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NHB20432 - HEINE, H.: Florentinische Nachte
German 

Florentinische Nächte

Heines fragmentarische Versuche in der erzählenden Prosa sind ebenso wie die Dramen gegenüber seiner Lyrik, vor allem aber seiner Publizistik, weniger bekannt geblieben. Zu diesen Versuchen zählen: „Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ (1834), „Florentinische Nächte“ (1936), „Der Rabbi von Bacharach“ (1840).

Die „Florentinischen Nächte“ erschienen 1836 im „Stuttgarter Morgenblatt“, im selben Jahr als „Les Nuits Florentines“ in der „Revue des Deux Mondes“, dann im dritten Band des „Salon“ 1837. Nach dem Erscheinen der „2ten florentinischen Nacht“ schrieb Heine an August Lewald (3. Mai 1836) mit ironischem Unterton, dieser werde „vielleicht ersehen, daß ich nöthigenfalls, wenn Politik und Religion mir verboten werden, auch vom Novellenschreiben leben könnte. Ehrlich gesagt, dergleichen würde mir nicht viel Spaß machen, ich finde dabey wenig Amusement. Man muß aber alles können in schlechten Zeiten.“

Bei den „Florentinischen Nächten“ handelt es sich um eine Rahmenerzählung: vom Arzt aufgefordert, seiner lungenkranken Freundin Maria „allerlei närrische Geschichten“ zu erzählen, folgt ihr Freund Maximilian dieser Empfehlung. Andererseits sind Rahmen- und Binnenerzählung keineswegs streng getrennt, wenn auch die Binnenerzählungen den größten Teil des Fragments ausmachen. In ihnen mischt der erzählende Maximilian Erlebnisse und Begegnungen (Bellini, Paganini, die Tänzerin Laurence) mit allerlei wunderbaren „Phantasmen“, die in ähnlicher Weise auch in anderen romantischen Novellen (E.T.A. Hoffmann, Tieck u.a.) vorkommen. Nicht eine fortschreitende, in sich geschlossene Handlung ist hier beabsichtigt, sondern Heine gestaltet eine Reihe von Situationen, die alle das Unheimliche in den Vordergrund stellen. Dennoch bleibt der Heine-Ton stets unverkennbar. Trotz des in der Rahmenerzählung herrschenden Ernstes findet man insgesamt—anders vielleicht als Heine beim Schreiben—viel Amüsement.


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