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Dr. Daniel Krause
www.klassik.com, February 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Die Berliner Philharmonischen Waldbühnen-Konzerte werden vorzugsweise per DVD und Fernsehen vermarktet, und dieser Umstand ist an sich nicht zu beklagen: Die gelöste Atmosphäre der schunkelnden, picknickenden, zum Ende, wenn Linckes tumber Evergreen ‚Berliner Luft’ gegeben wird, in großer Zahl Wunderkerzen schwenkenden (Parterre-)Zuhörerschaft erinnert an Glyndebourne, Ravinia und ans Wiener Neujahrkonzert respective sein kindlich-naiv Straußens Radetzkymarsch beklatschendes Publikum. Solcher Waldbühnen-Zauber hilft, den Eindruck zu erwecken, ernste Musik sei nicht ernst, vielmehr massenwirksam und fähig, unter den leidigen Zwängen von Individuation und Isolation ächzenden Zeitgenossen kindergeburtstagshaft aufgehübschte Regression Richtung Urhorde möglich zu machen.

Anno 2009 boten Berlins Philharmoniker mit Simon Rattle—unter dem albern alliterierenden Slogan ‚Russian Rhythms’—Auszüge aus Tschaikowskys 'Nussknacker’-Suite, Strawinskys 'Sacre du printemps’ und Rachmaninows Drittes Klavierkonzert. Die musikalische Bilanz ist umso erfreulicher, als—trotz besagter wenig animierender Bedingungen—ernsthaft und auf höchstem Niveau musiziert wurde. Dies gilt zunächst für Strawinsky: All jene, die Rattles Mozart- oder Beethoven-Kompetenz—nicht völlig grundlos—in Abrede stellen, müssen staunend anerkennen, welche rhythmische Genauigkeit der vormalige Schlagzeuger diesem Orchester beigebracht hat, das weder durch Karajan noch durch Abbado für solches prädestiniert schien. Zu Karajans Zeiten wären jene (subtilen!) metrischen Verschiebungen des 'Sacre’ von elefantösem klanglichem Bombast verkleistert worden. Gerade dies geschieht bei Rattle nicht: Die 'Frühlingsfeier’ kommt als ‚absolute Musik’ daher, rhythmisch überrumpelnd oder feinsinnig ausphrasiert, just wie es angezeigt scheint, und nie außer Kontrolle, als mitreißende Studie über die Möglichkeiten eines modernen Orchesters. Dass die Berliner, wohl erstmals in ihrer Geschichte, befähigt sind, solche Musik adäquat darzustellen, wird immer als Rattles Verdienst angesehen werden müssen.

Als Solist am Flügel firmiert Yefim Bronfman, der am Beginn des sechsten Lebensjahrzehnts und mit Embonpoint als Wiedergänger des unvergessenen David Oistrach erscheint, den er als Kind im familiären Umkreis kennen lernte. Bronfman gehört zu den unprätentiösesten und besten Klavierspielern unserer Tage, und Rachmaninows Klavierkonzerte gehören seit dessen Kindertagen zu Bronfmans Kernrepertoire. Hier gibt er das dritte, d-Moll, und technisch wie musikalisch überzeugender ist diese Musik—trotz Gilels und Horowitz—kaum je aufgeführt worden. Man höre den Beginn: Bronfman bietet echtes Piano und wohlgegliederte, wunderbar lässige Phrasierung. Hier stellt sich alles als feinst kalibrierte Kammermusik dar, in vorbildlichem Zusammenspiel der Instrumentengruppen. Bronfman weiß sich als ein primus inter pares einzubringen, mit Demut und, wo erforderlich, mit virtuoser Gebärde: Gelegentlich rauscht es russisch-spätromantisch auf, mit Saft und Kraft und Pranke, der Tenor aber ist ein intimer, der mit ‚leisen Tönen’ zu bezirzen weiß—und reicher, glanzvoller hat ein Steinway selten geklungen. Bronfman/Rattle spannen eindrückliche Bögen vom zarten, verhaltenen Kopfsatzbeginn über dramatische Aufwallungen im Durchführungsteil und die Reprise ins Adagio-‚Intermezzo’ hinein.

Überhaupt Rattle: Wenn ihm vorgeworfen wird, über allerlei plastisch artikulierte Details gehe der Zusammenhang des Werks verloren, so trifft dies aufs Rachmaninow-Konzert—und das übrige Programm dieses Abends—nicht zu: Hier ist Proportion und Tektonik. Zumal Rattles vornehm-verhaltener 'Nussknacker’ ordnet Details, die effekthascherisch aufgebauscht werden könnten, dem Ganzen ein und unter. Den Sinn für schöne Stellen allerdings haben sich diese Musiker—glücklicherweise—bewahrt: Als Zugabe wird 'Pas de deux’ aus dem 'Nussknacker’ geboten—die Philharmoniker singen eine der göttlichsten Eingebungen Peter Tschaikowskys, mit Klangpracht und Fülle wie zu Herbert von Karajans Zeiten, doch innerlich befreit.






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9:11:41 AM, 29 December 2014
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