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NHB10592 - SAAR, F. von: Troglodytin Maruschka (Die)
German 

Maruschka – Die Troglodytin

1888 erschien unter dem Sammeltitel „Schicksale“ (zusammen mit „Leutnant Burda“ und „Seligmann Hirsch“) die Novelle „Die Troglodytin“ zum ersten Mal. 1896 schrieb Saar dem Verleger Georg Weisz über sein bis dahin vorliegendes Novellenwerk, daß seine Novellen „alle aus einem Gesichtspunkte zu betrachten“ seien, „nämlich als Kultur- und Sittenbilder aus dem österreichischen Leben von 1850 bis auf die Gegenwart. Nur wenn man ihren Zusammenhang erkannt hat, begreift oder würdigt man sie vollständig.“ „Maruschka—Die Troglodytin“ spielt in Mähren; im Mittelpunkt steht eine Familie, die zu den „Parias der Gesellschaft“ zählt und am Rande einer Ortschaft in einer Höhle lebt (daher die Bezeichnung der Tochter Maruschka als Troglodytin, d.h. Höhlenbewohnerin). Obwohl von Obdachlosigkeit, Diebstahl, Trunksucht, Brandstiftung die Rede ist, geht es Saar nicht um Anklage, etwa wegen unterlassener, vielleicht möglicher Resozialisierung. Maruschka, unbekümmert um alle Wertvorstellungen der Gesellschaft ihrer Zeit, bringt durch ihre Schönheit und ihr aufreizendes Verhalten einen Forstadjunkten in große Verwirrung, aus der er sich nur mit Mühe retten kann. Die Geschichte gehört nicht zur naturalistischen Literatur der Zeit. „So viel Idealismus glaube ich mir aber doch noch bewahrt zu haben, daß ich nicht zum platten Naturalismus herabsinke—obgleich ich in meiner dritten neuen Novelle ,Die Troglodytin’ im künstlerischen Realismus bis zum Äußersten gehe.“ (an die Fürstin zu Hohenlohne, 24.09.1887).


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