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Christian Gohlke
www.klassik.com, February 2009

Der evangelische Theologe Karl Barth meinte zum Auftakt des vorletzten großen Mozart-Jahres 1956, er wisse nicht, ob die Engel, wenn sie zum Lobe Gottes schreiten, wirklich Bach zu Gehör brächten; ganz sicher aber sei er sich, dass sie ausschließlich Mozart spielten, wenn sie unter sich seien.

Fünfzig Jahre später, zu Mozarts 250. Geburtstag am 27. Januar 2006, gab es im Stephansdom zu Wien eine Feierstunde, an der wohl auch der liebe Gott seine Freude hatte. Zwar waren es keine Engel, die hier zu seinem Lobe sangen, sondern nur die Wiener Sängerknaben, aber manche von ihnen machen beim Musizieren einen so frommen und hingebungsvollen Eindruck, dass der Unterschied nicht sehr beträchtlich sein kann. Davon kann man sich nun ein Bild machen, da EuroArts diese vom ORF aufgezeichnete Feier als DVD veröffentlicht hat.

Bertrand de Billy leitet das Radio Sinfonie Orchester Wien, außer den Sängerknaben ist der Chorus Viennenis zu hören, der seinen Nachwuchs ausschließlich aus ehemaligen Sängerknaben rekrutiert, und als Solisten konnten Sandrine Piau, Dietmar Kerschbaum und Wolfgang Bankl gewonnen werden.

Ein ganz repräsentativer Querschnitt aus Mozarts sakralem Werk wurde zu seinem Geburtstag gegeben, zum Beispiel die frühe ‘Litaniae Lauretanae’ (KV 195), die Krönungsmesse (KV 317), zwei Sätze aus der C-Moll-Messe (KV 427), oder auch das ‘Ave verum corpus’ (KV 618).

Bertrand de Billy liegt das mitunter Schwungvoll-Überschäumende der frühen Kirchenmusik Mozarts (zum Beispiel der gleich zu Beginn gespielten Kirchensonate KV 278) oder auch die den Opern vergleichbare Musiksprache des ‘Et incarnatus est’ aus der c-Moll-Messe besonders gut. Außer einem sensibel geführten, transparenten Orchester mit wundervollen Bläserstimmen ist es vor allem Sandrine Piau, deren geschmeidiger Sopran den Vortrag dieses reich ausgezierten Satzes beglückend schön gelingen lässt.

Die Interpretation der ‘Krönungsmesse’ (KV 317) überzeugt vor allem durch einen lebendigen, kraftvollen Vortrag und durch eine reiche Fülle an Klangfarben—hell leuchten die aus einer brillanten Höhe herabsteigenden Stimmen der Sängerknaben zunächst, wenn im ‘Credo’ von Christi himmlischer Herkunft die Rede ist, unheimlich und verschattet, ja düster klingt es hingegen, wenn seine Fleischwerdung und Kreuzigung erzählt werden. Besonders eindrücklich musiziert ist das ‘Agnus Dei’: Ein auch im ersten Teil des Satzes nicht zu langsames Tempo und die Stimme eines der Sängerknaben, der den schwierigen Sopranpart meistert (er und sein Kollege, dem der Alt anvertraut wurde, hätten es verdient, im Begleitheft namentlich genannt zu werden), machen diese Bitte um Friede zu einem anrührenden Gebet.

Leider gelingt das ‘Ave verum corpus’ nicht in gleichem Maße und gerät zu pauschal-andächtig, fast beiläufig. Hier hätte man sich von Bertrand de Billy mehr Gespür für die Feinheiten dieser Komposition gewünscht. Was sich in diesen 46 Takten ereignet, ist nicht nur harmonische Andacht. Mozart komponierte sehr genau, was im Text steht. Der Schlusszeile dieser acht Verse—nur sie wird ein einziges Mal wiederholt—kommt hier besondere Bedeutung zu. Mozart gestaltet das, indem seine Musik nicht nur die Nöte der Todesstunde musikalisch ausdrückt, indem Sopran und Alt in einem expressiven Kontrapunkt spannungsvoll gegeneinander gestellt werden, sondern auch den Trost zum Klingen bringt, der vom Erlöser erben wird: so kunstvoll wie schlicht lösen sich die Friktionen und Dissonanzen auf und führen in die Stille. Um dies in einem Konzert wiederzugeben, ist es zum einen nötig, die Stimmen des Chores so klar und transparent zu halten wie nur möglich, und zum anderen bedarf es eben eines feinen Gespürs für die musikalische Umsetzung des Textes. An beidem fehlt es hier leider.

Sieht man davon und von einem manchmal leider etwas verwaschenen Klangbild, das dem Aufnahmeort geschuldet sein mag, einmal ab, so kann man davon ausgehen, dass nicht nur der Herr und seine Engel, sondern auch viele irdische Hörer ihre Freude haben werden an diesem Vortrag von Mozarts himmlischer Kirchenmusik.

Als Bonus-Material bietet die DVD einen knapp einstündigen Film über Mozart in Wien. Wer sich mit diesem Thema schon etwas befasst hat, wird nichts Neues erfahren (auch nicht von Peter Sellars und Thomas Quasthoff). Aber wer sich zum ersten Mal ein wenig kundig machen möchte über Mozarts Wiener Jahre, der ist hier gar nicht schlecht bedient.






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11:08:38 AM, 28 November 2014
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