranistin in Auftrag gegeben und mit dem Boston Symphony Orchestra uraufgeführt hatte. Dazu kam eine unterschwellige Beziehung, denn William L. Whitney, der Lehrer der Steber, hatte zu Beginn seiner Karriere auch Barbers Tante Louise unterrichtet. Als Miss Steber jetzt mit Barber die Rolle der Vanessa durchging, fühlte sie, dass diese Partie einfach für sie geschaffen war. Und tatsächlich: Wer die Aufnahme der Originalbesetzung hört, wird kaum glauben können, dass die Töne dieser Figur nicht auf diese erhabene Stimme zugeschnitten waren. Eleanor Steber hatte für das Studium der unmenschlich schwierigen Partie nur fünf Wochen Zeit und zog all ihre stimmlichen und musikalischen Register. Viele ihrer Termine mussten neu arrangiert werden, doch es gab auch Verpflichtungen wie die alljährliche Fernsehsendung Christmas Voice of Firestone, die sich nicht absagen ließen. Inmitten der Vorbereitungen gab sie dann bekannt, dass sie sich verheiraten wolle. Barber flehte sie an, damit bis nach der Premiere zu warten, weil er fürchtete, dass die Ablenkung seine Oper ruinieren könnte, doch die Steber erklärte mit leidenschaftlichem Nachdruck, es werde keine Oper geben, wenn sie nicht heiraten könne! Und so heiratete sie. Barber und Menotti stellten den Flitterwöchnern ihr Capricorn zur Verfügung.

 

Bei der Premiere erlebten die neue Oper und ihre heldenhafte Heroine im ausverkauften, prominent besetzten Haus einen Triumph. Barbers Musik wurde von der Presse ebenso gefeiert wie Menottis Libretto und Regie, und die schier unmögliche Leistung der Eleanor Steber wurde sogar von Rudolf Bing bejubelt. Gleichermaßen enthusiastisch war die Anerkennung für Elias, Resnik, Tozzi und Mitropoulos. Vanessa lief bis zum Ende der Saison vor ausverkauftem Haus und wurde 1958 mit dem Pulitzer-Preis für Musik ausgezeichnet. Sie stand auch in der nächsten Spielzeit auf dem Programm der Metropolitan Opera und wurde dann auch während er alljährlichen Frühjahrstournee des Hauses in Baltimore und Boston aufgeführt. Im Sommer nach der Uraufführung kam Vanessa als erste amerikanische Oper bei den Salzburger Festspielen in einer fast identischen Besetzung wie in New York sowie in Menottis Inszenierung und mit Beatons Ausstattung auf die Bühne. Dem großen Publikumserfolg stand eine hinterhältige Verschwörung der deutschen und österreichischen Presse gegenüber, die allerdings trotz ihrer Ablehnung vor allem die sängerischen Leistungen von Eleanor Steber und Nicolai Gedda lobte.

 

Menotti brachte die Oper 1961 bei seinem Spoleto Festival in italienischer Sprache heraus. 1978 bediente sich die Met dann der alten Inszenierung, um eine von Barber revidierte Version aufzuführen. Zu diesem Zeitpunkt war die Steber natürlich längst ausgeschieden. Die Titelpartie wurde der schönen Mary Costa übertragen, die der Aufgabe aber leider nicht gewachsen war, obwohl Barber die unsäglich schwere Koloraturarie des zweiten Aktes gestrichen hatte. Während der nächsten zehn Jahre schlummerte Vanessa. Dann erweckte Menotti die englische Fassung beim amerikanischen Spoleto-Festival in South Carolina zu neuem Leben: Die Oper wurde im Bild festgehalten und vom Fernsehen ausgestrahlt und seither in Washington, St. Louis, Seattle sowie zuletzt auch in Darmstadt, London, Monte Carlo und New York inszeniert.

 

Als junger Student konnte ich in Boston die Fassung der Metropolitan Opera sehen. Es war eines der größten Opernerlebnisse meines Lebens. Das grandiose Duett des dritten Aktes sangen Steber und Gedda mit einer unglaublichen Leidenschaft und Intensität. Es war eine hinreißende Erfahrung, so überwältigend, dass man’s kaum ertragen konnte. Als ich Eleanor Steber davon Jahre später erzählte, rief sie aus: „Was glauben Sie, wie wir uns gefühlt haben!“

 

Richard Conrad

Deutsche Fassung: Cris Posslac

 

 

Die Handlung

 

Zeit: Frühes 20. Jahrhundert, Winter

Ort: Ein aristokratisches Landhaus in einem nordeuropäischen Land

 

[Ouvertüre [1]]

 

ERSTER AKT, Erste Szene

An einem stürmischen Winterabend erwarten drei Frauen in einem üppig möblierten Raum die Ankunft eines Gastes. Vanessa, die Dame des Hauses, ist eine immer noch schöne Frau mittleren Alters, die vor zwanzig Jahren eine leidenschaftliche Affäre mit einem verheirateten Mann namens Anatol hatte. Als dieser sich weigerte, seine Gemahlin zu verlassen, schloss sich Vanessa in ihrem Haus ein. Sie ließ alle Spiegel verhüllen, um nicht in ihrem Antlitz die Spuren der Zeit sehen zu müssen. Jetzt erwartet sie mit nervöser Ungeduld den Geliebten. Gesellschaft leisten ihr dabei ihre Mutter, die alte Baronin, die seit Vanessas Heimkehr kein Wort mehr mit ihr gewechselt hat, und Erika, ihre hübsche, unerfahrene Nichte.

 

[2] Man plant das Menu für den kommenden Tag. [3] Erika will ihrer Tante und ihrer Großmutter die Zeit vertreiben, indem sie etwas aus dem Oedipus des Sophokles vorliest. Vanessa meint, ihr fehle die Fähigkeit, die Leidenschaft des tragischen Helden auszudrücken, und rezitiert nun selbst den Abschnitt. Dann schickt sie die beiden andern zu Bett, weil sie allein warten will. [4] Erika ist traurig darüber, dass in der Winter in diesem Jahr so früh angefangen hat. Endlich hört man, dass sich ein Schlitten nähert.

[5] Vanessa schickt die andern aus dem Zimmer, um mit Anatol allein sein zu können.

 

Diener huschen mit Gepäckstücken hin und her. Endlich öffnet sich die Tür zum Salon, und man sieht die Silhouette eines Mannes. [6] Vanessa kehrt ihm den Rücken zu: Er bekäme ihr Gesicht nicht zu sehen, sagt sie, und müsse sofort gehen, wenn er sie nicht liebe.

 

[7] Der Gast antwortet: „Ja, ich sollte dich wohl lieben!“ Vanessa wendet sich um und sieht einen Fremden vor sich. Entgeistert stürzt sie aus dem Zimmer. Sie ruft nach Erika, die ihre Tante beruhigt [8] und sich dann dem Betrüger zuwendet. Dieser erklärt, er sei Anatol, der Sohn des Mannes, den Vanessa geliebt hatte. In jungen Jahren habe er so viel von dieser Frau gehört, dass er nach dem Tode des Vaters beschlossen habe, sie kennen zu lernen. Erika fühlt mit Vanessa, die so lange vergeblich auf ihren Liebhaber gewartet hat. Anatol sieht, dass man für ihn aufgetragen und auch den Lieblingswein seines Vaters nicht vergessen hat. Er setzt sich zu Tisch und bittet Erika, ihm Gesellschaft zu leisten.

 

Zweite Szene

[9] Ein Monat ist vergangen. Es ist ein sonniger Sonntagmorgen. Erika gesteht der Baronin, dass Anatol sie in der Nacht seines Eintreffens verführt habe. Mehr als dieses eine Mal sei nichts geschehen, doch seither empfinde sie Hass und Liebe zugleich für ihn. Seine Liebesbeteuerungen empfindet sie als oberflächlich.

[10] Gerade kommt er mit Vanessa vom Schlittschuhlaufen, um zu frühstücken. Beide glühen vor Glück. Der alte Hausarzt freut sich, das Haus zu neuem Leben erwacht zu sehen [11] und erinnert sich in einem kleinen Walzer an die früheren Gesellschaften. [12]-[13] Nachdem die Männer abgegangen sind, gesteht Vanessa ihrer Nichte voller Überschwang ihre Liebe zu Anatol, der diese Empfindung offenbar erwidere. Für ihn glaubt sie ihre Jugend bewahrt zu haben. Dann verlässt sie den Raum. [14] Die Baronin meint, Erika werde um Anatol kämpfen müssen, doch diese will seine Liebe, nicht seine Gefangenschaft. Anatol tritt ein, und Erika verlangt eine sofortige Aussprache: Ihre Großmutter sei über alles informiert und überdies äußerst diskret. Auf die Frage, ob er Vanessa wirklich heiraten wolle, antwortet er, dass er Erika schon um die Ehe gebeten habe. Und in der Gegenwart der Baronin hält er noch einmal um ihre Hand an – [15] allerdings mit dem Hinweis darauf, dass er möglicherweise eine oberflächliche Vorstellung von der Liebe habe und seine Leidenschaft sehr wahrscheinlich eine vorübergehende sei. Indessen er noch auf die Antwort wartet, bittet Vanessa die Anwesenden, zum Gottesdienst in die Kapelle zu kommen. Erika verspricht, nachzukommen. [16] Aus der Ferne erhebt sich das erste Lied, während die junge Frau beschließt, Anatol ihrer Tante zu überlassen: „Soll Vanessa dich haben – sie, die so lange auf so wenig warten musste.“

 

CD 2

 

ZWEITER AKT

[1] Am Sylvesterabend ist alles für ein großes Fest hergerichtet – wie in früheren Tagen. [2] Der leicht beschwipste Doktor fürchtet, seine Ankündigung zu verderben: Ihm wurde es aufgetragen, die Verlobung von Anatol und Vanessa bekannt zu geben. [3] Vanessa ärgert sich darüber, dass Erika und die Baronin nicht an der Gesellschaft teilnehmen wollen. Der Doktor geht hinauf und will Erika umstimmen. Indessen reflektieren [4]-[5] Anatol und Vanessa gemeinsam über den bitteren Kern der Liebe. [6] Der Doktor kommt zurück. Er behauptet, Erika werde gleich kommen, verrät aber Anatol insgeheim, dass sie sich nicht einmal habe sprechen lassen.

 

Die Gäste werden in den Ballsaal geleitet. Während sich der Vorraum leert, kommt Erika langsam die Treppe herunter. Sie hört, was der Doktor den versammelten Gästen mitzuteilen hat. Krampfhaft presst sie ihre Hand auf den Leib. Während im Saal die Verlobung offiziell wird, fällt Erika auf den Stufen in Ohnmacht. Der Hausmeister findet sie und will den Doktor holen. Erika bittet ihn, sie allein zu lassen. Nachdem er widerstrebend gegangen ist, öffnet Erika die Vordertür. Sie läuft in ihrem Ballkleid in die Winternacht hinaus und murmelt, Anatols Kind solle nicht geboren werden. Die Baronesse kommt die Treppe herunter und geht zur Tür. Sie glaubt, Erikas Schritte im Schnee gehört zu haben und fürchtet sich.

 

DRITTER AKT, Erste Szene

Ein paar Stunden später in Erikas Schlafzimmer.

[7]-[8] Vanessa macht sich Vorwürfe, weil sie nichts von Erikas Liebe zu Anatol gespürt hat. Verschiedene Suchtrupps versuchen die junge Frau zu finden.

[9] Einige Männer kommen zurück: [10] Anatol hat Erika auf dem Weg zum See gefunden und heimgebracht.

[11] Vanessa will von ihm wissen, was der Grund für Erikas überstürzte Tat gewesen sei. Er weicht aus, doch da sie insistiert, sagt er schließlich: „Ich weiß zumindest, dass sie mich nicht liebt.“ [12] Nachdem die andern gegangen sind, [13] ruft Erika nach ihrer Großmutter und gesteht, dass das Kind nicht zur Welt kommen werde. Die Baronin erhebt sich schweigend und geht zur Tür.

 

[Intermezzo [14]]

 

Zweite Szene

Der Salon zwei Wochen später. [15] Anatol und Vanessa wollen in Paris leben. [16]-[17] Beim Abschied erinnert sich der Doktor an Geschehnisse aus Vanessas Kindheit.

[18] Vanessa hat Erika das Haus vermacht, sie aber gebeten, Anatol davon nichts zu sagen. Erika verspricht, alles so zu lassen, wie es ist. Ihre Tante will immer noch entdecken, was die Handlung in der Verlobungsnacht ausgelöst hat und hört, das habe nichts mit Anatol zu tun: „Ich glaubte, jemanden zu lieben der mich nicht liebte,“ lautet die ausweichende Antwort.

[19] Vanessa, Anatol, Erika, der Doktor und die Baronin denken über das Leben nach, das voller Liebe und Verlust, voller Träume und Abschiede ist. [20] Vanessa, Anatol und der Doktor gehen. Erika bleibt mit ihrer Großmutter zurück, die nicht mehr mit ihr spricht.

[21] Sie ruft den Hausmeister und bittet ihn, den vorigen Zustand des Hauses wieder herzustellen. Alle Spiegel werden verhängt. Sie will niemanden empfangen. Jetzt ist sie es, die wartet.

 

Steven Ledbetter

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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