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NHB40062 - BURNETT, F.H.: Kleine Lord (Der)
German 

„Der kleine Lord“

(Little Lord Fauntleroy“) erschien 1885 in der November-Ausgabe des St. Nicholas Magazine als Fortsetzungsgeschichte. Eine Jahr später wurde der Text als Buch veröffentlicht und war sofort ein überwältigender Erfolg. Was heute an der Tagesordnung ist—die Vermarktung der Popularität von realen oder fiktionalen Personen mit Hilfe von Sekundärprodukten—, begann damals mit Fauntleroy-Spielkarten oder Fauntleroy-Parfüm. Nicht allein das: Die im Buch beschriebene Kleidung von Cedric, der schwarze Samtanzug mit weißem Kragen, und seine Lockenfrisur, wurden Mode bei wohlhabenden und romantisch veranlagten Müttern. In Orson Welles Filmklassiker „Citizen Kane“ trägt das Kind Kane einen solchen Fauntleroy-Anzug.

Der Erfolg des Buches beschränkte sich nicht auf den amerikanischen Markt; natürlich war es auch in England ein riesiger Erfolg und wurde darüber hinaus in viele Sprachen übersetzt. Zudem wurde der Stoff von Frances Burnett (und anderen) dramatisiert und war auch auf der Bühne sehr erfolgreich. Und nicht erst nach ihrem Tod (29. Oktober 1924) hatte sich der (Stumm-)Film des Stoffes bemächtigt: 1921 entstand „Little Lord Fauntleroy“ mit Mary Pickford, die Cedric und auch seine Mutter spielte. Bis heute sind noch viele verschiedene Versionen gefolgt, von denen diejenige mit Alec Guiness als Graf Dorincourt und Rick Schroeder als Lord Fauntleroy (Großbritannien 1980) wohl—zu Recht—am bekanntesten ist.

Frances Burnett war durch den „Kleinen Lord“ eine reiche Frau geworden—ihren Drang zu Schreiben bremste das aber keineswegs. Es entstanden zahlreiche Werke, darunter sind vielleicht heute „The little Princess“ (1905) und „The Secret Garden“ (1909) noch bekannt.

Frances Burnett zog es immer wieder nach Europa, sie lebte in den 1890er Jahren überwiegend in England, blieb dann aber endgültig in Amerika. Sie war also in gewissem Sinne eine Wanderin zwischen den Welten. In „Der kleine Lord“ findet sich dieser Gegensatz zwischen Amerika und Europa wieder; nicht allein allgemein durch die Gegenüberstellung des kleinen amerikanischen Jungen und des alten, griesgrämigen europäischen Großvaters, sondern auch durch die häufige Erwähnung des 4. Juli, des amerikanischen Unabhängigkeitstags, sowie durch Mr. Hobbs, der, amerikanischen republikanischen Idealen anhängend, letztlich „überläuft“ und britischer wird als der Graf selber. Es ist die Auseinandersetzung zwischen alten Traditionen und neuen Betrachtungsweisen, die hier am Rande einer romantischen Geschichte eine Rolle spielt. Nicht zuletzt diese Spannung hat der Autorin auf beiden Seiten des Atlantiks die Herzen der Leser gewonnen. In gewisser Hinsicht war sie also eine wirklich „internationale“ Autorin.

In den späteren Jahren ihres Lebens und zunehmend nach dem Tod ihres ersten Sohnes gab Frances Burnett sich der Mystik und dem Spiritismus hin und wurde etwas exzentrisch.


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