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Dr. J├╝rgen Schaarw├Ąchter
www.klassik.com, March 2010

Interpretation:
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Regie:

Antonín Dvořáks ‚Stabat Mater‘ op. 58 war eines jener Werke, die dem Komponisten zum internationalen Durchbruch verhalfen. Die Komposition ist ein zutiefst persönliches Werk, verstarben doch im Dezember 1875 zuerst seine Tochter Josefa zwei Tage nach der Geburt und im August 1877 innerhalb weniger Tage seine Tochter Ruzena und sein dreijähriger Sohn Otakar. Jeder Komponist hat seine eigene Art, mit der Trauer umzugehen, Dvorák goss sie in die Form des ‚Stabat Mater‘, in dem die Muttergottes den Gekreuzigten beweint. Ein zutiefst religiöses Werk, ein zutiefst persönliches Werk, ein Werk, in das auch die Interpreten ihre persönlichen Empfindungen einbringen können.

Doch erwartet man von einer Konzertaufführung ein klares Konzept, eine klare Linie, nicht nur individuelle Zugänge der einzelnen. Zwar steht Václav Neumann voller Emphase vor seinen Musikern, Emphase, die man einem bekanntermaßen äußerst geradlinigen Dirigenten nicht anders als abnehmen kann. Warum wirkt das Gesamtergebnis dennoch etwas enttäuschend?

Supraphon hat die vorliegende Aufführung 1989 mitgeschnitten, auf dem Cover angekündigt als ‚Live from the Vladislav Hall in the Hradcany, Prague‘, 1989, in eben dem Jahr, als Neumann künstlerischer Protagonist der ‚sanften Revolution‘ in der damaligen Tschechoslowakei wurde und sich durch Auftrittsverweigerungen im Protest gegen die UdSSR solidarisch zeigte. In der Tat scheint dieser Film mehr ein Symbol denn eine wirkliche Aufführung zu sein. Die Architektur des Vladislav-Saals wird in dieser ‚Verfilmung‘ gleichsam zur schützenden Hülle wie auch zum ‚Gefängnis‘ dieser Aufführung, ohne Publikum, mit offensichtlich diversen nachgefilmten oder durch die Bildregie asynchron unterlegten Bildmaterialien. Wie eine Schutzwand steht der große Prager Philharmonischer Chor an der Rückwand des Saales, in einigem Abstand hiervon die Tschechische Philharmonie und die Gesangssolisten. Mikrophone sieht man kaum, und eben dieser ‚ästhetische Gewinn‘ in filmischer Hinsicht erweist sich als kontraproduktiv mit Blick auf die musikalische Gesamtleistung. Die großen Musikermengen könnten beeindruckend wirken und tun dies gelegentlich auch—doch erweisen sie sich im Piano immer wieder als nicht ganz sicher, bei einem so introspektiven Werk fatal. Außerdem klingt der Ton wie durch einen Schleier, nicht wirklich gestaffelt, räumlich, raumgreifend.

Die besonderen Gegebenheiten mögen Neumann nicht ganz so inspiriert haben, wie eine echte Live-Aufführung dies ermöglicht hätte—hier kann ihm dies nicht ganz gelingen, da kein Publikum vorhanden ist. Das Supraphon-Team war nicht in bester Form, denn auch die Solisten verschmelzen nicht zu einem Ensemble: Ján Galla hat eine große, aber gelegentlich etwas uninspiriert geführte Bassstimme. Der polnische Tenor Wieslaw Ochman (auf dem Cover leider falsch geschrieben), zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits über fünfzig, hat den Höhepunkt seiner Laufbahn bereits überschritten; ein wenig ‚knödelig‘ klingt seine früher so wunderbar lyrische Stimme (Narraboth unter Karajan und unter Böhm, Laca in ‚Jenufa‘ unter Mackerras und Queler, ‚Idomeneo‘ unter Böhm, Orffs ‚Catulli Carmina‘ unter Jochum), auch in der CD-Version von Dvoráks ‚Stabat Mater‘ unter Rafael Kubelík zu hören, in der Höhe gefährlich angegriffen und unstet, und immer wieder erliegt er der Gefahr, weinerlich zu klingen. Da ist Eva Randová, berühmt als Bayreuther Fricka und Kundry, ganz anders bei Stimme, auch wenn diese nicht ganz glücklich eingefangen wird. Ihre große Stimme klingt vielleicht ein wenig kühl, doch immer präzis und textbezogen. Ihre volle Konzentration und immense Energie, die sich auch vermittelt, wenn sie fast statuenhaft ihren Part singt, wundert kein bisschen, weiß man, dass Randová in jüngeren Jahren Schwimmweltmeisterin war und von 1995 bis 1998 die Prager Oper leitete. Zuletzt Yvonne Kenny—die australische Sopranistin, die immer im Schatten von Joan Sutherland und Kiri Te Kanawa stand, obwohl sie beide was die Textausdeutung angeht mit Leichtigkeit übertrifft. Es ist mehr als betrüblich, dass die Tonträgerindustrie wunderbar klare und klangschöne Stimme nur in wenigen Hauptrollen, und dann nicht immer im besten Ambiente, festgehalten hat (Konstanze in ‚Die Entführung aus dem Serail‘ unter Harnoncourt). Kenny war immer wieder die höchst verlässliche Interpretin von ‚Nischenrepertoire‘ wie unbekannteren Händel-Oratorien, englischen Liedern oder vergessenen Belcantoopern. Ganz offensichtlich ist sie von den vier Solisten dieser Aufführung am besten bei Stimme und vermittelt die stärksten emotionalen Momente.

Blendet man geistig den ‚Klangschleier‘ aus, so kann insgesamt auch Neumanns Klangvision nachvollziehen, doch die Bild- und besonders die mangelhafte Klangqualität beeinträchtigen das Gesamtergebnis leider zu sehr, als dass man von einer rundum gelungenen Produktion sprechen könnte. Auch das Booklet lässt Wünsche offen—man erfährt nichts über die Aufführung selbst und auch bei den Sängerbiografien sind ein paar Ungenauigkeiten stehen geblieben. Schade.






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1:05:08 PM, 14 July 2014
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