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NHB30142 - FONTANE, T.: Stine (ungekurzt)
German 

Stine

Die erste Buchausgabe des Romans (nach Vorabdruck in einer Wochenschrift 1889/90) erfolgte im April 1890. Fontane war sich darüber im klaren, daß sich der „Durchschnittsgeschmack“ und die „Durchschnittskritik“ gegen den Roman „Stine“ auflehnen würden, daß er mit „Stine“ „kein Schriftsteller für den Familientisch mit eben eingesegneten Töchtern“ sei; andererseits gelte, „daß der alte sogenannte Sittlichkeitsstandpunkt ganz dämlich, ganz antiquiert und vor allem ganz lügnerisch“ sei. Das Thema des „kleinen Romans“—die Liebe eines Mädchens aus „niederem Stand“ und eines Adligen—hatte Fontane bereits in „Irrungen, Wirrungen“ behandelt. Zwar lebt in „Stine“ diese Liebe in einer „angekränkelten Sentimentalwelt“, doch „der psychologische Prozess, Vorgang und Ton sind eigentlich richtig“ (Fontane an P. Schlenther, 13.06.1888).

Beide Werke im Vergleich betrachtend, meinte Fontane: „,Stine’ ist das richtige Pendant zu ,Irrungen, Wirrungen’, stellenweise weniger gut, stellenweise besser. Es ist nicht ein so breites, weite Kreise umfassendes Stadt- und Lebensbild wie ,Irrungen, Wirrungen’, aber an entscheidenden Stellen energischer, wirkungsvoller. Die Hauptperson ist nicht Stine, sondern deren ältere Schwester: Witwe Pittelkow. Ich glaube, sie ist eine mir gelungene und noch nicht dagewesene Figur” (Fontane an E. Dominik, 03.01.1888). „Mir sind die Pittelkow und der alte Graf die Hauptpersonen, und ihre Portraitierung war mir wichtiger als die Geschichte.” Er suche sich in seinen Schreibereien mit den sogenannten Hauptsachen immer schnell abzufinden, „um bei den Nebensachen liebevoll, vielleicht zu liebevoll verweilen zu können”, das Kleinste sei ihm das Liebste.


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