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NHB10512 - STIFTER, A.: Sonnenfinsternis (Die) / Ein Gang durch die Katakomben
German 

Adalbert Stifter

 

Am 23. Oktober 1805 wurde Adalbert Stifter in Oberplan (tschech. Horni Plana) in Böhmen geboren. 1811 kam er in die Dorfschule. Nach dem Tode des Vaters meldete ihn sein Großvater im Stift Kremsmünster, einer Benediktinerabtei, an, wo Adalbert 1818 aufgenommen wurde und bis 1826 blieb. Nach dem Abschluß ging Stifter nach Wien, um zu studieren. Gegen den Wunsch der Mutter entschied er sich für das Jurastudium. Wie schon in Kremsmünster, so war Stifter auch jetzt gezwungen, durch Nachhilfeunterricht seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Während der Semesterferien machte er in Friedberg die Bekanntschaft der Familie Greipl und lernte deren Tochter Franziska, genannt Fanny (1808–1839), kennen; in sie verliebte er sich leidenschaftlich, doch war den Eltern ein Student ohne berufliche Aussichten nicht willkommen. Stifter beendete sein Studium ohne Abschluß und blieb Hauslehrer. Er gewann in dieser Tätigkeit Verbindung zum Wiener Adel und zu anderen einflußreichen Kreisen. 1832 hatte Stifter die Putzmacherin Amalie Mohaupt kennengelernt; 1833 sah er Fanny wieder, warb 1835 erneut um sie, doch erhielt keine Antwort; stattdessen erfuhr er 1836, daß sie geheiratet hatte. Während dieser Zeit lebte Stifter bereits mit Amalie Mohaupt zusammen. Am 15. November 1837 heiratete er sie. Ein gemeinsames Kind starb bald nach der Geburt. Die finanziellen Sorgen hörten nicht auf. In einer Wiener Zeitschrift erschien 1840 zum erstenmal eine Erzählung Stifters: „Der Kondor“, es folgten „Das Heidedorf“ und 1841 „Die Feldblumen“. 1841/42 veröffentlichte er in einer Zeitschrift in 13 Folgen „Die Mappe meines Urgroßvaters“ in der ersten Fassung (drei Fassungen sollten folgen), 1842 enthielt „Iris. Taschenbuch für das Jahr 1842“ die Erzählung „Hochwald“. Die finanzielle Lage besserte sich nicht wesentlich, 1842 wurde Stifter sogar als Vorleser tätig. Hauslehrer blieb er, so u.a. 1843–1946 für den Sohn des Staatskanzlers Metternich. Seine Erzählungen erschienen—vor allem 1841 bis 1849—in Almanachen, Taschenbüchern, Zeitschriften, Jahrbüchern; der Almanach „Iris“, von Gustav Heckenast verlegt, nahm sehr viele auf. 1842 kam es mit Heckenast zu einer Sammlung der Erzählungen, die 1844–1850 in sechs Bändchen unter dem Titel „Studien“ veröffentlicht wurden. Stifter arbeitete dazu die bereits erschienenen Erzählungen um. 1847 nahmen Stifter und seine Frau ein Kind seines Schwagers, Juliane Mohaupt, als Pflegetochter auf. Um die Weihnachtszeit 1851 verschwand Juliane und wurde erst nach zwei Wochen wieder aufgefunden. 1859 lief sie erneut fort, nach vier Wochen fand man sie tot am Ufer der Donau bei Mauthausen. 1853 gab Heckenast eine weitere Sammlung von Erzählungen Stifters in zwei Bänden heraus: „Bunte Steine“. Von besonderer Bedeutung ist die Vorrede, in der Stifter seine ästhetischen und weltanschaulichen Gedanken darlegt („Das sanfte Gesetz“). Das Jahr 1848 ging auch an Stifter nicht ohne Wirkung vorbei: er meldete sich als Wahlmann seines Wohnbezirks für die Wahlen zu einer Verfassunggebenden Nationalversammlung. Am 6. Mai 1848 zog Stifter nach Linz, „um endlich in Ruhe zu kommen“. 1850 wurde er Volksschul-Inspektor für Oberösterreich. Dabei kümmerte er sich auch um den Zustand und den Erhalt von Kunstdenkmälern. 1854 begann Stifter, der schon seit seiner Jugend gezeichnet und später gemalt hatte, bis 1867 ein Tagebuch über diese Tätigkeit zu führen. Ein Nervenleiden zwang ihn 1855 zu einem Erholungsaufenthalt auf dem Gut der Familie Rosenberger bei Lackenhäuser bei Frauenberg im Südosten des Bayerischen Waldes (wiederholte Aufenthalte bis 1866). 1857 unternahm er eine erste größere Reise mit Amalie und Juliane, die bis Triest führte: „Mein Sehnen seit vielen Jahren ist in Erfüllung gegangen: ich habe das Meer gesehen.“ Im selben Jahr 1857 veröffentlichte Stifter „Der Nachsommer. Eine Erzählung“ in drei Bänden, die durchweg ungünstig besprochen wurde. 1858 war Stifters Mutter gestorben, 1859 ereignete sich der Selbstmord der 18jährigen Juliane. Der Tod Julianes führte bei Stifter zu großen Selbstvorwürfen. Dennoch arbeitete er an seinem Roman „Witiko“, außerdem seit 1863 an einer dritten Fassung der „Mappe“. Da sein Gesundheitszustand bedenklich wurde, nahm Stifter 1864 Urlaub, 1865 reiste er nach Karlsbad zur Kur, doch die Besserung hielt nicht an. Seinem Antrag auf Versetzung in den Ruhestand wurde am 31. Oktober 1865 entsprochen. 1865–67 erschienen die drei Bände des „Witiko“, fanden aber kaum positive Resonanz. Außerdem veröffentlichte Stifter 1866 zwei kleinere Erzählungen: „Der Kuß von Sentze“, „Der Waldbrunnen“; die Veröffentlichung der Erzählung „Der fromme Spruch“ wurde 1867 von mehreren Seiten abgelehnt. Eine grassierende Grippe schien auch Stifter angesteckt zu haben; sie kam zu der schon seit langem vorhandenen Leberzirrhose und zu schweren Depressionen hinzu. Sein Zustand verschlimmerte sich. Da ihn große Schmerzen quälten, glaubte Stifter wohl, sich durch einen Schnitt mit einem Rasiermesser in den Hals helfen zu können (eine zureichende Erklärung für diese Handlung in der Nacht vom 25. zum 26. Januar 1868 fehlt bis heute); der herbeigerufene Arzt stillte die Blutung und vernähte die Wunde, doch starb Stifter am 28. Januar 1868.

1841 bot der Verleger Gustav Hekkenast Stifter die Redaktion eines Sammelbandes an, der den Titel tragen sollte: „Wien und die Wiener in Bildern aus dem Leben“. Er erschien 1844 und enthielt 54 Arbeiten, zwölf stammen von Stifter. Alle sollten dazu führen, daß sich ein Leser am Ende sagt: „Das muß doch eine erstaunliche Stadt sein, wir müssen doch auch dieselbe vor unserem Lebensende noch besuchen und besehen“ (Vorrede). Es ging also um Werbung für Wien. Obwohl Stifter kein Feuilletonist war, sind doch einige von seinen Beiträgen bemerkenswert, so der „Gang durch die Katakomben“ (1841), auch die „Wiener Salonscenen“ (1843) und „Die Karwoche in Wien“ (1841).

„Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842“—dieser Bericht stammt aus der frühen Zeit von Stifters Werk. Dennoch weist er voraus und nimmt Züge vorweg, die in ähnlicher Weise auch in der späten Erzählung „Aus dem bairischen Walde“ (Naxos Hörbücher NHB10142) zu finden sind: angesichts eines Naturereignisses erlebt der Mensch eine Veränderung seiner gewohnten Welt und gerät in Angst. Dieser Bericht ist zuerst in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ Nr. 139-141 in Wien 1842 erschienen.


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