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NHB10582 - MAUPASSANT, G. de: Schmuck (Der) / Fraulein Perle
German 

Guy de Maupassant

 

wurde am 5. August 1850 auf Schloß Mirosmesnil bei Dieppe geboren, das zu der Zeit von der Familie gemietet worden war. Der Vater, Gustave de Maupassant, stammte aus einer lothringischen Familie, die seit dem 18. Jahrhundert in der Normandie lebte. Er trennte sich bereits 1860 von seiner Frau. Die Mutter, Laure geb. Le Poittevin, war die Tochter eines Textilfabrikanten in Rouen, ihr Bruder Alfred das Patenkind von Gustave Flauberts Vater, der seit 1818 Chefarzt des Krankenhauses in Rouen war. Die Kinder des Arztes und des Textilfabrikanten kannten einander seit frühester Kindheit, Gustave Flaubert war mit Alfred Le Poittevin ein Leben lang befreundet. Nach der Trennung von ihrem Mann zog Laure mit den beiden Söhnen in ihr Haus nach Étretat, einem Dorf an der Küste zwischen Le Havre und Fécamp. Sie hatte auf ihre Söhne großen Einfluß, besonders auf Guy, der als der begabtere galt. Von ihr hatte er die Fähigkeit des Erzählens geerbt, ihr blieb er sein Leben hindurch eng verbunden. Als Dreizehnjähriger wurde Guy in die kirchliche Erziehungsanstalt Yvetot gebracht; er war zwar ein guter Schüler, aber unglücklich dort. Er rebellierte, verfaßte entsprechende Gedichte und mußte schließlich die Anstalt verlassen. Er kam auf ein Lyzeum in Rouen, wo er auch seine Abschlußprüfung machte. Bereits in Rouen lernte Maupassant Gustave Flaubert näher kennen. Dieser kümmerte sich gemeinsam mit dem befreundeten Bibliothekar und Lyriker Louis Bouilhet um ihn. Schon der erste Besuch bei Flaubert war sehr günstig verlaufen, Flaubert war von dem jungen Mann sehr eingenommen. Weitere Besuche folgten, und es entwickelte sich eine Lehrer-Schüler-Freundschaft, in welcher der Ältere die schriftstellerischen Versuche wohlwohllend begleitete und ihm mit Ratschlägen zur Seite stand. Der Einfluß Flauberts kann kaum überschätzt werden.

Der Krieg 1870/71 war für Maupassant schnell abgeschlossen, da er in Paris im Verwaltungsdienst tätig war. Im November 1871 wurde die Frage eines Berufes dringend. Maupassant wollte Schriftsteller werden, aber um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nahm er eine Anstellung beim Marineministerium an. Zusammen mit einer kleinen Rente von seinem Vater konnte er sich über Wasser halten. Während dieser Zeit entwickelte sich seine Liebe zum Rudern; sein Leben war ausgefüllt mit Bürodienst, Rudern und Literatur. 1880 erschien die erste Erzählung unter seinem Namen: „Boule des suif“ (Fettklößchen“). Sie machte ihn berühmt. Flaubert schrieb begeistert an Maupassant und nannte die Erzählung „ein„Meisterwerk“, Maupassants Mutter gegenüber eine „Kostbarkeit“. Überhaupt setzte er sich sehr für Maupassant ein, bezeichnete ihn als seinen Schüler und schrieb: „Ich liebe ihn wie meinen Sohn“. Das folgende Werk „La maison Tellier“ (1881) bestätigte Maupassants ersten Ruhm. Er hatte schon nach der ersten Veröffentlichung vom Ministerium bei vollem Gehalt ein Jahr Urlaub erhalten, nach der zweiten gab er seine Tätigkeit dort ganz auf und widmete sich nur dem Schreiben. Durch Tagesschriftstellerei und durch die Veröffentlichung von Romanen und Novellen verdiente er allmählich so gut, daß er sich ein luxuriöses Leben leisten konnte. Auch unterstützte er seine Mutter und seinen Bruder, der zunehmend unter Verfolgungswahn zu leiden begann, aggressiv wurde und schließlich von Maupassant in eine Anstalt gebracht werden mußte.

Schon 1881 stand es mit Maupassants Gesundheit nicht zum  besten, doch stellte er sich weiter als gesunden Kraftmenschen hin. Er unternahm viele Reisen, die Ziele lagen vor allem außerhalb Frankreichs: Korsika, Nordafrika, Italien, Sizilien, Rom, Algier, England, die Pyrenäen. Immer wieder zog es ihn nach Étretat zu seiner Mutter, die—neben Flaubert, der 1880 gestorben war—die einzige ihm wirklich Vertraute blieb. Sie starb 1904. Doch auch ihr erzählte er nichts von seiner Krankheit (Syphilis) und von deren Folgen: Zustände von Lustlosigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Sehstörungen und Angst. Seine pessimistische Einstellung zum Leben, seine Zweifel an allem verstärkten sich. Er fürchtete, wahnsinnig zu werden wie sein Bruder und unternahm einen Selbstmordversuch; dieser mißlang zwar, doch brachte man Maupassant in eine Anstalt in Passy. Dort lebte er noch eine kurze Zeit, teils bei klarem Verstand, teils nur dahindämmernd. Am 6. Juli 1893 starb er im Alter von 42 Jahren.

In wenig mehr als zehn Jahren hat Maupassant ein Werk von beachtlichem Ausmaß geschaffen: Sechs Romane, drei Bände Reisebeschreibungen und über 300 Novellen, daneben Bühnenwerke, Feuilletons, Kritiken, Vorreden. Vor allem unter den Novellen finden sich wahre Meisterwerke.

Maupassant hat seine Erzählungen zunächst in Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht, bevor er sie für die Buchausgaben—in der Regel acht bis zwanzig Einzelstücke—zusammenstellte. Die meisten Geschichten entstanden in den Jahren 1882 bis 1884. Ihr Themenkreis ist keineswegs auf Liebe, Ehe, Untreue, Eifersucht etc. beschränkt, obwohl davon viele handeln. Auch vom Leben unter Bauern, unter kleinen Beamten, von Episoden aus dem Krieg 70/71, von Erfahrungen des Alters, des Familienlebens ist die Rede; selbst Kriminalgeschichten und phantastische Erzählungen fehlen nicht. Die Art der Darstellung hat sich seit der Veröffentlichung von „Boule de suif“ nicht grundsätzlich geändert: der Erzähler stellt dar, er analysiert nicht, er verzichtet auf psychologisierende Deutungen, auch philosophierende Bemerkungen fehlen. All das überläßt Maupassant dem Leser. „Man muß beschreiben, nicht analysieren“, ist seine Devise. Und er beobachtet und beschreibt genau, Sentimentalität fehlt völlig; wie sein Meister Flaubert erzählt er voller Distanz, ungerührt und objektiv. Dennoch haben die Erzählungen einen dunklen Ton von Traurigkeit.

Die beiden bekannten Erzählungen dieser Aufnahme zeigen Maupassant in voller Meisterschaft. „Der Schmuck“ (La Parure) entstand 1884 und wurde im Sammelband „Contes du jour et de la nuit“ veröffentlicht, „Mademoiselle Perle“ schrieb Maupassant 1886 und veröffentlichte das Stück im Band „La Petite Roque“.


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