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NHB20062 - DROSTE-HULSHOFF, A. von: Judenbuche (Die)
German 

Die Judenbuche

Ein Onkel der Droste, der Freiherr August von Haxthausen (1792–1866), hatte in der Zeitschrift „Die Wünschelruthe. Ein Zeitblatt“, deren Herausgeber H. Straube und Dr. J.P. von Hornthal waren, im Februar 1818 seine „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ veröffentlicht, die von einem Mörder im Paderborner Land erzählte, der einer Verurteilung entkommen, in algerische Sklaverei gefallen, nach vielen Jahren aber an den Ort seiner Tat zurückgekehrt war und sich erhängt hatte. Dieser Vorfall hatte sich in der Nähe der Güter der Haxthausen ereignet und war oft Gegenstand des Gesprächs gewesen. August von Haxthausen schrieb in der Einleitung zu einer später von ihm veränderten Abschrift seines Artikels aus der „Wünschelruthe“: „Die Dichterin hatte…oft die Geschichte eines Selbstmörders aus jener Gegend erzählen hören. Diese Geschichte ist völlig getreu und ohne Zusatz nach der Erzählung ihres Großvaters aufgeschrieben und in einer jetzt längst verschollenen Zeitschrift abgedruckt.“ In einem Brief der Droste vom 04.08.1837 liest man zum ersten Mal von der Erzählung: „Eine Kriminalgeschichte, Friedrich Mergel, ist im Paderbornischen vorgefallen, rein national und sehr merkwürdig; diese habe ich mitunter große Lust zu vollenden.“ Nach mehrjähriger Arbeit heißt es in einem Brief an Jenny vom 1. Juli 1841: „Ich habe jetzt eine Erzählung fertig von dem Burschen im Paderbornischen, der den Juden erschlug…“ Die Erzählung war für ein Werk über Westfalen vorgesehen und daher ohne Titel geblieben. Nach einer Überarbeitung im Winter 1841/42 schickte Schücking den Text als Probe für das geplante Westfalenbuch an den Redakteur Hauff zum Vorabdruck und teilte am 12. April der Droste mit: „Ihre Erzählung, gnädiges Fräulein, habe ich Hauff gelassen…ich hatte nicht die Zeit, einen Titel zu erfinden und habe es ihm überlassen müssen.“ Der Redakteur Hermann Hauff (Bruder von Wilhelm Hauff und dessen Nachfolger beim „Morgenblatt“) nannte das „Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen“ (so der ursprünglich von der Droste gewählte Titel) „Die Judenbuche“. Die Erzählung erschien zuerst im „Morgenblatt für gebildete Leser“ in 16 Fortsetzungen vom 22.04. bis 10.05.1842. Erst 1859 fand durch Schücking eine zusammenhängende Ausgabe statt. Inzwischen gehört „Die Judenbuche“ zu den berühmtesten Erzählungen deutscher Prosa und ist bis heute lebendig geblieben.


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