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Tobias Pfleger
www.klassik.com, January 2010

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Zwei Tage vor Verleihung der Nobelpreise fand im letzten Jahr ein englisch-schwedisches Gipfeltreffen in dem Stockholmer Konserthus statt: das Nobel Prize Concert, das nun von Medici Arts als DVD veröffentlicht wurde. John Eliot Gardiner dirigierte das Königliche Philharmonische Orchester Stockholm, es sang der Eric Ericson Kammerchor, unterstützt vom Monteverdi Choir, das Solistenquartett setzte sich aus drei Schweden und einem Norweger zusammen. Zu dem Anlass passt, dass Sir John Eliot Gardiner seinen englischen Monteverdi Choir zu diesem Konzert mitbrachte, wurde von letzterem doch behauptet, er verdiente eine Nobelpreis, wenn es einen solchen für Chöre gäbe. Dass dies durchaus zutrifft, zeigt sich auch bei diesem Konzert. Das Programm führte recht Heterogenes zusammen: Dvořáks Siebte Sinfonie d-Moll op. 70 und Wolfgang Amadé Mozarts unvollendete c-Moll-Messe. Dass der Konzertabend als wirklich herausragendes Ereignis wahrgenommen werden konnte, lag vor allem an der energischen, bewegenden, lebhaften Wiedergabe von Mozarts Messe. Dvořáks Sinfonie hatte durchaus ihre starken Momente, aber wurde insgesamt doch nicht so zündend musiziert, dass man dem Konzertabend das Prädikat nobelpreisverdächtig zubilligen möchte.

Vor allem der Kopfsatz von Dvořáks grandioser Siebter Sinfonie, diesem leider viel zu selten zu hörenden Stück, will hier nicht so recht überzeugen, vor allem wegen Gardiners eigenwillig kantiger Phrasierung. Das Hauptthema lässt er von den Streichern allzu eckig phrasieren, im Seitenthema hingegen, in dem vornehmlich die Holzbläser etwas kräftiger zupacken könnten, um die lyrische Melodie mit einer starken Gegenfarbe auszubalancieren, kommt hier ein wenig zu rund und klanghomogen daher. Ähnliches gilt für den langsamen Satz (in dem so manches Auge der Zuhörer nicht trocken blieb, wie man deutlich sehen kann), ehe das Orchester sich mit dem dritten Satz hörbar freigespielt hat. Die Rhythmen zünden ordentlich, die orchestrale Balance kann überzeugen, und auch das Finale gerät in seiner lebendigen, kecken Ausführung durchaus schmissig und anregend. Dass man aber letztlich doch nicht so ganz zufrieden sein konnte, lag wohl an der etwas zurückgenommenen Holzbläserfarbe, die gerade in diesem Stück so wunderbar hervortreten könnte, man höre etwa Rafael Kubeliks Einspielung mit Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Überzeugender gelang da Mozarts c-Moll-Messe, in der sich nicht nur die beiden hier zusammengeführten Kammerchöre von ihrer besten Seite zeigten, sondern auch das Orchester. Die Musiker folgen dem gestenreichen, vor allem metrische Schwerpunkte akzentuierenden Dirigat von John Eliot Gardiner mit einer spannenden, bestens aufeinander abgestimmten, sehr subtilen musikalischen Ausformung. Unter den Solisten können vor allem die beiden Frauenstimmen, die Sopranistin Miah Persson und die Altistin Ann Hallberg für sich einnehmen. Ihre solistischen Anteile führen sie mit der nötigen Feinzeichnung aus, getragen von hervorragend agierenden Instrumentalisten. Auch der norwegische Tenor Helge Rønning konnte mit einer klar fokussierten, eher leichten Stimme seinen Part in guter Abstimmung mit den anderen Beteiligten gestalten, ebenso der Bass Peter Mattei. An dem runden Gesamteindruck haben aber die beiden Chöre ganz entscheidenden Anteil. Sie agieren mit vokaler Leichtigkeit und Durchsichtigkeit, entfalten aber in den vehementen Steigerungspassagen die nötige Dramatik.






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12:17:56 AM, 22 May 2013
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