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Boris Michael Gruhl
www.klassik.com, February 2010

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Diese DVD ist ein bedeutendes Dokument, und ihr gebührt ein Platz in jeder Sammlung von Ballett- und Tanzinteressenten. Wer sich diesem Kreis nicht direkt zurechnet, wer vielleicht die große Maya Plisetskaya bei einem ihrer vielen Gastspiele erlebt hat, wird beim Ansehen dieser Aufzeichnung aus dem Moskauer Bolschoi-Theater von 1980, beste Erinnerungen wach rufen.

Maya Plisetskaya, 1925 in Moskau geboren, kann auf eine unwahrscheinlich lange Karriere als Tänzerin zurückblicken. 60 Jahre tanzte sie und darf unbestritten als Nachfolgerin der legendären Anna Pawlowa, die von 1881 bis 1931 lebte, angesehen werden. Als Interpretin von Michail Fokines Choreografie ‘Der sterbende Schwan’ mit der Musik von Camile Saint-Saens wurde sie auf ihren Tourneen weltberühmt. Maya Plisetskaya wurde wie ihre russische Kollegin Galina Ulanowa ebenfalls mit dieser knapp zehnminütigen Szene bekannt, in der es darauf ankommt, die Grenze zwischen Kunst und Kitsch zu wahren, was wenigen Tänzerinnen vorbehalten bleibt. Dass die Plisetskaya, seit 1943 Mitglied des Moskauer Bolschoi-Balletts, seit 1960 Primaballerina assoluta, mit diesem Ensemble und solistisch immer wieder auf Tourneen gefeiert und als Protagonistin in eigens für sie kreierten Balletten von Ikonen wie Roland Petit oder Maurice Béjart erfolgreich, auch selbst choreografisch, tätig war, ist weniger bekannt.

Zur Musik ihres Ehemannes Rodion Schtschedrin schuf sie u.a. die Handlungsballette ‘Anna Karenina’, nach Tolstoi sowie ‘Die Dame mit dem Hündchen’ und ‘Die Möwe’ nach Tschechow, zwischen 1972 und 1985. Die Hauptpartien choreografierte sie sich auf den Leib. ‘Die Möwe’ kam 1980 am Bolschoi-Theater heraus. Den subtilen komödiantischen Geist Tschechows in seinem Stück über verfehlte Wünsche, unerfüllte Lieben, Seufzer, Träume, Tränen, Luftschlösser und mangelnde Bodenhaftung, das komischerweise sogar tödlich endet, hat Maya Plisetskaya ihrer Choreografie gründlich ausgetrieben. Sie inszeniert einen maskenhaften Totentanz auf die 24 Präludien, drei Zwischenstücke und einem Nachspiel ihres Ehemannes. Prägnant sind gellende Klänge, die Möwenschreie imitieren, zu denen sich die Ballerina selbst als Möwe im Gleit- oder Sturzflug durch die Kulissen tragen lässt.

Sicher, in ihrer Choreografie verzichtet sie auf die Moskauer Glanzstücke des klassisch-akademischen Repertoires, ihre Duette haben Spannung und die großen weiten Sprungvariationen sind faszinierend, die überdeutlichen Passagen der Pantomime aber und die gewollt wirkenden skurrilen Typen der ländlichen Gesellschaft haben die pure Unglaubwürdigkeit verstaubter Kulissendramatik mit erhobenem Zeigefinger. Natürlich ist die Plisetskaya auch hier im Tanz mehr als in der Darstellung, als Schauspielerin des symbolistischen Dramas etwa, von überwältigender Präsenz. Ihre Tanztechnik ist enorm, wiewohl es nie ihre Art war Perfektion zu demonstrieren.

Der Moskauer Premiere im Bühnenbild von Valery Levental von 1980, ist eine Dokumentation neueren Datums vorangestellt, in der weitestgehend die Plisetskaya selbst und ihr Ehemann zu Wort kommen. Er erläutert seine Musik, sie ihr Verhältnis zu Tschechow. Am Ende kommt sie noch einmal mit spürbarer Verbitterung darauf zu sprechen, dass die Ballettkritiker damals allesamt zu ihrer Choreografie geschwiegen hätten, die Tschechow-Spezialisten sie hingegen mit Lob bedacht hätten. Dass die Ballettkritiker vielleicht doch die höflicheren gewesen sein könnten möchte man meinen, wenn man die kürzlich bei Arthaus erschienene Aufzeichnung sieht.






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6:59:42 PM, 18 April 2014
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