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NHB20312 - KELLER, G.: Frau Regel Amrain und ihr Jungster
German 

Frau Regel Amrain und ihr Jüngster

Diese Erzählung erschien als Vorabdruck in der „Berliner Volkszeitung“ im Herbst 1855, dann im ersten Band von „Die Leute von Seldwyla“ im Januar 1856. Seldwyla stellt eine Stadt dar, an deren Bewohnern Keller die vorherrschenden Tendenzen seiner Zeit darstellen wollte: die zunehmende Macht des Geldes, die zu Besitzgier, Neid, Konkurrenzkampf führt und menschliche Beziehungen zerstört. Dagegen kämpft Regula Amrain, die nicht aus Seldwyl stammt. Ihr Mann, ein echter Seldwyler, hat sie und die drei Kinder verlassen und sie muß zusehen, wie sie zurecht kommt. Entschlossen versucht sie nicht nur einen aus dem Bankrott ihres Gatten übrig gebliebenen und verschuldeten Steinbruch zu retten, sondern auch ihre Kinder vor den verderblichen Wirkungen des Seldwylertums zu bewahren. Zu denen gehört, „so lange es geht, fremde Leute für sich arbeiten zu lassen“ und einen „trefflichen Schuldenverkehr“ zu betreiben. So ist in dieser Erzählung besonders von der Erziehungsarbeit der Frau Regel Amrain die Rede. Nicht auf Systeme oder Theorien stützt sie sich, sondern sie wird geleitet von ihrer Menschenkenntnis, dem Sinn für Recht und Unrecht und von der Liebe zu ihrem Kind. Sie erzieht „weniger mit der Zunge als mit der ganzen Person.“ Voll Engagement führt Gottfried Keller vor, wie es Regula Amrain gelingt, aus ihrem jüngsten Sohn, an dem sie Züge ihres Mannes zu sehen glaubt, jemanden zu machen, der „zu den wenigen gehörte, die aufrecht blieben, so lange sie lebten“.


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