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NHB20392 - KAFKA, Franz: Verwandlung (Die) (vollstandiger Text)
German 

Die Verwandlung

Am 17.11.1912 schreibt Kafka in einem Brief an Felice Bauer von einer „kleinen Geschichte“, „die mir in dem Jammer im Bett eingefallen ist und mich innerlich bedrängt“. Der „Jammer“: das waren Spannungen zu Felice Bauer, das schwierige Verhältnis zu seiner Familie, besonders zu seinem Vater („Ich lebe in meiner Familie, unter den besten, liebevollsten Menschen, fremder als ein Fremder“), die unauflösbare Diskrepanz zwischen den Forderungen des Berufs, der Familie und denen seiner Existenz als Schriftsteller. Kafka schreibt „Die Verwandlung“ von November 1912 bis 7. Dezember 1912; veröffentlicht wird sie im Oktober 1915.

Verwandlungen waren schon immer ein beliebtes Thema der Literatur. Kafkas Geschichte unterscheidet sich von anderen dadurch, daß der Vorgang der Verwandlung vor dem Beginn des ersten Satzes zu denken ist, daß alles Weitere einer realen menschlichen Umwelt entsprechend geschieht. Das Geschehen vollzieht sich an dem Handlungsreisenden Gregor, der, um seine Familie unterstützen zu können, einen ungeliebten Beruf ausgeübt hat. Seinem nur im Unterbewußtsein vorhandenen Wunsch, den Verpflichtungen der Familie und des Berufs zu entfliehen und zu sich selbst zu kommen, wird durch die Verwandlung in ein „ungeheures Ungeziefer“ entsprochen. Gregor hört auf ein Mensch zu sein, ohne aber sein menschliches Bewußtsein verloren zu haben. Parallelen zu Kafkas eigenem Leben sind nicht zu übersehen, trotzdem ist diese Erzählung nie eindimensional, sondern vielen Deutungen offen.


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