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NHB20422 - KELLER, G.: Pankraz, der Schmoller
German 

Pankraz, der Schmoller

1850 war Keller nach Berlin gezogen und erst im Dezember 1855 wieder in Zürich. Die Berliner Zeit war für seine Entwicklung wichtig: einerseits gewann er, wenn auch zögernd, Kontakt zu literarischen Kreisen, fiel im Winter 1854/55 in eine „ungefüge Leidenschaft“ zu Betty Tendering, der Schwägerin des Verlegers Franz Duncker, bei dem Keller oft zu Gast war (in der Pankraz-Erzählung findet man in Gestalt der Lydia eine Art Porträt dieser „eleganten Personnage“); andererseits war die Berliner Zeit für sein schriftstellerisches Werk von großem Gewicht, schrieb er doch die erste Fassung des „Grünen Heinrich“ und den ersten Band der „Leute von Seldwyla“, an deren Beginn „Pankraz, der Schmoller“ steht.

Das Verb „schmollen“ in der Bedeutung „lächelnd das Gesicht verziehen“ ist heute ersetzt durch „schmunzeln“; geblieben ist es jedoch in der Bedeutung „aus Unwillen schweigen“. Pankraz ist ein solcher, der in einem vermeintlichen Gekränktsein sich vor anderen Menschen verschließt, sich verhärtet, ein eisiger Schweiger, gelegentlich auch ein streitsüchtiger Raufbold wird. Er findet keinen Zugang zur Realität, fühlt sich unnütz, hat kein Selbstwertgefühl, flüchtet in Träume und ist in seiner Jugend mit sich und der Welt zerfallen. Erzählt wird von den Problemen des jungen Pankraz, davon, daß er eines Tages spurlos verschwindet und erst nach Jahren—verändert—zurückkehrt. Der spannende Rückblick auf sein Leben und wie er sich verändert, bildet den Hauptteil dieser Erzählung.


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