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NHB10012 - BUSCH, W.: Eduards Traum (gekurzt)
German 

Die Erzählung „Eduards Traum“

 

Schon früh war Busch mit Dichtung in Berührung gekommen, hatte in der Folgezeit auch eigene dichterische Versuche unternommen und sich nach der Antwerpener Zeit mit Volksmärchen, Sagen, Volksliedern beschäftigt. In München trug er zur Kneipzeitung des Künstlervereins Vers und Prosa bei. Zunehmend wurde erkennbar, von wem die in seinen Arbeiten zutage kommende Weltsicht beeinflusst war: vor allem von Schopenhauer. Das findet seinen Niederschlag in der Lyriksammlung „Kritik des Herzens“, die Wilhelm Busch—ohne Zeichnungen—1874 veröffentlichte, und auch in der kleinen Selbstbiographie „Was mich betrifft“ (1886), die er nach einer Überarbeitung 1894 „Von mir über mich“ nannte. In diesen Zusammenhang gehören auch die beiden weniger bekannten Prosaarbeiten „Eduards Traum“ (1891) und „Der Schmetterling“ (1895), ebenso der letzte Gedichtband zu Lebzeiten „Zu guter Letzt“ (1904). In „Eduards Traum“ schrumpft Eduard zu einem „denkenden Punkt“ zusammen und unternimmt eine Inspektionsreise durch die Welt. Der „kleine Schnickschnack auf Druckpapier“—wie Wilhelm Busch 1891 die Erzählung nennt—gibt ihm Gelegenheit, das Inventar menschlicher Schwächen durchzusehen und diese kommentierend darzustellen.

Der schon in seiner Jugend erweckten „Neigung, in der Gehirnkammer Mäuse zu fangen, wo es nur gar zu viel Schlupflöcher gibt“ („Von mir über mich“), hat Wilhelm auch in „Eduards Traum“ nachgegeben. So ist eine endlose Geschichte entstanden, bei aller Phantastik nicht ohne bitteren Hintersinn. In einem Brief vom Dezember 1893 nannte es Busch „ein kleiner Scherz, nicht ohne Fleiß, denk ich, durchdacht, zur Unterhaltung für wenige, die an so was Vergnügen finden. Die Probleme sind eingewickelt und wollen nicht losgemacht sein…“. Was das Losmachen betrifft: darüber mag der Hörer entscheiden.


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