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NHB10052 - HOFFMANN, E.T.A: Don Juan / Ritter Gluck
German 

Don Juan • Ritter Gluck

1809 wurde die Erzählung „Ritter Gluck“ veröffentlicht, wenn auch anonym. Die Erzählung zeigt bereits in Ansätzen, was ein Kennzeichen von Hoffmanns Kunst insgesamt wurde. Der Erzähler, ein Musikfreund, trifft im Jahre 1809 einen ihm Fremden, gerät mit diesem in ein Gespräch über Musik; der Fremde spielt von einem leeren Notenblatt Werke Glucks und behauptet, er selber habe diese Musik geschrieben, nachdem er „aus dem Reich der Träume“ gekommen sei. Auf die Frage des Erzählers, wer er sei, antwortet der Fremde: „Ich bin der Ritter Gluck.“ Damit endet die Erzählung und läßt den Leser in Verwirrung zurück, denn der Komponist Gluck ist zu diesem Zeitpunkt bereits über zwanzig Jahre tot. Verwirrung entsteht, weil die Grenzen von Realität und Raum, Phantasie (von Hoffmann später auch „nächtlich“ genannt) in Auflösung geraten sind und beide Bereiche sich gleichermaßen als Wirklichkeit erweisen. „Don Juan“ erschien zuerst 1813. Ein Musikenthusiast schreibt einen Brief, in dem er über den Besuch von Mozarts „Don Giovanni“ berichtet; Donna Anna sei in seiner Loge erschienen. Später habe er an der Wirtstafel erfahren, dass die Sängerin um zwei Uhr gestorben sei. Er selber habe sich während der Aufführung in einem Zustand „poetisch-musikalischer Exaltation“ befunden. Der musikenthusiastische Schreiber überschreitet die Grenze zwischen sich und dem Kunstwerk, fühlt sich als Don Juan, als Donna Anna. Doch ist er nicht mit Hoffmann identisch; Hoffmann zeigt als Verfasser dieser Erzählung beide Welten, die Welt der Kunst und die Welt des Alltags, und weist auf das Widersprüchliche hin, ohne es aufzuheben.


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