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Tobias Pfleger
www.klassik.com, September 2009

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

„KV 162, Allegro assai, Aufbruchstimmung. Ein kleines Kind will mit seinem Holzschwert Heldentaten vollbringen (Takt 26ff.), Takt 38: die Augen der Mutter, die sich des Knaben erfreut. Hühner laufen die ganze Zeit herum und picken Körner“, heißt es im Booklettext zu dieser Einspielung. Gemeint ist die siebte Folge (in der Tat aber erst die dritte erschienene CD) der Gesamteinspielung von Wolfgang Amadé Mozarts Sinfonien, die in Zusammenarbeit mit dem Dänischen Rundfunk beim dänischen Label Dacapo erscheint. Geschrieben hat die eingangs zitierten Zeilen der verantwortlich zeichnende Dirigent Adam Fischer. Man mag die inhaltliche Kommentierung der eingespielten Sinfonien als naive Konzertführerhermeneutik abtun oder als Zeugnis einer allzu blühenden Phantasie. Und doch geben Fischers inhaltliche Charakterisierungen der Werke einen Hinweis darauf, wie Mozart Sinfonien von dem Dirigenten aufgefasst werden. Adam Fischer geht es nicht um eine lediglich texttreue Umsetzung des in der Partitur Niedergeschriebenen, sondern darum, die wechselvollen Charaktere in der Musik aufzuspüren und die Schattierungen der zum Teil abrupt sich ändernden Stimmungen einzufangen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die allgemeine Präsentation der Musik, sondern zeitigt Wirkungen im Detail.

Aufs Allgemeine bezogen hat die Bemühung, den Charakter von Mozarts Musik möglichst farbig darzustellen, zur Folge, dass Fischer das Orchester bei Gegensätzen zu griffigen Zuspitzungen anregt oder bei kontinuierlich ablaufenden formalen Prozessen darauf achtet, dass die Musik stets auf ein Ziel hin gerichtet ist. Im Detail zeigt sich Fischers charaktervolle Modellierung darin, dass die Musik im Rückgriff auf Vorbilder der historisch informierten Aufführungspraxis gestisch verstanden wird. Anstatt nach einer ‚großen Linie‘ zu suchen, die bei anderen Dirigenten nicht selten alle subtilen Überraschungsmomente bei Mozart niederbügelt oder zumindest homogenisiert, fasst Adam Fischer die in den Außensätze quirlige, in den langsamen Sätzen kantable Gestaltung als Herausforderung auf, die beredten Gesten darzustellen, dem Hörer musikalisch zu vermitteln. Und das gelingt Orchester wie Dirigent auf exzellente Weise.

Fünf Sinfonien sind es, die auf der Platte zusammengefasst sind: die Sinfonien Nr. 22, 23, 24, 25 und 27. Bis auf die so genannte ‚kleine g-Moll-Sinfonie‘ KV 183 sind sie alle dreisätzig angelegt, mitunter mit direkten Satzanschlüssen. Mit der Dänischen Radio Sinfonietta hat Adam Fischer ein Kammerorchester bei der Hand, das die Konzeption des Dirigenten auf großartige Weise umzusetzen versteht. Zurückgreifend auf moderne Instrumente zeigen die Musiker ein hohes Maß in artikulatorischer Differenzierung, in den Streichern fällt ein sehr maßvoller und charakterlich abgestimmter Vibrato-Einsatz auf. Die Geigen sind einander gegenüber postiert, so dass manch zündender Dialog zwischen den hohen Streichern brillant über die Bühne geht. Nicht nur die dynamische Feinschattierung, die durch die Besetzungsreduktion in Piano-Passagen erzieltwird, überzeugt hier in ihrer dramaturgischen Perfektion, zum Beispiel durch das dynamische Spiel bei Tonrepetitionen über Bassgängen, wo das Orchester (und eben auch begleitende Stimmen mit Haltetönen) zu den Spannungsklängen hin sachte in der Lautstärke anziehen. Solche Kunstfertigkeit im Umgang mit den Klangmöglichkeiten eines (Kammer-)Orchesters finden sich—hinsichtlich der Mozart-Sinfonien—in unseren Tagen nur noch selten. In den Fußstapfen der historisch informierten Aufführungspraxis versucht man im Allgemeinen eher, den Klang noch widerborstiger zu machen, die Streicher noch perkussiver klingen zu lassen. Das zeigt sich etwa, wenn man die dramatisch zugespitzte Darstellung der g-Moll-Sinfonie KV 183 mit jener Darstellung des Ensembles Cercle de l’Harmonie mit dem Dirigenten Jérémie Rhorer vergleicht, der aus der ohne Zweifel stürmischen Musik ein grelles Grimassieren macht.

Adam Fischer bemüht sich trotz der konturenscharfen Charakterisierung stets um Transparenz im Klang, um fein austarierte Verhältnisse zwischen den Stimmen, die der Kontrapunktik gerade der mittleren Streicher zu ihrem Recht verhelfen, um gekonnt in den Klang eingefügten Bläserstimmen. Hinsichtlich des Tempos aber tendiert er durchaus zum Extremen— besonders in den schnellen Außensätzen. Das ‘Presto assai’der C-Dur-Sinfonie KV 162 wie auch das der Sinfonie D-Dur KV 181 bringt er in rasendem Tempo über die Bühne. Dass selbst in solcher Geschwindigkeit die Feingestaltung im Orchester nicht ausbleibt, spricht für die Virtuosität des Klangkörpers. In der Tat erweist sich die Dänische Radio Sinfonietta als wendiges Ensemble, das hörbar über eine hohe Kultur des Aufeinander-Hörens verfügt.

Wenn auch diesmal der Klang nicht vollauf zu überzeugen vermag, so liegt das wohl an dem Konzertsaal, der meiner Meinung nach gerade im Tutti der Musik ein wenig zu viel Raum gibt.






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9:40:14 AM, 18 December 2014
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