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Album Reviews



 
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Dina Lucia Weiss
www.klassik.com, January 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Eines ist die CD zum Film von Curt Faudon über die Wiener Sängerknaben ganz gewiss nicht: langweilig. Während die original Filmmusik von Gerd Schuller meist exotische Gesänge mit opulenten Sounds unterlegt, überzeugen klassische Choräle und Motetten durch ihre einfache Struktur und Klarheit. Diese kaleidoskopische Mischung an Komponisten, Klängen und Stimmungen ist dem Gedanken geschuldet, Vermittler zwischen den Kulturen zu sein. Ob es sich um ein usbekisches Regengebet handelt, um Feldschreie aus Tadschikistan oder einen indischen Bhajan mit Soli vom Ausnahme-Schlagzeuger Jarrod Cagwin und Tabla-Virtuosen Gerhard Rosner; der Chor der Sängerknaben hat die Auseinandersetzung mit Fremdartigem nicht gescheut und so den interkulturellen Dialog um einen wichtigen Beitrag bereichert.

Das Interessante an dem Konzept der CD ist, dass durch die Konfrontation von morgen- und abendländischer Musik letztere ihrer Wurzeln enthoben zu sein scheint, und man als Hörer selbst bekannte mittelalterliche Gesänge als fremd empfindet. Durch die ungewöhnliche Nebeneinanderstellung von Idiomen wird ein ganz neuer Zugang zu Gewohntem eröffnet, der durchaus seine Reize hat: Es wird bewusst gemacht, dass libanesische oder chinesische geistliche Musik den Motetten Desprez’ oder dem Requiem von Mozart bezüglich der Sakralität in nichts nachstehen. Die Musik mag da zwar unterschiedlicher Prägung sein, doch der Ausdruck von essentiellen Werten wie Glaube, Liebe, Hoffnung ist durchaus jedem Kulturraum gemeinsam.

Die Zusammenstellung der Musik aus sechs Jahrhunderten und mindestens doppelt so vielen Ländern ist natürlich auch dem Gedanken geschuldet, auf symbolische Art und Weise den Weg der Wiener Sängerknaben nachzuzeichnen. So scheinen die Schubert Lieder aus der Winterreise hier symbolisch für die Tradition eines Chors zu stehen, der stets als Weltenbummler unterwegs ist. Gleich der erste Song reißt einen hinein in eine andere Welt; die libanesische Karfreitagshymne, arrangiert vom künstlerischen Leiter des Chors Gerald Wirth, ist in ihrer arabischen Weise ein sehr melancholischer Gesang über den ‚Geliebten’, Christus. Durch den Einsatz von typisch abendländischen Instrumenten wie Klavier und Streichern, ebenso aber auch traditionellen orientalischen Lauten und Trommeln wird gleich im ersten Stück die Synthese von Orient und Okzident exemplarisch vorgeführt.

Der Übergang von diesem Klangerlebnis zum französischen Renaissancegesang ‘L’homme armé’ wird einem dann nicht leicht gemacht: der nun ganz a cappella singende Chor klingt trotz Trommel-Untermalung zu hohl und einfältig. Anders die Josquin Desprez Motette ‘O Domine Christe’, deren sakrale Stimmung von den Knaben ansprechend eingefangen wird. Die mehrstimmigen Gesänge liegen dem Chor hörbar am besten. Die Intonation ist stimmig und der Klang sehr hell. Bei den Soli allerdings lassen Intonation und Klarheit teilweise zu wünschen übrig. So z.B. bei dem Lied von König und Bettler der usbekistanschen Sängerin Yulduz Usmanova. Der Chor kann mit der tiefen Stimme der Sängerin nicht mithalten, und die hohen Töne klingen zu gepresst. Bei der für den Film bearbeiteten Musik von Gerd Schuller fällt dies durch die extrem verstärkte Stimme der Solistin und den elektronischen hervorgehobenen Geigen nicht mehr so schwer ins Gewicht.

Allgemein aber besteht bei den arrangierten Liedern das Problem, dass der Chor zu schwach ist; die Klänge im Hintergrund sind zu einnehmend. So ist der Sprung vom pakistanischen Qawwali zur barocken Eleganz Vivaldis ein Genuss für die vielleicht überstrapazierten Ohren. Danach geht es mit ruhigen folkloristischen Gesängen aus dem asiatischen Raum gewohnt abwechslungsreich weiter, wozu das Prinzip von Solist plus Chor, sowie die gut arrangierten Kompositionen, nicht wenig beitragen. Nach einem kurzen Ausflug zum romantischen Schubert und der Winterreise, den man sich auch hätte sparen können (der Junge singt mit bedeckter Stimme, unrein und unausgereift), wird nach einer erfrischenden Polka aus Finnland der krönende Höhepunkt erreicht: das ‘Dies irae’ aus Mozarts Requiem, ein grandioses Film Score von Gerd Schuller. Hier geht der Chor trotz rasselndem Hufgeklapper und Kampfeswüten nicht unter, sondern brilliert durch himmlisch anmutenden Gesang. Ein beeindruckendes Ende eines beeindruckenden Projekts. Natürlich alles in bester Klangqualität (Dolby Digital 5.1). Trotz künstlerischer Schwächen haben vor allem die dem europäischen Ohr fremdartigen Stücke Ohrwurm-Potential.






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6:15:47 PM, 10 July 2014
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