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Paul Hübner
www.klassik.com, November 2007
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Für Alfred Brendel hat man die Schublade des 'philosophierenden Pianisten' gefunden, des Nachdenkers. Konsequent erfüllt er diesen Anspruch, indem jeder Interpretation eine ausführliche Werkanalyse vorangeht, die sich jedoch nicht nur auf hörbare musikalische Vorgänge, sondern vor allem auf ihre Bedeutung und ihren Bezug zu Schuberts Leben und Wesen bezieht. So erfährt der Hörer ein Schubertbild, das so manche Mär auf den Kopf stellt und einen völlig neuen Schubert hervorscheinen lässt. Heutzutage mag vieles davon nicht mehr neu sein, doch vieles, was uns mittlerweile selbstverständlich erscheint, trug vor dreiβig Jahren beinahe revolutionäre Züge.

Chronologisch beginnt Brendels Einspielung der späten Klavierwerke mit der monumentalen Wandererfantasie – ein intellektuelles und pianistisches Feuerwerk, dessen groβartige Konstruktion und dichte thematische Arbeit wirklich experimentelle Züge trägt. Brendel weist hin auf die orchestrale Setzweise von Schuberts Klavierstil, auf den symphonischen Aspekt der formalen Gestaltung, und lässt den Worten Taten folgen durch meisterhaft nachempfundene Phrasen, die jedem Detail, jeder scheinbaren Nebenstimme, Geltung verschaffen.

Es zeichnet Alfred Brendel aus, dass seine Interpretationen – gedanklicher und musikalischer Art – von wohltuendem Understatement geprägt sind. Seine Aussagen verstehen sich weniger als dogmatische Wahrheiten denn als Hypothesen, die engagieren wollen, anregen zu Neuem, zum Weiterdenken. Sein transparentes Spiel brüstet sich nicht mit Virtuosität, dem maschinenhaften Abspulen von Tonkaskaden, das uns so oft als Emotionalität verkauft werden soll. Stattdessen verbinden sich Emotion und Intellekt zu einem eindrücklichen musikalischen Erlebnis.

Emotion ist für Brendel die Quelle, 'die nicht versiegen darf; der Intellekt hingegen dient als Filter, der das Flieβen der Quelle nicht unterbinden darf. Jedoch macht erst der Intellekt durch die Organisation, die er einem Stück gibt, das Kunstwerk möglich.' Staunend steht der Zuhörer also vor den Kunstwerken, die Brendel mit Leben erfüllt. Er nimmt den Schubertschen Werken jedes falsche Pathos, jede romantisierende Heimeligkeit, zeigt stattdessen das Visionäre und die Abgründe, die im Leben des früh Verstorbenen sich auftun.

Dabei ist Brendel keineswegs der kühle Analytiker, als der er gelegentlich verschrien wird. Er räumt den vokalen Ursprung von Schuberts Klavieridiom gerne ein und verschafft ihm breiten Raum. Gerade die Affinität zum Lied jedoch fordert den Bruch, das Uneinheitliche, den raschen Wechsel verschiedener Stimmungen, die im Lied auf kleinstem Raum sich ereignen. Durch kleine Akzentuierungen im so bekannten Es-Dur Impromptu bekommen die munter perlenden Triolenläufe des Anfangs plötzlich die Ahnung eines Schattens, der im bewegenden Mittelteil in Moll umso deutlicher bestätigt wird. Es sind oft die kleinen Gesten, die aus Tönen Musik werden lassen.

Alfred Brendel hat wohl wie kaum ein zweiter über Schubert nachgedacht und somit alternative Zugänge, die Interpreten unserer Zeit wie Ian Bostridge oder Stefan Litwin in jüngeren Einspielungen suchen, erst möglich gemacht. Dafür steht wie kein zweites dieses beeindruckende musikalische und geisteswissenschaftliche Dokument in Form des kommentierten pianistischen Spätwerks Franz Schuberts.






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8:54:18 AM, 23 November 2014
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