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NHB20172 - HOFFMANN, E.T.A.: Sandmann (Der) (vollstandiger Text)
German 

„Der Sandmann“

ist zuerst erschienen 1816 im ersten Teil der „Nachtstücke". Der Sammelbegriff „Nachtstücke“, ursprünglich in der Malerei verwendet, wurde von Hoffmann gewählt, um Ereignisse und Verhaltensweisen zu bezeichnen, die dem Schauerlichen, Gespenstischen, im weitesten Sinne dem Dunklen, Bedrohlichen zuzuordnen sind. Dem menschlichen Verstand bleiben diese Bereiche weitgehend verschlossen, die Sicherheit einer klaren Erkenntnis fehlt. So sind auch Abgrenzungen zwischen geistiger Gesundheit und Krankheit unmöglich. In dieser Unsicherheit muß der Mensch leben, er kann den Nachtseiten nicht entfliehen, wird vielleicht sogar ihr Opfer—wie der Student Nathanael. „Der Sandmann“ ist ein Musterbeispiel für diese Einstellung Hoffmanns. Der Sandmann der Ammenmärchen, der kleinen Kindern Sand in die Augen streut, ist Kindern und Eltern wohlgesonnen. Ganz anders hier: Der böse Advokat Coppelius ist für Kinder ein Schrecken. Dies wirkt bei Nathanael fort, dem Coppelius—vermeintlich—immer wieder begegnet. Dauernd werden Augen, Brillen, Fernrohre ins Spiel gebracht—Symbole für eine verzerrte Sicht auf die Realität. Drei Briefe stehen am Anfang, bevor der Erzähler zu Wort kommt, der jedoch auch nicht alle Zusammenhänge kennt. Mit Nathanaels Liebe zu der künstlichen Figur Olimpia ist sein Wirklichkeitsverlust vollkommen, er kommt ins Irrenhaus.


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