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NMZ
April 2008

Die Bahnhofshalle als Ort, wo die Menschenmassen aufeinandertreffen und doch jeder für sich allein ist: diese moderne Allegorie der Vereinsamung setzen der Regisseur Nikolaus Lehnhoff und der Bühnenbildner Tobias Hoheisel im Vorspiel und in den Intermezzi zwischen den sieben Bildern von Henzes Boulevard Solitude als wiederkehrendes Bühnenmotiv ein; die gleiche Bühnenarchitektur dient in leichter Variierung auβerdem als Einheitsbühnenbild für die Szenen in Wohnung, Bar und auf dem Dachboden. Die Inszenierung von Henzes erster Oper von 1952 am Gran Teatre de Liceu in Barcelona schafft damit nicht nur eine starke formale Klammer, sondern beschwört auch die Zeit des ersten Nachkriegsjahrzehnts wieder herauf, die geprägt war vom Gefühl der <> wie es damals hie%beta;. Henzes Oper paraphrasiert die Geschichte der Manon Lescaut, wobei aber nicht die unglücklich Liebende im Zentrum steht, sondern der naive Student Armand Des Grieux, der ihr hoffnungslos verfallen ist und mit seinem philosophisch grundierten Weltschmerz einen ziemlich linkischen Eindruck macht. Aus heutiger Sicht erscheint die Rolle weniger überzeugend als die der Manon, die mit ihrer Mischung von Abgebrühtheit und Willenlosigkeit auch Züge einer Lulu besitzt. Der Ernst des <> wird durch parodistische und kolportagehafte Elemente gebrochen – <>, spottet einmal Manons zynischer Bruder, der als ihr Zuhälter agiert. Die Uneigentlichkeit der Gefühle findet in der Musik ihren Widerhall. Die kühlen Lyrismen der Liebesszenen wechseln ab mit kunstvoll einkomponierten Unterhaltungsmusikfetzen, und in den Bahnhofsszenen kommt viel Schlagzeug zum Einsatz. Henzes <<Ästhetik der Unreinheit>>, die zwei Jahrzehnte später in Werken wie der Liedersammlung Voices oder im Vaudeville La Cubana zur Meisterschaft entwickelt ist, kündigt sich hier schon unüberhörbar an. Musikalisch besitzt die Aufführung respektables Niveau, und mit Ausnahme von Armand, der als schwärmerischer Student allzu massig wirkt, sind die Rollen gut besetzt. Zoltán Peskó am Pult sorgt für einen transparenten, vielfarbig glänzenden Orchesterklang.



Gerhard Persche
Fono Forum, February 2008

Beim Schlussapplaus sieht man einen dankbaren Hans Werner Henze. Was er wohl empfand, als er mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung seiner „Manon Lescaut“-Version „Boulevard Solitude“ mit den Erinnerungen seiner Jugend konfrontiert wurde? Wehmut? Genugtuung? Jedenfalls sind die musikalischen Bilder bis heute nicht vergilbt. Nahm der Komponist sich doch schon Anfang der 1950er Jahre die später postmodern genannte Freiheit, aus dem musikgeschichtlich aufgeschütteten Material das für die jeweilige Situation Angemessene zu wählen: etwa Reihenmodelle für die Libertinage des Protagonistenpaars, Diatonisches, auch aus dem Reich der so genannten U-Musik, für die reaktionär- korrupte Gesellschaft.

Die 2007 in Barcelona aufgenommene Produktion kannte Henze bereits aus London, wo Covent Garden 2001 mit ihr seinen 75. Geburtstag feierte. Nikolaus Lehnhoff und Ausstatter Tobias Hoheisel verweisen darin assoziativ auf Vittorio de Sicas „Stazione termini“ oder auch auf de Chiricos Bild „Gare Montparnasse“: Bahnhof, Heimat der Unbehausten. Dass diese Aufführung weniger mitreißend wirkt als die Londoner, liegt wohl vor allem an der Haupt- partie: Während Alexandra von der Weth damals die Manon als Femme fatale zwischen Lulu und Hildegard Knefcharakterisierte, wirkt Laura Aikin nun etwas altjüngferlich. Auch Armand, obwohl hier wie dort von Pär Lindskog interpretiert, war in London überzeugender. Zoltan Peskos Dirigat scheint direkter, konkreterer, theatralischer, aber auch eher auf die Entstehungszeit bezogen als die kristallene Interpretation von Bernhard Kontarsky in London.



Paul Hübner
www.klassik.com, November 2007
Interpretacion:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:
Features:
Regie:


Die Ortsangabe des Beginns, 'Bahnhofshalle einer französischen Groβstadt' wird für Nikolaus Lehnhoff zum Leitmotiv der ganzen Oper. In dieser unpersönlichen Kulisse im Stil der fünfziger Jahre finden alle Handlungsstränge statt. Das ständige Kommen und Gehen, hastende Menschen, unbeantwortete Telefonanrufe stehen für die Unmöglichkeit, die Einsamkeit zu überwinden. Wohin die Treppen in Tobias Hoheisels Bühnenbild führen, bleibt undefiniert, ein Bild von Edward Hopper weist auf die vergebliche Suche nach Liebe hin. Von diesem Bahnhof scheint kein Zug in eine glückliche Zukunft zu fahren. Nikolaus Lehnhoffs Sinnbild des Lebens als ein Bahnhof ist gerade in heutiger Zeit, in der Zustände des Ortlosen und der Zerrüttung mit dem Wort Mobilität abgedeckt werden, hochaktuell.

In der Rolle der Manon ist mit Laura Aikin nicht zufällig eine versierte Lulu-Darstellerin besetzt – die Parallelen der naiven Hure drängen sich musikalisch geradezu auf. Ihre Manon stellt in ständig wechselnden Posen stimmlich eindringlich eine Projektionsfläche viriler Träume dar, an denen sie schlieβlich zugrunde geht. Ihr zur Seite steht mit dem schwedischen Tenor Pär Lindskog ein leidend leidenschaftlicher Armand, der lyrische Tongebung und klar konturierte Gestaltung hervorragend vereint. Tom Fox gibt den Lescaut mit sattem und angemessen schmierigem Baritontimbre.

Das Sinfonieorchester des Teatre del Liceu unter der versierten Leitung Zoltán Peskós erfüllt Henzes Musik mit dem passenden Geist, ohne falsche Verkrampfungen, ohne interpretatorische Attitüde, stets auf der Höhe des Geschehens. Auch der Meister selbst, der der spanischen Premiere seiner Oper beiwohnte, zeigte sich beeindruckt. So wurde noch einmal lebendig, was Hans Werner Henze selbst von seiner Oper sagte: 'lyrische Immoralität, Aufsässigkeit und Künstlichkeit, die zu diesem Stück gehören wie das Atmen zum Menschsein.'



Klaus Kalchschmid
October 2007

Die Musik, mit der Henze die Geschichte der Manon Lescaut erzählt — hier bitterer und nüchterner gefasst als bei Massenet und Puccini -‚ verdankt sich oft virtuos und leuchtkräftig verwendeter Zwölfton-Technik. Sowohl im Libretto von Grete Weil wie in der Musik spukt denn auch Alban Bergs nur 16 Jahre zuvor komponierte ,,Lulu'' samt der Verwendung musikalischer Formen. Doch Henze geht noch einen Schritt weiter, macht die Partitur an einigen Steilen durchlässig für Parodie und Unterhaltungsmusik und den Tanz zum roten Faden der Komposition. Lehnhoff tat gut daran, diese Balletteinlagen zu ignorieren und allein die Musik sprechen zu lassen, wie er andererseits die schnöde Atmosphäre einer Bahnhofshalle, mit der die Oper beginnt, zum Leitmotiv der Aufführung machte. So finden die Intermezzi bei offenem Vorhang statt, während immer wieder Menschen hektisch herum- wuseln, Zeitung lesen oder telefonieren. Auch intime Szenen spielen sich auf der nur wenig modifizierten 5oerJahre-Bühne mit ihren Treppen, Flügeltüren, Säulen und einer Bar ab (Bühne und Kostüme: Tobias Hoheisel).

Laura Ailcin ist die kalt berechnende, hier schon reifere Frau mit der betörend eisigen hohen Sopran-Stimme, der eher heldisch geprägte Tenor Pär Lindskog stellt weniger den naiv schwärmerischen Studenten als vielmehr einen gestandenen Mann mit weichem Kern dar, Tom Fox aber singt und spielt den Bruder Manons als beklemmend groben Zuhälter. Zoltn Peskä betont die effektvolle Theatermusik Henzes und bietet mit dem Orquestra Sinfonica del Gran Teatre del Liceu eine packende Deutung. Ausgewogen und nicht nur auf Nahaufnahmen versessen ist die Bildregie von Xavi Bové.



Applaus
October 2007

Nikolaus Lehnhoffs Inszenierung, für das Royal Opera House Covent Garden und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder aufgenommen wird der Oper in allen Punkten gerecht.






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8:58:09 PM, 31 October 2014
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