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NHB10362 - GOGOL, N.: Nase (Die)
German 

Die Nase

Von allen Erzählungen Gogols zeigt „Die Nase“ bestimmte Fähigkeiten seiner Kunst am deutlichsten: die realistische Schilderung vor allem der Details, den Einbruch des Unheimlichen, Unverständlichen in eine scheinbar geordnete Welt, die dadurch ausgelöste Furcht vor Tod und Teufel, die Verzerrung der Welt ins Groteske und der Menschen bis zur Karikatur; dies wird zum Teil mit bissiger Boshaftigkeit, zum Teil mit skurrilem Humor dargestellt. Die Tragik von Gogols Schriftstellerleben besteht gerade darin, daß in dem Genannten seine große Begabung liegt, nicht aber in der Darstellung dessen, was er mit zunehmendem Alter immer entschiedener seine ethischen und religiösen Absichten nennt. Deshalb konnte er mit dem zweiten Teil seiner „Toten Seelen“ auch nicht zurecht kommen. Nie ging es Gogol darum, die Wirklichkeit bloß so, wie sie ist, wiederzugeben (obwohl er oft als Realist angesehen wird), viele Bereiche bleiben ausgespart. Stattdessen findet man bei ihm die hohe Kunst eines phantastischen Spiels, das—angeregt von ähnlich gearteten Künstlern wie E.T.A. Hoffmann und Lawrence Sterne—gelegentlich so weit geht, daß der Spieler vorgibt, seine von ihm selbst erfundenen Regeln nicht mehr zu kennen—wie in dieser Geschichte. Wie der Leser, so sagt auch der Autor zum Schluß: „Ich verstehe es einfach nicht“, doch auch: „Man mag sagen, was man will, solche Ereignisse kommen wirklich vor— selten, aber sie kommen vor.“


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