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Prof. Kurt Witterst├Ątter
www.klassik.com, February 2010

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Bis ins hohe Alter konzertierte der 1982 in Genf 95jährig verstorbene polnische Pianist Artur Rubinstein. Der natürlich mitteilsame, aber auch temperamentvolle Klavierstil des ‚glückhaften Virtuosen’ (Thomas Mann) begeisterte vor allem in der zweiten Hälfte seines Lebens, nachdem er nach einer persönlichen Krise 1938 in den Savoyer Alpen nochmals ernsthaft übend an sich gearbeitet hatte. Rubinstein bereute da seinen Büchern und Filmen (‚Mein glückliches Leben’, ‚Liebe zum Leben’) zufolge die aus seiner hohen Begabung springende jugendliche Sorglosigkeit mit ‚Faulheit’ und der Tatsache, ‚Noten unter den Tisch fallen’ zu lassen, wie er selbst sagte.

Ein Mitschnitt des Klavierabends des bereits 77jährigen von 1964 im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums, den EuroArts jetzt als DVD vorlegt, zeigt die hohe pianistische Meisterschaft an Eleganz und Spontaneität von Rubinsteins spätem Klavierstil wie auch seine erstaunlich hohe physische Alterskraft. Deutsche Musikfreunde konnten ihn nur jenseits der deutschen Grenzen und auf Tonträgern erleben, weil sich der als Sohn eines jüdischen Tuchfabrikanten in Lodz geborene, im Berlin vor dem Ersten Weltkrieg musikalisch geformte Rubinstein nach den Gräueltaten Deutscher an Juden und Polen im Zweiten Weltkrieg geschworen hatte, nicht mehr in Deutschland aufzutreten. Das lediglich das Programm englisch mitteilende Beiblatt der DVD hätte durchaus einiges zu Rubinsteins interessanter Biographie aufnehmen können.

Das gut eineinhalbstündige Programm seines Moskauer Klavierabends widmete Rubinstein ganz seinem Landsmann Frédéric Chopin. Ebenmaß und Eleganz seines Spiels faszinieren. Äußerlich schien der alte Herr mit der Offiziershaltung und den mit der Brennschere gerundeten, weißen Locken fast unbeteiligt. Im Gesicht verzieht er auf dem Mitschnitt kaum eine Miene. Kraftvolle Höhepunkte unterstreicht er lediglich mit kurzen Erhebungen vom Klavierstuhl. Die etwas eintönige schwarz-weiß Bildführung des sowjetischen Fernsehens zeigt dies zwar, ist im übrigen aber so trocken wie ein Dokumentarfilm.

Dafür kann man sich auf Rubinsteins feurig vorwärts stürmendes Spiel umso unbeeinträchtigter konzentrieren. Rubinsteins Chopin-Spiel befleißigt sich eines ungeheueren Gleichmaßes. Metrisch spielt er so akkurat, wie er am Flügel sitzt. Das ist in vielem Positiv: Dehnt er doch nicht ins übermäßig Gefühlige, beschleunigt er andererseits auch nicht ins nicht mehr Hörbare. Positiv fällt hier das gleichsam von der Trauer starre Gleichmaß des Trauermarschs in der b-Moll-Sonate op. 35 auf. Oder die in gestochener Rhythmik entfesselte Heroik in der heldischen As-Dur-Polonaise op. 53 mit dem in ihrem Mittelteil ungeheuer dicht entfesselten Oktaven-Getrappel.

Vieles gelang Rubinstein an seinem denkwürdig umjubelten Moskauer Abend 1964 unnachahmlich: Am Ende des Kopfsatzes der b-Moll-Sonate spielte er sich einen derartigen Furor, dass das sich der Einzigartigkeit der Stunde bewusste Publikum spontan klatschte, was Rubinstein unwillig abwehrte. Dann sind da die zarte Ausgeglichenheit, mit der er die Barcarole op. 60 intonierte, und die chevalereske Noblesse im a-Moll-Walzer op. 34/2. Anderes sieht man heute etwas anders: Der Polonäse fis-Moll op. 44 geben heutige Pianisten mehr trotzige Auflehnung mit, Rubinstein begnügt sich da mit festlichem Schwung. Auch fehlt in der schon erwähnten Barcarole die stürmische Vehemenz. Agogisch belebte, dramatische Ausbrüche gibt es über Rubinsteins Akkuratesse allenfalls in Finalschlüssen.

Gleichwohl: Das Singuläre des Rubinstein-Recitals bedingte eine ganze Zugabenkette von Schumanns poetischem ‘Fantasiestücke’-Satz ‘Des Abends’ (mit leider klirrender Tonqualität) über einen weiteren, lockeren Chopin-Walzer (As-Dur op. 34/1) und Debussys harfenartig-unbestechliche Prélude ‘Ondine’ bis zum enervierenden Martellato-Tremolo von Villa-Lobos’ ‘O Polichinello’.






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11:40:32 PM, 31 July 2014
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