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NHB10112 - GOETHE, J.W. von: Novelle und ausgewahlte Gedichte
German 

Novelle

Die ersten Überlegungen Goethes zur „Novelle“ stammen von 1797. Damals hatte er von einer „neuen Idee zu einem epischen Gedichte“ gesprochen, das den Titel „Die Jagd“ tragen sollte und das er in Hexametern ausführen wollte. „Schiller und Humboldt…rieten mir ab, weil sie nicht wissen konnten, was in der Sache lag, und weil nur der Dichter allein weiß, welche Reize er seinem Gegenstand zu geben fähig ist.“ (Zu Eckermann, 18. Januar 1827). Goethe unterließ damals die Bearbeitung. Erst 1826/27 hört man wieder von der Geschichte. In einer Unterhaltung mit Eckermann (18. Januar 1827) bemerkte Goethe: „Um für den Gang dieser Novelle ein Gleichnis zu haben, so denken Sie sich aus der Wurzel hervorschießend ein grünes Gewächs, das eine Weile aus einem starken Stengel kräftige grüne Blätter nach den Seiten austreibt und zuletzt mit einer Blume endet. Die Blume war unerwartet, ja überraschend, aber sie musste kommen; ja, das grüne Blätterwerk war nur für sie da und wäre ohne sie nicht der Mühe wert gewesen. Zu zeigen, wie das Unbändige, Unüberwindliche oft besser durch Liebe und Frömmigkeit als durch Gewalt bezwungen werde, war die Aufgabe dieser Novelle, und dieses schöne Ziel, welches sich im Kinde und Löwen darstellt, reizte mich zur Ausführung. Dies ist das Ideelle, dies die Blume. Und das grüne Blätterwerk der durchaus realen Exposition ist nur dieserwegen da und nur dieserwegen etwas wert. Denn was soll das Reale an sich? Wir haben Freude daran, wenn es mit Wahrheit dargestellt ist, ja es kann uns auch von gewissen Dingen eine deutlichere Erkenntnis geben; aber der eigentliche Gewinn für unsere höhere Natur liegt doch allein im Idealen, das aus dem Herzen des Dichters hervorging.“ Am 29. Januar 1827 berichtet Eckermann: „Es kam sodann zur Sprache, welchen Titel man der Novelle geben solle; wir taten manche Vorschläge, einige waren gut für den Anfang, andere für das Ende, doch fand sich keiner, der für das Ganze passend und also der rechte gewesen wäre. ,Wissen Sie was’, sagte Goethe, wir wollen es die Novelle nennen; denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete, unerhörte Begebenheit. Dies ist der eigentliche Begriff und so vieles, was in Deutschland unter dem Titel Novelle geht, ist gar keine Novelle, sondern bloß Erzählung oder was Sie sonst wollen.“ Nach einigem Hin und Her, ob es „Die Novelle“ oder „Eine Novelle“ heißen solle, schrieb Goethe an Reichel, die Überschrift der kleinen Erzählung solle heißen „ganz einfach: Novelle. Ich habe Ursache, das Wort Eine nicht davorzusetzen.“ Und dabei blieb es. Die „Novelle“ erschien zuerst 1828 im 15. Band der „Ausgabe letzter Hand“.


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