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Dr. Daniel Krause
www.klassik.com, March 2010

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Im Frühjahr 2002 ist Claudio Abbado von einer schweren Krebserkrankung genesen und immer noch sichtlich gezeichnet. Wenige Wochen danach wird er sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker niederlegen. Das Europakonzert vom 1. Mai 2002 ist demnach Neuanfang und Ende in einem. Es öffnet und schließt. ‚Wie so oft kann aus dem Übel […] etwas Gutes erwachsen.‘ Dies betrifft, so Abbado über die Folgen seiner Erkrankung, ‚die Gewissheit, dass Menschen Anteil nehmen, und die Entdeckung einer neuen Bindung zu meinem Orchester […]. Zwischen uns hat sich ein Austausch und eine gegenseitige Aufmerksamkeit entwickelt, wie es sie in dieser Intensität noch nie gegeben hat.‘ Wer das Pathos nicht scheut, kann, Beethoven zitierend, vom ‚Dankgesang eines Genesenen‘ sprechen. Dankbarkeit darf auch seitens der Musiker unterstellt werden: Sie haben ihren Mentor, Claudio Abbado, wiedererhalten und, erstmals vielleicht, zu einer musikalisch idealen Partnerschaft gefunden.

Hauptstücke des Konzerts im Teatro Massimo, Palermo, sind Brahms’ Violinkonzert—Gil Shaham mit der schweißgetränkten Stradivari zeigt sich absichtsvoll herb und energisch in Ton und Phrasierung—und Dvořáks Neunte Sinfonie. Den Rahmen bilden Beethovens ‘Egmont’-Ouvertüre und, als Zugabe, Verdis Ouvertüre zur ‘Sizilianischen Vesper’.

Wer nun meint, um Dvořáks Sinfonien angemessen darzustellen, bedürfe es tschechischer Musiker, beleidigt diesen Komponisten, denn Dvořák hat wahrlich nicht für böhmische Blaskapellen komponiert. (Und wären nur deutsche Orchester befähigt, Beethoven und Brahms aufzuführen?) Abgesehen vom höheren technischen Niveau lassen die Berliner, von Claudio Abbado animiert, die Tschechische Philharmonie musikalisch weit hinter sich. Schlanker Klang, bis in einzelne Nervenfasern durchgebildet und fähig zu spontaner Attacke wie ‚subito piano’, dies alles bei—fürs philharmonische Format—außergewöhnlich präziser Artikulation und Phrasierung; noch das Tutti des Schlussakkords lässt einzelne Bläserstimmen durchscheinen. Dass Abbados Musizieren, besonders nach seiner Genesung und ‚Wiederkehr’, von Rezensenten durchwegs mit dem Etikett und Gütesiegel ‚Kammermusik’ ausgezeichnet wird, ist beileibe kein Zufall. Die Tschechische Philharmonie könnte günstigstenfalls ebenso klingen—nach einer durchgreifenden Entschlackungskur.

Dies alles gilt nicht nur für Dvořák: Man höre wie Albrecht Mayer (Oboe) und Emmanuel Pahud (Flöte), damals schon Weltstars, im Brahms-Konzert das Gesangsthema des langsamen Satzes aussingen, um zu verstehen, welcherlei Resonanzen Abbado bei diesem Ensemble erzeugt. Der Jubel am Ende ist hemmungslos. Einzelne Buhrufe mafiöser Claqueure scheinen politisch motiviert: Mancher mag Abbado nicht verzeihen, dass er Italien, Europas failed state, den Rücken zukehrte.






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11:21:23 PM, 21 April 2014
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