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NHB10142 - STIFTER, A.: Aus dem bairischen Wald
German 

Aus dem bairischen Wald

Diese Erzählung schildert Ereignisse, die Stifter Ende 1866 passierten. Vollendet ausbalanciert und von unerhörter Intensität stellt sie den Einbruch einer Katastrophe dar. Stifter und seine Frau hatten sich Oktober 1866 aus Furcht vor der in Linz und Umgebung grassierenden Cholera in Lackenhäuser im Bayerischen Wald eingemietet; als die Gefahr vorüber schien, reiste Amalie Ende Oktober alleine nach Linz zurück. Sie erkrankte Anfang November und Stifter wollte sofort zu ihr fahren, befürchtete aber, durch sein plötzliches Erscheinen den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine lebensbedrohliche Krankheit. Als er am 19. November abreisen wollte, machte ein heftiger Schneesturm alle Wege unpassierbar und hielt ihn im Hause der Rosenberger fest. Die Kraft dieser ganz unspektakulär „Aus dem bairischen Wald“ betitelten Erzählung kann man ermessen, wenn man Stifters lapidare briefliche Beschreibung der Geschehnisse in einem Brief an Heckenast vom 3. Dezember 1866 danebenhält. In der Erzählung berichtet Stifter von einer beängstigenden Verwandlung der Landschaft durch ein „weißes Ungeheuer“ ins Grausige. Es ist die letzte Arbeit, die er abgeschlossen hat. Sie entstand 1867, wurde aber erst 1869 nach Stifters Tod veröffentlicht.


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