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Boris Michael Gruhl
www.klassik.com, January 2010

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Kaum zu glauben. 1982 kam diese Fassung des romantischsten aller romantischen Ballette heraus, und die vorliegende Studioproduktion aus dem Jahre 1987 überzeugt nach wie vor als außerordentlich gelungene Adaption eines klassischen Stoffes der romantischen Balletttradition. Das Ergebnis ist dabei alles andere als romantisch. Mats Ek, inzwischen eine Ikone des modernen Tanzes, setzt sich spätestens mit dieser Arbeit international durch. Giselle ist in der Version von Ek, die er für das schwedische Cullberg Ballet schuf—wenn auch in ganz anderer Weise wie ihre originale Vorgängerin—ebenfalls eine der Welt entrückte junge Frau, die sich über alle Hindernisse hinweg ins Leben träumt und tanzt. Im Original das herzkranke junge Mädchen vom Land, bei Ek die dörfliche Närrin, akzeptiert und geschützt in der durch den Rhythmus aus Arbeit und Natur gleichförmig gestalteten archaischen Gesellschaft und der eher brüderlichen, sorgenden und letztlich pragmatischen Zuneigung Hilarions.

Wie üppig aber Sehnsucht, Leidenschaften und Lebenslust sich Bahn brechen, das zeigt der Tanz in dem surrealen Bühnenbild von Marie-Louise de Geer Bergenstrahle. Eine Landschaft, deren Hügel am Horizont üppige Brüste sind, umwuchert von hoch schießendem Grün. Der Tanz sucht bei Giselle hier nicht seinen Höhenflug im Spitzentanz, nein hier sind es eigenwillige, eckige Haltungen der Füße, wegfliegende Arme, die wieder eingefangen werden müssen, Ein Körper, den es gewissermaßen aus seiner Form reißt. Ein Mensch ohne Arg und Fehl und die Begegnung mit dem Menschen aus der anderen Welt; hier kein Prinz, sondern ein Städter, der ländliche Zerstreuung sucht, wird für Giselle, der Ironie und Spott fremd sind, ein Anlass zur Grenzüberschreitung in die totale Schutzlosigkeit. Eks Giselle treibt der Wahnsinn nicht in den Tod, die Gesellschaft schließt sie weg, das Reich der betrogenen Frauen, der Wilis, ist die geschlossene Anstalt. In Analogie zum Original begibt sich Albrecht für eine Nacht in diese ihm bisher unbekannte und verschlossene Welt. Wir erleben eine erschütternde Läuterungsszene und am Ende einen völlig schutzlosen, allein auf sich selbst geworfenen Menschen, dem aber—welche große Szene—Hilarion schützend innere und äußere Blöße bedeckt.

Dass diese Version der ‘Giselle’ jetzt als DVD bei Arthaus mit informativem Beiheft erschienen ist, gehört zu den höchst erfreulichen Editionen. An einige zeittypische Kameraeinstellungen gewöhnt man sich. Entschädigt wird man durch die Begegnung mit den Höhepunkten einer Tanzdramatik, die auch über etliche Jahre und angesichts neuer Entwicklungen nichts von ihrer Kraft verloren hat. Zudem nimmt man das Cullberg Ballet in seiner Glanzzeit wahr, die Partien der Giselle, des Albrecht und des Hilarion waren Sternstunden für die außergewöhnliche Ana Laguna, für so charaktervolle Tänzer wie Luc Bouy und Yvan Auzely inmitten eines grandiosen Ensembles. Zusätzliche Spannung entsteht durch die Musik, denn zur eigenwilligen Choreografie kommt die exzellente Wiedergabe der romantischen Partitur Adolphe Adams durch das Orchester der Oper Monte-Carlo unter der Leitung von Richard Bonynge.






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11:35:03 PM, 20 December 2014
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