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Tobias Pfleger
www.klassik.com, February 2009

Es mag uns Mitteleuropäern trivial, vielleicht auch ein wenig naiv erscheinen, dass Natur mit ihren mächtigen Gewalten eine unmittelbare Quelle künstlerischer Inspiration darzustellen vermag. Für Nordeuropäer, insbesondere im skandinavischen Raum, ist der Rückbezug auf die umgebende Natur ein Kernreservoir künstlerischer Verarbeitung bzw. artifiziellen Rückbezugs. So gibt es etwa nicht wenige Werke skandinavischer Komponisten, die sich direkt oder indirekt dem Meer widmen. Das reicht vom dänischen Komponisten Hakon Børresen, der seine Zweite Sinfonie op. 7 mit dem Untertitel ‚Havet’ (Das Meer) versieht, über den Schweden Hugo Alfvén, dessen Vierte Sinfonie op. 39 mit ‚Från havsbandet’ betitelt ist bis zur Ersten Sinfonie des färöerischen Komponisten Sunleif Rasmussen mit dem Beinamen ‚Oceanic Days’.

Vergänglichkeit

In diese Reihe gehört auch Pelle Gudmundsen-Holmgreens Neuntes Streichquartett ‘Last Ground’. Der 1932 geborene Däne Gudmundsen-Holmgreen hat dieses 2006 entstandene Werk für Streichquartett und Meer (als Zuspielung freilich) angelegt. Er verfolgt in diesem Werk eine poetische Idee, die den melancholisch gefärbten Werken seines Landsmanns Bent Sørensen nicht unähnlich ist: Einer subtilen Darstellung der Vergänglichkeit als unabwendbarer Teil der Natur. Während Sørensen diese Melancholie mit sich auflösenden, changierenden Klangtexturen evoziert, greift Gudmundsen-Holmgreen auf eine ganz naiv-direkte Gegenüberstellung zurück. Zu Anfang von ‘Last Ground’ hört man nur Meeresrauschen (mit einigen Vögeln); das zaghaft, sachte seine Linien entfaltende Streichquartett wird nun, so die Werkidee, von der Überhand gewinnenden Naturgewalt des Meeres sozusagen ‚an die Wand gespielt’. Eine sehr sinnlich-eindringliche Umschreibung menschlicher Machtlosigkeit mit einfachen Mitteln. Die Naivität aber hat etwas Anrührendes, etwas ohne künstlerische Brechung Ergreifendes. Vom Uraufführungsensemble, dem Kronos Quartet, erklingt in vorliegender Einspielung. Den in allen Stilen der Moderne versiertem Quartett gelingt eine sehr sinnliche Umsetzung der verhangenen Stimmung.

‚Vivaldi auf Safari’

Eines seiner ausladendsten Werke Gudmundsen-Holmgreens ist sein ‘Concerto grosso’s für Streichquartett und sinfonisches Ensemble. Kozipiert 1990, wurde es mittlerweile zum zweiten Mal umgearbeitet; die zweite Revision liegt dieser Einspielung zugrunde, eine Revision, die nach den Aussagen des Komponisten die kompositorischen Strukturen etwas lichter, durchlässiger gemacht hat. Die Gegenüberstellung von Streichquartett und sinfonischem Ensemble (Orchester ohne Streicher bis auf zwei Kontrabässe, dafür aber mit großer Schlagwerkbatterie) geht auf sehr unterhaltsame, kurzweilige Weise vor sich, dabei durchaus auf Augenhöhe, ohne dass das Quartett klanglich untergebuttert würde. Der Komponist schafft einen sehr lebhaften Dialog, dem weder komplizierte rhythmische Schichtungen fremd sind noch derb-schmissige musikantische Feststimmung.

Vom Dänischen Nationalen Rundfunksinfonieorchester des Dänischen Rundfunks unter Thomas Dausgaard wird dieses abwechslungsreiche, halbstündige Werk zu blühendem Leben erweckt. Freilich kommt auch hier die tragische Seite nicht zu kurz, die dem doppelbödigen Werk durchaus innewohnt (anders als dem eindimensionalen, aber auf seine Weise ausdrucksvollen Neunten Streichquartett). Auch hier leistet das Kronos Quartet Großes. Die vier neugierigen Musiker widmen sich mit hörbarer Spiellust den Klang- und Stilverbindungen des Dänen.

Etwas langatmig kommt ‘Moving Still’ (2004) für Bariton und Streichquartett daher. Im ersten Satz wirken die Wortfetzen, die Paul Hillier hier in den rhythmisch bewegenden Klangstrom einhängt, eher wie perkussive Akzente. Komponiert für das Projekt ‚Symphonic Fairytales’ zum 200. Geburtstag von H.C. Andersen im Jahr 2005, greift Pelle Gudmundsen-Holmgreen hier auf einen Text Andersens zurück, um gleichzeitig—vor dem Hintergrund der innenpolitischen Diskussionen in Dänemark—nach der nationalen Identität zu fragen, nach dem, was genuin dänisch sei. Andersens Zukunftsvision wird im ersten Satz auf englisch vorgetragen, grundiert von nervösen Klängen, die vom Kronos Quartet mit großer Klangsinnlichkeit umgesetzt werden. Der zweite Satz, zurückgreifend auf Andersens ‚In Dänemark wurde ich geboren’, scheint beinahe stillzustehen. um sodann unterschiedliche Musikstile aneinanderzureihen, eine musikalische Frage nach dem, was dänisch sei.

Eine entscheidende Komponente der sinnlichen Erfahrung von Gudmundsen-Holmgreens Werk ist die klangliche Repräsentation, vor allem in Werken wie ‘Last Ground’, in dem das Klanggeschehen durch den Raum wandert oder im ‘Concerto grosso’, in dem das Streichquartett von den Ensemblemusikern umschlossen wird. Gerade die räumliche Komponente kann freilich mittels der SACD sehr gut vermittelt werden.






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8:22:02 AM, 22 September 2014
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