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Tobias Pfleger
www.klassik.com, October 2009

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Um meiner Begeisterung vorab Luft zu machen: Selten darf man eine Platte hören, die musikalisch-interpretatorisch so überzeugend geriet wie die vorliegende. Hier wird mit hoher musikalischer Differenzierung gearbeitet, die für sich einnimmt. Die Rede ist von Vol. 6 der beim dänischen Label erscheinenden Gesamteinspielung von Mozarts Sinfonien mit Adam Fischer und der Dänischen Radio Sinfonietta. Die hier aufgenommenen Sinfonien der Jahre 1772–73 sind jedoch, da täuscht der Reihentitel, erst die zweite Einspielung in dem Zyklus; begonnen wurde mit Vol. 5, weil Fischer sich mit dem Orchester im Sinne der Werkchronologie von der Mitte zu den Außenpunkten—frühe und späte Sinfonien—heranarbeitet.

Das Kammerorchester, beheimatet beim Dänischen Rundfunk und auch unter dem Titel Unterhaltungsorchester bekannt, schürt zuerst keine großen Erwartungen. Doch hört man die Musikerinnen und Musiker, wird schnell deutlich, dass es sich um einen exzellenten Klangkörper handelt, der mit Unterhaltungsmusik (wie man sie landläufig versteht) wenig zu tun hat, sondern den führenden Kammerorchestern Europas keineswegs nachsteht. Zumindest hinsichtlich ihrer musikalischen Taten in Sachen Mozart. Mit Adam Fischer arbeitet das Orchester mit einem Dirigenten zusammen, der bereits für seine Haydn-Einspielungen gelobt wurde und ebenso als versierter Operndirigent in großen Häusern erfolgreich reüssierte. Die Dänische Radio Sinfonietta spielt auf modernen Instrumenten, doch in Bezug auf Tongebung und Phrasierung orientiert sich Adam Fischer an Vorbildern der historisch informierten Aufführungspraxis.

Orchesterkunst

Die Mozart-Interpretationen Adam Fischers scheinen die besten Eigenschaften der interpretatorischen Herangehensweisen des 20. Jahrhunderts auf wunderbare Weise zu verbinden. Da ist die klare Strukturierung, rhythmische Akkuratesse und ebenso genaue wie inspirierte Textexegese der Swarowsky-Schule, der Sinn für Spannung, Dramatik, Abwechslung und Klangkunst der Dirigenten der ersten Jahrhunderthälfte und das Bewusstsein für die Ästhetik der Werkentstehungszeit und Grundlagen der Aufführungspraxis. Fischer weiß dies zu einem ästhetisch vollauf überzeugenden Ganzen zu verschmelzen, das in dieser Einspielung der Sinfonien Nr. 22, 23, 24, 25 und 27 auf anregende Weise zum Tragen kommt.

Was vor allem anderen überzeugt, ist Fischers Umgang mit den (Klang-)Möglichkeiten des Orchesters. Die Streicher setzen das Vibrato höchst differenziert ein, gestalten ganz fahle, zerbrechliche Klänge (etwa im ‘Andantino grazioso‘ der G-Dur-Sinfonie Nr. 27 (KV 199) neben üppig singenden Linien. Dass Fischer aber keineswegs nur macht, was der Notentext vorgibt (und das ist bei Mozart oft nicht wahnsinnig viel), zeigt sich etwa im Schlusssatz der A-Dur Sinfonie Nr. 21 (KV 134), in dem von den Streicher die rasenden Tonwiederholungen beinahe col legno gespielt werden, durchaus passend zur Atmosphäre des Satzes. Auch ganz trockene, spitze Punktierungen gibt es zu hören, die jedoch stets ein Gegengewicht und vor allem einen dramaturgischen Sinn haben.

Immer lässt Fischer die Musik auf ein Ziel hin laufen, und dass er das nötige Händchen für die effektvolle Gestaltung von Überraschungen hat, zeigt sich in den sachten, aufwärts strebenden Figuren im langsamen Satz der Es-Dur-Sinfonie Nr. 26 (KV 184), die er entgegen der steigenden Melodielinie leiser werden lässt, um das schneidend hereinbrechende Forte umso kraftvoller wirken zu lassen. Subtile dynamische Schattierungen nutzt Fischer mit viel Sinn für Abwechslung und spannungsvolle Klangstrukturierung. Neben den schnellen Ecksätzen, in denen, etwa im Eingangssatz der Sinfonie Nr. 19 Es-Dur (KV 132) mit Spannung und Entspannung auf anregende Weise gespielt wird, sind es vor allem die langsamen Sätze, in denen Fischer die Virtuosität seines Orchesters voll auskosten kann, gerade im klangfarblich-artikulatorischen Bereich. Solche Feinarbeit am Orchesterklang hat man bei Mozart schon lange nicht mehr gehört.

Neben der betörenden Klangkunst ist es vor allem eine interpretatorische Haltung, die hier auf suggestive Weise den Hörer gefangen nimmt. Denn Fischer versteht es, all die winzigen Überraschungen in Mozarts Musik, seien es Phrasenunregelmäßigkeiten, harmonische Umbrüche oder melodische Nebenwege, auf ganz beredte Art zu vermitteln. Man hat stets den Eindruck, Fischer und mit ihm das Orchester musiziere im Bewusstsein des Staunens über derlei Details. Musikalisch teilt sich solch momentanes Staunen im minutiösen Zurückhalten des Tempos mit, in der Verlängerung eines Klangs oder durch artikulatorische Abwechslung. Gerade die nicht konventionellen Lösungen in Mozarts Sinfonien, die feinen ‚modernen‘ Überraschungscoups sind es, die hier subtil hervor gekitzelt werden.
Freilich wird dies alles nur wirksam, weil der Dirigent mit der Dänischen Radio Sinfonietta auf ein exzellentes Orchester zurückgreifen kann, das den Direktiven Fischers hörbar begeistert und flexibel folgt. Der Klang ist ganz durchsichtig gestaltet, die Bläser wunderbar präsent, und vor allem die ständig wechselnde Balance innerhalb des Ensembles verrät große Feinabstimmung.

Diese Mozart-Interpretationen sind drängend, energisch, aber ebenso leichtfüßig, feingliedrig, farbenreich und hoch differenziert—ein seltenes Erlebnis unter den heutigen Mozart-Einspielungen. Der einzige Wermutstropfen ist die klangliche Präsentation. Denn das Kammerorchester klingt im (mittlerweile alten) Konzertsaal des Dänischen Rundfunks zu luftig; ein kleinerer Aufnahmeraum hätte da vielleicht gut getan.






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1:43:18 PM, 31 July 2014
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