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NHB30062 - SCHNITZLER, A.: Fraulein Else
German 

Fräulein Else

Der Erstdruck erfolgte in der „Neuen Rundschau“ Oktober 1924; die Buchausgabe erschien im selben Jahr. Schnitzler, der selten mit seinen Texten zufrieden war, fand diesen „recht gelungen“. Schon seine ersten Notizen sprechen von der „Gustl-Technik“, in der die Geschichte vielleicht darzustellen wäre. Er spielt damit auf seine andere Monolog-Erzählung „Leutnant Gustl“ (1900) an; beide sind in der deutschen Literatur die ersten und bedeutendsten dieser Art. Auf die Frage nach dem Modell für Else antwortete Schnitzler, „daß das ,Fräulein Else’, so wie ich sie geschildert habe, niemals gelebt“ habe und daß der Fall „völlig frei erfunden“ sei. Die Reaktionen der Öffentlichkeit waren sehr positiv. Die Handlung spielt am 3. September 1896, dennoch ist der Einfluß der Nachkriegszeit, in der die Erzählung entstand, nicht zu übersehen.

Else soll für ihren Vater bei dem reichen Kunsthändler und Lebemann Dorsday, der seine gewöhnliche Abstammung durch gespielte Noblesse zu vertuschen sucht, ein Darlehen erwirken. Der will sie dafür nackt sehen. In dieser Situation, in der sie als Gegenwert nur ihren Körper anzubieten hat, blickt man in das Innenleben des Mädchens, das verschiedene Lösungen erwägt, diese Bedingung zu erfüllen und den Untergang ihrer Familie abzuwenden. Am Ende findet sie ihren Weg: Nach einer exhibitionistischen Szene im Musiksalon fällt sie, im Glauben, die Forderung Dorsdays erfüllt zu haben, in Ohnmacht, trinkt, nachdem sie auf ihr Zimmer gebracht worden ist, ein Glas mit Veronaltabletten und wird im Mantel des Traums vom wirklichen, nicht mehr bloß geträumten, Tod mitgenommen.


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