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NHB10332 - EBNER-ESCHENBACH, M. von: Muff (Der) / Die Kapitalistinnen
German 

Der Muff • Die Kapitalistinnen

Marie v. Ebner-Eschenbach kannte aus eigener Anschauung die Kreise der alten österreichischen Aristokratie wie auch die Welt der Bauern. In dem Erzählungsband „Dorf- und Schloßgeschichten“ hat sie diese Welt kritisch, aber verständnisvoll geschildert. Doch auch in Wien spielen ihre Geschichten. „Der Muff“ und „Die Kapitalistinnen“ sind zwei exquisite Beispiele für ihr Verständnis von städtischen Existenzen. Beide Erzählungen erschienen gemeinsam als „Wiener Geschichtchen“ 1889 in dem Band „Miterlebtes“. Miterlebt nicht nur aus der Ferne, denn die Generalin in „Der Muff“ trägt deutlich autobiographische Züge: sie schriftstellert, und auch im Hang zur Wohltätigkeit und zur Selbstironie gleichen sich die beiden Frauen. Der Drang zur Hilfeleistung verkehrt sich allerdings in „Der Muff“ ins Gegenteil und gibt der Autorin Gelegenheit, ironisch menschliche Schwächen sowohl in den Kreisen der höheren Gesellschaft wie auch in der Unterschicht aufzudecken. Eben dadurch, daß sie nie in plumpe Anklagen oder Rechtfertigungen verfällt, wird die (allzu)menschliche Seite der Personen und das krasse soziale Gefälle zwischen ihnen deutlich. Eine mild-ironische, aber in keiner Weise spektakuläre Schilderung durchschnittlicher Existenzen bietet „Die Kapitalistinnen“: Zwei pensionierte Lehrerinnen werden zum ersten Mal mit der Realität des Geldwesens konfrontiert. Die Abwesenheit jeder Art von Übertreibung, die unaufgeregte, trotzdem präzise Schilderung, mit der Marie Ebner die beiden Damen bedenkt, beeindruckt und hinterläßt ein Gefühl der Versöhnung mit den Unannehmlichkeiten des Daseins. Dabei spielt es keine Rolle, ob das vor 120 Jahre oder heute passiert.


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