Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Gerhard Persche
STEREO, February 2008

Mahagonny in Los Angeles wirkt wie Madama Butterfly in Japan: Die Distanz scheint aufgehoben, bei Puccinis Kritik am amerikanischen Imperialismus am Beispiel einer Geisha ebenso wie bei Weills und Brechts Kapitalismuskritik. Denn nimmt man Las Vegas (worauf „Mahagonny“ sich bezieht) nicht als Symbol, sondern als bare Münze, wird das Parabelhafte fast zum Folkloristischen. Außerdem geht der für das Stück wichtige Touch der Weimarer Republik verloren, wie auch die Farbe der Stadt der hektischen Nacht“, als die das Berlin der 1920er Jahre galt und auf die „Mahagonny“ ebenfalls rekurriert.

Doch dem späteren Broadway-Fan Weill hätte John Doyles Produktion aus der Los Angeles Opera — auf Mark Baileys sparsam konzentrierter Einheitsbühne und in Ann Hould-Wards schmissigen Kostümen — vermutlich gefallen: ein mit Verve serviertes, wenn auch nur am Rande ätzendes Musical, freilich mit jener hohen Professionalität gemacht die man diesem Genre im angelsächsischen Raum angedeihen lässt Die Darsteller sind umwerfend: Patti LuPone als Leocadia Begbick von scharfem Witz und ebensolcher, charakterisierend eingesetzter Stimme; dazu die körperlich und stimmlich gleichermaßen attraktive Audra McDonald als dunkle Jenny, Anthony Dean Griffey als vokal makelloserund auch vom Typ herstimmiger Jimmy und last but not least Donnie Ray Albert als bulliger Trinity Moses. Auch die anderen, darunter der Deutsche Robert Wörle als Fatty, the Bookkeeper, spielen auf hohem Niveau. Das erwähnt weimarisch-berlinerische Flair steuert James Conlon mit Schmiss und scharfen Akzenten aus dem Graben bei.



Georg Henkel
www.musikansich.de, February 2008

UNWIDERSTEHLICHER DRIVE

Kaum möglich, sich der dionysischen Energie dieser Musik zu entziehen. Gekonnt werden alle Zutaten der klassischen Nummernopern mit Elementen der U-Musik gemischt, so als hätten Mozart und Bach in Vaudeville und Musichall, Musical und Schlager gemacht. Die Ohrwurmqualität mancher Songs reicht mühelos an die der bekanntesten Musicals heran. Und wenn dann die Interpretation so auf der Höhe ist wie in diesem Fall, dann stellt man bei Kurt Weills Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny auf ein Libretto von Bertold Brecht gerne auf Auto-Repeat.

Wobei der sinnliche Kitzel, den Weills Einfallsreichtum und Klangsinn dem Hörer beschert, angesichts des kapitalismuskritischen Plots schon eine zweischneidige Sache ist: Die aus Sex and Crime geborene Stadt Mahagonny ist ein Sündenbabel, in dem alles erlaubt ist. Außer kein Geld zu besitzen und für die Vergnügungen nicht zahlen zu können. Darauf steht der Tod. Ein düsteres Szenario, bevölkert mit Glücksrittern, Huren, Schwarzen Witwen und Halunken. Trotz des abgehalfterten Personals ist dieses Exempel über die totale Völlerei hochaktuell. Weill schenkt den Figuren mit seiner Musik eine farbige Charakterisierung, die sie immer wieder über den Agitprop-Ton von Brechts Libretto hinaushebt. Und er sorgt für einen Drive, der einen die Brechtsche Botschaft leicht überhören lässt. Da wundert es nicht, dass es zwischen den beiden Meistern schon im Vorfeld zu Spannungen kam. Die Dialektik von Wort und Musik kann man bei Mahagonny in Reinkultur verfolgen.

Weill richtete die Musik trotz des relativ großen Orchesters gewohnt knackig und transparent ein, mit den bekannt schrägen Harmonien und pulsierenden Rhythmen. Die scharf konturierten Bläserregister dominieren die drahtigen Streicher. Alles steht auf Anti-Wagner und man bedauert, dass nicht noch mehr Stücke in dieser Art entstanden sind.,/

Dirigent James Conlon lässt ohne falsche Gefühle geradeheraus und hochpräzise spielen. Die Kollektive der Los Angeles Opera sind in jedem Moment reflexschnell und sprühen vor Energie. Das klare, leuchtkräftige Klangbild trägt auch die vorzüglichen Solisten, deren Sing- und Spiellaune die Musik zusätzlich befeuert. Die ausgebildete Opernstimme der charismatischen Musicalsängerin Audra McDonald schenkt der Edelhure Jenny Smith zwar keine Seele (die besitzt die Figur nämlich auch gar nicht), aber einen packenden Realismus. Stadtgründerin Leocadia Begbick findet in Patti Lupone eine großartige Darstellerin, die die verruchten und charmanten Seiten ihres Charakters mit einer gehörigen Portion Ironie serviert. Klasse, wie sie vokal mühelos zwischen Diven- und Schlampenregister wechselt. Jimmy McIntyre, der unglückliche Held, gewinnt im Tenor von Anthony Dean Griffey tragisches Format. Von den übrigen, ebenfalls sehr gut besetzten Herren sticht noch der in jeder Hinsicht voluminöse Dreifaltigskeitsmoses von Donnie Ray Albert heraus.

Als Bonus gibt es ein interessantes 22minütiges Interview mit Conlon.

Unbedingte Empfehlung.






Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
10:47:27 AM, 24 April 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-208-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.