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NHB30012 - KELLER, G.: Romeo und Julia auf dem Dorfe (Vollstandiger Text)
German 

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Diese Erzählung erschien zuerst im Januar 1856 in Band 1 der „Leute von Seldwyla“, zusammen mit „Pankraz der Schmoller“, „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“, „Die drei gerechten Kammacher“ und „Spiegel, das Kätzchen“. Nur bei „Romeo und Julia“ hat Keller in der zweiten Auflage inhaltlich und stilistisch erhebliche Änderungen vorgenommen.

Als Anregung, das alte Romeo und Julia-Thema aufzugreifen, hat Keller eine Zeitungsmeldung vom 3. September 1847 gedient, die berichtet: „Im Dorfe Altsellershausen, bei Leipzig, liebten sich ein Jüngling von 19 Jahren und ein Mädchen von 17 Jahren, beide Kinder armer Leute, die aber in einer tödlichen Feindschaft lebten und nicht in eine Vereinigung des Paares willigen wollten. Am 15. August begaben sich die Verliebten in eine Wirtschaft, wo sich arme Leute vergnügen, tanzten dasselbst bis nachts 1 Uhr und entfernten sich hierauf. Am Morgen fand man die Leichen beider Liebenden auf dem Felde liegen; sie hatten sich durch den Kopf geschossen.“ Die Erzählung wurde seinerzeit mit Beifall aufgenommen. Berthold Auerbach, einer der ersten Rezensenten, lobte Kellers Arbeit, fand allerdings den Titel unpassend. Keller schrieb ihm daraufhin, er müsse den Titel in Schutz nehmen: „Erstens ist ja das, was wir selbst schreiben, auch auf Papier gedruckt und gehört von dieser Seite zur papiernen Welt, und zweitens ist ja Shakespeare, obgleich gedruckt, doch nur das Leben selbst und keine unlebendige Reminiszenz. Hätte ich keine Bemerkung über die wirkliche Vorkommenheit der Anekdote und über die Ähnlichkeit mit dem Shakespeareschen Stoffe gemacht, so hätte man mich einer gesuchten und dämlichen Wiederholung beschuldigt, während, jene kurze Notiz vorausgesagt, die Geschichte dadurch eine berechtigte Pointe erhielt.“


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