Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Boris Michael Gruhl
www.klassik.com, February 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:
Features:
Regie:

Dass es einen im späten Mittelalter in Paris spielenden Roman gibt, in dessen Mittelpunkt die Kirche Notre Dame de Paris steht und der wegen der Schilderungen des Lebens aller Bevölkerungsschichten dieser Metropole um und in diesem Bauwerk als Meisterwerk Victor Hugos (1802–1885) gilt, ist einigermaßen bekannt. Die schöne Zigeunerin Esmeralda, der missgestaltete Glöckner Quasimodo und Claude Frollo, Archidiakon an der Frauenkirche von Paris, der schönen Esmeralda verfallen wie der schwarzen Magie und dem Wahnsinn, der als Bösewicht für Quasimodos und Esmeraldas Tod verantwortlich ist, sind bekannt durch zahlreiche Verfilmungen, von der Stummfilmzeit bis in die Gegenwart. Die bekannteste dürfte noch immer die von 1956, mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn, sein. Nicht zu vergessen die Fassung der Walt Disney Company von 1996. Es gibt zwei Opern, davon ist die 1914 in Wien uraufgeführte von Franz Schmidt Dank des zum Wunschkonzerthit gewordenen Zwischenspiels die bekanntere, gänzlich vergessen ist Louise Bertins Vertonung von 1836. Demnächst ist in Dresden ein Wiederbelebungsversuch für Franz Schmidts Pseudomittelalterstück angekündigt. Es gibt zwei Musicals (1998 und 1999) und es gibt ein abendfüllendes Ballett von Roland Petit, uraufgeführt 1996 durch das Corps de Ballet de l’Opéra national de Paris im Neubau an der Bastille, jetzt in bester Qualität als DVD bei Arthaus erschienen.

Die Musik dazu für großes Orchester mit einem Chor für stimmungsvolle Vokalisen hat Marice Jarre komponiert und für die Bühne von René Allio vor der eindrucksvoll symbolisierten Portalfront von Notre Dame hat kein Geringerer als Yves Saint Laurent die Kostüme entworfen. Seine stilisierte Mittelalterpracht spart nicht an Farben und Zitaten, besticht vor allem in der Reduktion und ihrer formgewordenen Korrespondenz zum Tanz, denn es ist die persönliche Stärke Roland Petits seine Choreografien immer wieder zu kunstvollen Körperbildern werden zu lassen. Der Mitschnitt von 1996 ist jetzt erschienen und dürfte bei Tanzfans, bei den Verehrern von Petit sowieso, aber auch bei den Bewunderern der Etoiles des Pariser Balletts, Isabelle Guérin, Nicolas le Riche, Laurent Hilaire und Manuel Legris, großes Interesse finden. Wieder vermag es Petit, klassische Elemente mit denen der Unterhaltungskunst des Tanzes zu verbinden, die Nähe zum Musical ist auch hier nicht zu übersehen. Das bekommt dem groß dimensionierten Handlungsballett gut. So sind die Massenszenen, ein Narrenfest vor der Kirche, ein prächtiges Gebetsritual, Szenen in der Taverne oder die Hinrichtung der Esmeralda in ihrer suggestiven Wirkung grandios gelungen. Allein die Varianten, die Petit für die Haltungen und Bewegungen der Hände seiner Protagonisten findet, lohnen das genaue Hinsehen.
Stärker aus dem klassischen und neoklassischen Tanzstil entwickelt der Choreograf die Soli, die Duette und vor allem seinen großartigen Pas de trois in dem Laurent Hilaire in der Rolle des Frollo, der exzellente Tänzer als lüsterner Beter, verklemmter Voyeur und heimtückischer Mörder, sich zwischen die Liebenden Esmeralda (Isabelle Guérin) und Phoebus (Manuel Legris) tanzt. Ein weiterer Höhepunkt ist ein Pas de deux für Quasimodo und Esmeralda, dem sich die Guérin in lyrischer Schönheit hingibt und in dem Nicolas le Riche das weite Spektrum seiner Kunst, die die körperliche Unzulänglichkeit der Rolle für Momente überwindet, entfaltet. Natürlich gehört jene Szene zu den großen Momenten des modernen Balletts, wenn der stumme Glöckner zu Beginn des zweiten Teils an der mächtigen Glocke hängt, sie zum Schwingen und Klingen bringt, aus der Umklammerung eine Liebkosung und der aus dem Klang des Metalls der Gesang des Stummen wird.

Roland Petit, inzwischen 86 Jahre alt und ungebrochen kreativ, wurde 1949 mit seiner 'Carmen’-Choreografie, für seine Frau Zizi Jeanmaire kreiert, später mit ihr verfilmt, schlagartig bekannt. Er hatte keine Angst vor Festlegungen und wechselte erfolgreich zwischen den Genres, Ballett, Film, Musical, Revue. Zuletzt brachte er 2009 an der Wiener Staatsoper eine Ballettfassung der Operette 'Die Fledermaus’ heraus. Seine getanzte Sicht auf Victor Hugo  ist in einer Aufführung der Opera national de Paris auf DVD bei BelAir classique erschienen.






Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
3:25:34 AM, 1 November 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-208-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.