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NHB10382 - LESKOV, N.: Tier (Das) (vollstandiger Text)
German 

Das Tier

Nikolai Lesskovs 1883 erschienene Erzählung „Das Tier“ gehört ohne Frage zu seinen Meisterwerken. Sie erzählt von einem reichen, alten und grausamen Gutsbesitzer, dessen Hauptcharakterzüge Bosheit und Unerbittlichkeit sind. Er läßt keine Schwäche gelten, weder menschliche noch tierische, und führt auf seinen Besitzungen ein fürchterliches Regiment. Ihm gegenüber steht der junge Bärenhüter Ferapont, der zu seinen Schützlingen eine innige, menschlich-emotionale Beziehung entwickelt hat. Als sein besonderer Freund, der Bär Sganarell, wegen „tierischen“ Verhaltens zum Tode verurteilt wird, kommt er in einen Konflikt zwischen der Loyalität gegenüber seinem Herrn und dem Tier, das ja nur seinen Instinkten gefolgt ist. Der Bär entkommt, aber Ferapont—dessen Verurteilung wegen Pflichtvergessenheit alle erwarten—wird von seinem Herrn wider Erwarten freigelassen. Und erneut wider Erwarten: Ferapont verläßt das Gut nicht, sondern dient als freier Mann noch treuer als aus Furcht.

Die Erzählung spielt an Weihnachten; der Priester, der überzeugend eine Deutung des Weihnachtsfestes unternimmt, verändert das Herz des Alten, des eigentlichen „Tieres“ dieser Geschichte. Anstelle der Furcht vor dem Gutsbesitzer hält nun der Friede Christi Einzug. Hinfort ist er gemeinsam mit Ferapont als Wohltäter unterwegs. Das Weihnachtsfest stellt hier gewissermaßen den spirituellen Hintergrund dar, vor dem sich das Geschehen der Gnade abspielt. Es ist nicht abstrakt die Religion, die den Alten verändert, sondern das Beispiel des ganz selbstverständlich menschlich handelnden Ferapont.

Lesskov schreibt eine dichte und spannende Geschichte, voll von Personen aus Fleisch und Blut und gelungenen Szenen.


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