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Benjamin K├╝nzel
www.klassik.com, March 2010

Interpretation:
Klangqualität:
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Regie:

Eigentlich schade, dass sich Riccardo Zandonais ‚Francesca da Rimini‘ nicht nachhaltig im Repertoirebetrieb behaupten konnte, denn die vielschichtige und klangvolle Musik Zandonais hätte es allein schon verdient, zu ihrem Recht zu kommen. Es gibt zwar immer wieder vereinzelte Produktionen, vor allem dann, wenn das Werk auf zwei Sängerpersönlichkeiten bauen kann, die die tragische Liebesgeschichte aus dem italienischen Mittelalter zum Leben erwecken. In der überschaubaren Aufführungstradition von ‚Francesca da Rimini‘ gelingt dem Sängerehepaar Daniela Dessì und Fabio Armiliato eine beachtliche Fortsetzung. Die Messlatte liegt mit so prominenten Vorgängern wie Magda Olivero und Mario del Monaco bis Renata Scotto und Placido Domingo zwar recht hoch, aber Dessì und Armiliato beweisen eigenes Profil und sowohl musikalische als auch darstellerische Authentizität.

Da die Oper vor allem auf den Schultern der beiden Protagonisten und der Bariton-Partie des Gianciotto lastet, sind die übrigen Figuren von einem eher episodenhaften Auftreten in einzelnen Szenen geprägt. Aus dieser Komparsenriege fallen in dieser Produktion vom Sferisterio Opera Festival in Macerata von 2004 vor allem die äußerst tonschöne Angela Masi als Smaragdi und Roberta Canzian als Biancofiore auf. Bei den Herren nehmen besonders der markante Hofnarr von Domenico Colaianni und der schonungslose Einsatz von L’Udovít Ludha als Malatestino für sich ein. Giacinta Nicotra klingt in der Rolle der Samaritana ein wenig angestrengt, wird der Partie aber durchaus gerecht.

Die Inszenierung dieses Freiluft-Spektakels in der Arena von Macerata liegt in den Händen von Massimo Gasparon. Auf Grund der großen Distanz von Publikum und Bühne setzt Gasparon vor allem auf das Bauen großangelegter Tableaus, die sich über die enorm breite Bühne erstrecken und verankert die intimen Szenen in einem schmalen Kuppelbau in der Bühnenmitte. Überzogene Gestik, die oftmals mehr an eine Commedia dell’arte erinnert als an die schaurige Tragödie, sollen vermutlich auf den jeweils singenden Darsteller aufmerksam machen. Live mag dieses Konzept funktioniert haben, auf dem Bildschirm befremden die ausladenden theatralischen Gesten, weil sie irgendwo zwischen choreographischem Element und überholter Operndramatik steckenbleiben. Die überbordenden Stoffmassen der durchweg goldenen Kostüme erleichtern das Zuschauen auch nicht gerade, weil sie nicht in der Lage sind, den Blick des Zuschauers zu lenken. Auf Distanz kann man die goldumwirkten Sänger kaum unterscheiden, andererseits strahlt dieser Prunk einen kunstvollen Glanz aus, dem man sich nur schwer entziehen kann. Irgendwo zwischen purem Ausstattungskitsch und konsequent konzeptionellem Zugriff liegt die Ästhetik dieses Abends. Als Zuschauer vor dem Bildschirm ist man hin- und hergerissen zwischen der Faszination der großen Bilder in der Totalen und dem unangenehmen Pathos von leidenden Sängergesichtern, die man besser nicht im Close Up zeigen sollte.

Unangefochtener Star des Abends ist die Sopranistin Daniela Dessì als Francesca. Während sie im ersten Akt noch etwas spröde und scharf klingt, steigert sie sich im Laufe des Abends zu einer großartigen Interpretation, die sich nicht vor großen Kolleginnen verstecken muss. Besonders überzeugend gelingen ihr die dramatischen Passagen des zweiten Akts, aber auch die lyrischen Momente sind oft von berückender Schönheit. Freilich klingt die Stimme nicht mehr so jugendlich unbeschwert, aber gerade für die Figur der Francesca scheint diese Mischung aus musikalischer Reife und authentischer Darstellung ideal zu sein. Fabio Armiliato meistert die Partie des Paolo mit Durchschlagskraft und ebenmäßigem Tonfall. Er klingt zwar weitaus jünger als Dessì, aber seinem Tenor fehlt es an Glanz. Man hat den Eindruck, er sänge den ganzen Abend unter einem geschlossenen Deckel, was zu seine Interpretation auf Dauer einfarbig macht.

Als Gianciotto greift der Bariton Alberto Mastromarino in die Vollen, wobei eigentlich nur die grobschlächtige Seite des unattraktiven Malatesta-Sohnes zum Vorschein kommt. Die Stimme dröhnt in etwas spröder Manier und die verletzliche Seite von Gianciotto kann man nur erahnen. Das Orchestra Filarmonica Marchigiana unter der Leitung von Maurizio Barbacini spielt zuverlässig und routiniert, ohne jedoch nachhaltig aufhorchen zu lassen.

Zum Kennenlernen eines selten erklingenden Meisterwerks des italienischen Verismo, ist diese DVD von Arthaus bestens geeignet. Zugleich bewahrt sie eine neue Glanzpartie der von der Plattenindustrie vernachlässigten Daniela Dessì.






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11:52:03 PM, 14 July 2014
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