About this Recording
NHB10062 - HEINE, H.: Memoiren des Herrn von Schnabelewopski (Die) (gekurzt)
German 

Die Memoiren des Herrn von Schnabelewopski

 

Im 19. und noch im 20. Jahrhundert verband man mit dem Namen Heine zuerst das „Buch der Lieder“, dann vor allem Lyrik. Das „Buch der Lieder“ (1827) wurde nach der zweiten Auflage (1837) zu einer der erfolgreichsten Lyriksammlungen im 19. Jahrhundert. Von der Prosa nahm man erst nach dem zweiten Weltkrieg größere Notiz, obwohl.

Heine mit seinen „Reisebildern“ bereits zu Lebzeiten Erfolg hatte. Seine Mischung von Bericht, Erzählung, Satire, Rhetorik, von Anspielungen verschiedenster Art und seine Formulierungskunst hatte eine neue Art der Darstellung geschaffen, die Langeweile nicht aufkommen läßt. Davon zeugen auch die in Paris geschriebenen vier Sammelbände der sogenannten „Salons“ (1834, 1835, 1837, 1840). Im ersten Band der „Salons“ findet sich die fragmentarische Erzählung „Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“. Der Text ist vermutlich 1832 entstanden und stellt sich in die Tradition der spanischen Romane, von denen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts nicht nur Übertragungen von Cervantes „Don Quijote“ (1800; Tieck), sondern auch solche des „Vida des escudero Marcos de Óbregon“ des Vicente Espinel (1827), der „Historia de la vida del Buscon“ von Quevedo (1810–1812) und des „Lazarillo de Tormes“ erschienen waren. Dieser sogenannte Pikaro-Roman machte Eindruck, nicht nur auf Heine. Kennzeichnend für diesen Roman ist die Reihung einzelner Episoden. Eine solche Form läßt die fast beliebige Addition einzelner Abenteuer zu, daher auch die vielen Fortsetzungen von anderen Verfassern, die am Erfolg ihrer Vorlage teilhaben wollten. Heine nutzt auf seine Weise die tradierte Art der Darstellung und mischt unter die Erzählpartien kritisch-satirische Anspielungen und essayistische Elemente. Offensichtlich interessierte Heine das eigentlich Erzählerische weniger, so daß es nicht zu verwundern ist, wenn er nach dem 14. Kapitel des ersten Buches abbricht. Das ist besonders deshalb zu bedauern, weil hier sicherlich eine ganz eigentümliche und so bisher nicht vorhandene Variation des tradierten Schelmenromans entstanden wäre, die sich als modern und traditionell zugleich gezeigt hätte. Davon können jedoch die vorliegenden Kapitel eine gute Vorstellung vermitteln.


Close the window