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NHB10352 - BURGER, G.A.: Munchhausens Abenteuer zur See
German 

Der Baron von Münchhausen

Die Geschichten des Barons von Münchhausen reihen sich ein in eine seit dem Altertum (z.B. Lukian) vorhandene Kette von Lügengeschichten, die immer wieder Interesse und Beifall fanden. Im 18. Jahrhundert war es die historische Figur des Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen (1720–1797), mit dessen Namen—veranlaßt wahrscheinlich durch die erzählerische Begabung des Barons, die im kleinen Kreise das Entzücken von Freunden und anderen Gästen hervorgerufen und ihm offensichtlich einen gewissen Ruf eingebracht hatte—eine Reihe von Geschichten in Verbindung gebracht wurden. 1781 war anonym eine Sammlung von 16 Geschichten erschienen unter dem Titel „M-h-s-nsche Geschichten“, 1783 kamen zwei weitere Geschichten heraus. Der historische Münchhausen war über die Zuordnung der Geschichten zu seinem Namen verärgert, konnte aber nichts mehr ändern. Rudolf Erich Raspe übersetzte die „M-h-s-nsche Geschichten“ ins Englische, fügte Geschichten hinzu und veröffentlichte sie 1785 anonym als „Baron Munchhausen’s narrative of his marvellous travels and campaigns in Russia“. Es folgten bald weitere Auflagen, wiederum von Raspe erweitert. Diese englische Ausgabe fiel in Göttingen Bürger in die Hände, er übersetzte den Text ins Deutsche, wohl auch in der Hoffnung, dadurch zu Geld zu kommen. Dabei bearbeitete er den Text frei und fügte zunächst acht, dann—in der zweiten Auflage 1788—noch einmal fünf Abenteuer hinzu. Diese beiden Auflagen erschienen wiederum anonym. Es ist nicht verwunderlich, daß auch nach Bürger weitere Münchhausiaden geschrieben wurden. Die Freude über eine Figur, die aus allen Widrigkeiten einen Ausweg weiß, und sei er noch so unwahrscheinlich, hält bis heute an. Das mag auch Bürger beeindruckt haben, der selber sein Leben lang mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ihnen meistens unterlag, und hier jemanden fand, der sich an seinem Haar mit der Stärke seines Armes aus dem Morast ziehen konnte.


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