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Michael Kube
Fono Forum, April 2010

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Tobias Pfleger
www.klassik.com, February 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:
Features:

Im historischen Rückblick erschienen nicht selten Phänomene vereinfacht, reduziert auf—vermeintliche—Wesenskerne; selbst wenn die Vergangenheit, in die man zurückblickt, noch gar nicht so alt ist. Ein Übriges trägt die Bildung von Stereotypen bei, um die komplexe Realität auf ein dem geistigen Fassungsvermögen verträgliches Maß einzudampfen. Derlei Prozesse brauchen nicht beklagt zu werden. Allein, es schadet nicht, hin und wieder manche scheinbar festgefügten Zuschreibungen am historischen Objekt zu überprüfen. Eine vielfach kolportierte Zuschreibung ist etwa die des typischen ‚Philadelphia Sound‘, jenes einzigartigen Klangs des Philadelphia Orchestra, der sich unter Leopold Stokowski und später von Eugene Ormandy gebildet und weiterentwickelt hat. Seinen Kern habe dieser ‚Philadelphia Sound‘ in einem wunderbar warmem, weich abgetönten Streicherklang, unter Stokowski hervorgerufen durch unkoordinierte Bogenführung, unter Ormandy gepflegt durch eine subtile Klangkontrolle. Dazu kommt ein virtuoser Hochpräzisionsapparat in den Bläsern, vor allem Blech, passend zu den Streichern, betont rund im Klang.

Wie so oft, scheint in diesem Stereotyp ein (großer) Funken Wahrheit zu stecken. Aber es ist nicht die ganze Wahrheit, weil klangliche Rundung allein einen saumlosen Weichspülsound erschüfe. Und das ist mitnichten, was Eugene Ormandy mit dem Philadelphia Orchestra, das er über 40 Jahre lang geleitet hat, pflegte.—Nachprüfen lässt sich dies anhand vorliegender, bei EuroArts erschienener DVD, deren Programm sich russischen Werken widmet. Es handelt sich um Mitschnitte aus den Jahren 1977 resp. 1979, aufgezeichnet sind Strawinskys ‘Feuervogel’-Suite (1919) und die Zweite Sinfonie von Sergej Rachmaninow, letztere als Aufzeichnung eines Konzerts anlässlich Eugene Ormandys 80. Geburtstag.

Natürlichkeit musikalischer Phrasen

Strawinskys ‘Feuervogel’ geht der ebenso grazil wie glasklar schlagende, sich gänzlich unprätentiös gebende Ormandy mit jener bei vielen Dirigenten Mitte des 20. Jahrhunderts zu bemerkenden Klarheit der Phrasengestaltung an, die Strawinskys Musik als Ballett dirigiert haben. Die Musik wird hier weder als bloß farbig schillernde Oberfläche zelebriert, noch geht es um ein flottes Spiel mit markanten Rhythmen. Eugene Ormandy scheint vielmehr alles zu verbinden, was diese Musik ausmacht: rhythmische Kraft, klare Bewegungsgesten, Farbigkeit, weiche melodische Linien, das alles vermittelt durch ein fast unauffällig-zurückhaltendes, beinahe sachliches, aber in minutiösen Gesten suggestives Dirigat und ausgeführt von einem hoch virtuosen Klangkörper.

Wunderbar, wie die Solo-Oboe im ‘Reigen der Prinzessinnen’ ein Rubatospiel auf Mikroebene pflegt, eine Leichtigkeit, Weichheit und Lebendigkeit der Melodieführung, die nicht stur mit der Begleitung koordiniert ist—vielleicht ein Relikt der ungarischen Musiziertradition, aus der Ormandy stammt (ähnliche subtile Rubati lassen sich auch bei Ferenc Fricsay erkennen oder bei Fritz Reiner). Genau jene Freiheit der melodischen Linienführung, das Schmiegsame der Kantilene, bestimmt die Aufführung von Rachmaninows Zweiter Sinfonie e-Moll op. 27. Eugene Ormandy entfacht hier einen Zugang, der alles Romantisch-Schwelgende und das Zerrissene (etwa bei Golovanov) zugunsten eines feinfühligen, aber beinahe etwas nüchternen Vortrags meidet. Ormandy, selbst mit dem Komponisten gut bekannt und hoch geschätzt von Rachmaninow, findet einen faszinierenden, restlos überzeugenden Weg, die umfangreiche Sinfonie in ihrer Dramaturgie ebenso klar wie in ihren Ausdrucksmomenten lebendig werden zu lassen. Der zweite Satz ‘Allegro molto’ wird nicht auf ein rhythmisches Feuerwerk reduziert, die lyrische Kantilene des Seitensatzes kommt im Blech ohne aufgeplusterte Backen aus, das ‘Adagio’ könnte kaum traumverlorener und sinnlicher gespielt werden, ohne je in die Sentimentalitätsfalle zu tappen. Gut vorstellbar, dass Rachmaninow, selbst ein—bei aller Freiheit im Spiel—kühl agierender Musiker, mit der Interpretation von Eugene Ormandy sehr zufrieden gewesen wäre. So natürlich phrasiert und hingebungsvoll singen selten die Streicher. Und wenn dann im ‘Adagio’ noch manch süßes Portamento Eingang findet und das Finale rhythmisch packend musiziert wird, bleiben keine Wünsche offen. So wie hier bei dem 80jährigen Eugene Ormandy.






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12:29:25 PM, 25 October 2014
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