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Peter B├╝ssers
www.klassik.com, January 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Mit der Serie ‚Great Conductors’ verlegt Naxos historische Aufnahmen berühmter Dirigenten. So erscheint neben Aufnahmen populärer Werke mit Klemperer und Furtwängler auch eine Aufnahme des ‘Deutschen Requiem’ von Johannes Brahms unter dem Dirigenten Rudolf Kempe. Die erneute Herausgabe durch Naxos scheint dabei zwar nicht unbedingt notwendig, weil die von EMI im Jahre 1955 produzierte Aufnahme bereits 1993 in der EMI Classics Serie ‚Références’ wieder auf CD herausgegeben wurde, spiegelt aber den geschichtlichen Stellenwert der Aufnahme durch die erneute Auflage dieser Interpretation wider.

Referenz?
Auch wenn die Bezeichnung Referenz auf diese Interpretation heute neben anderen Interpretationen inzwischen nicht mehr ganz zutreffen mag, so scheint die Aufnahme mit Rudolf Kempe ihrer Zeit doch voraus gewesen, ja fast schon zeitlos zu sein. Rudolf Kempes Interpretation überzeugt in erster Linie hinsichtlich des strukturellen Verständnisses des Werks. Auch klanglich stellt er das Orchester dabei—wie bei vielen seiner Opernaufnahmen—in den Dienst der Sänger. So sind sowohl die Solisten als auch der Chor generell sehr präsent und hierarchisch dem Orchester übergeordnet. Einerseits wird durch diese strukturelle Organisation eine sehr hohe Textverständlichkeit garantiert, andererseits wirkt die Klangbalance jedoch sowohl dadurch als auch durch die Aufnahmetechnik ein wenig unnatürlich, was zu Lasten anderer Stimmen geht.

Vor allem im insgesamt sehr ruhig angelegten Satz ‘Ihr habt nun Traurigkeit’ mag ein richtiges Piano nicht zustande kommen, und es ergibt sich ein klanglich leichtes Missverhältnis zwischen Sopran-Solo, Chor und Orchester. Das wiederum kommt allerdings dem Auftritt Elisabeth Grümmers zugute, die durch ihre klare und große Sopranstimme mehr als überzeugt. Auch wenn ihr reichlicher Vibratoeinsatz zwar kontrolliert ist, ist ihr sängerischer Gestus jedoch fast einen Hauch zu sehr am dramatischen Operngesang orientiert. Doch nicht nur durch die hochkarätige Besetzung der Sopran-Partie, sondern auch durch den Auftritt Dietrich Fischer-Dieskaus konnte diese Aufnahme durchaus einen Referenz-Status erlangen. Die hier gebotene Leistung des damals gerade dreißigjährigen Baritons scheint—auch in späteren Aufnahmen Fischer-Dieskaus, beispielsweise unter Klemperer—seitdem schier unerreicht. Das Solo ‘Herr, lehre doch mich’ ist rührend, expressiv und ansprechend. Weniger ergreifend, aber dafür vielmehr bestimmt und packend gestaltet Fischer-Dieskau das Solo im Satz ‘Denn wir haben hie keine bleibende Statt’. Allgemein ist dieser schwierige Satz in Kempes Aufnahme besonders gelungen und gibt der Interpretation den zeitlosen Charakter, denn dieser Satz könnte so auch aus Aufnahmen unserer Tage stammen.

Sogar der Chor der Berliner St. Hedwigs Kathedrale meistert unter Kempes Dirigat die Herausforderung der großen ‘Herr du bist würdig’-Fuge. Hinsichtlich der Balance des Chorklangs bekommt man in den homophon gehaltenen Parts hingegen einen eher unausgewogenen Eindruck, so dass man sich fragt, ob hier absichtlich eine Hierarchie von Sopran zu Unterchor herrscht, oder ob dies ein Nebeneffekt der damaligen Aufnahmetechnik ist. Insgesamt hinterlässt der Chor durch solche Effekte und viele kleine Details—wie die harte Konsonanten-Deklamation, etwa bei den ersten Worten ‚Selik sind’—einen zwiespältigen Eindruck, ist dem Werk aber ansonsten gewachsen.

Eine deutsche Klanghierarchie?
Generell vermisst man im Klang jedoch einige Nuancen, die man von späteren Aufnahmen des Werks kennt. So sind Kempes Vorstellungen nicht nur hinsichtlich des Werks von klaren strukturellen Vorstellungen wesentlich geprägt. Den heutigen Hörer überrascht, dass Kempe beispielsweise die Pauken im zweiten Satz derart subtil hält, dass man sie nur als Nebensächlichkeit des Geschehens wahrnimmt. Auch die Blechbläser kommen auf dieser Aufnahme fast zu kurz; sie sind zwar da, aber man hört sie nicht immer. Insgesamt vermögen die Berliner Philharmoniker unter Kempe durch einen klar strukturierten Klang zu überzeugen. Jedoch spiegelt sich in dieser hierarchisch angelegten Klangvorstellung sein individueller interpretatorischer Ansatz wider, das Orchester in den Dienst der Sänger zu stellen. Zur Interpretation romantischer Chormusik—insbesondere von Brahms—mag das zwar passen, in dieser Ausprägung ist es jedoch etwas zu viel Struktur. Weitere dynamische und klangliche Differenzierungen wären für eine kontrastreichere und weniger auf Hierarchie hin angelegter Klang wünschenswert gewesen. Dieser Eindruck scheint im Endeffekt jedoch zu gleichen Teilen auf Kempes Interpretationsvorstellungen und der Aufnahmetechnik der damaligen Zeit zu beruhen. Entsprechend ihres Alters rauscht die Aufnahme natürlich stark. Ebenso ernüchternd und wie gewohnt unspektakulär fällt bei Naxos das Booklet aus. Es handelt sich dabei um ein sechsseitiges Faltblatt, welches in englischer Sprache ausführlich über Komponist, Solisten und Dirigent informiert. Informationen über Orchester und Chor sucht man genau wie den Text des Werks vergeblich.

Einfluss auf die Nachwelt
Dass die Aufnahme von Kempe auch heute noch einmal neu verlegt wird, verwundert in Anbetracht ihres Referenzcharakters nicht, sondern unterstreicht dieses Bild vielmehr ein weiteres Mal. Abgesehen von der Klangqualität ist Kempes Interpretation immer noch aktuell und kann sich auf dem Plattenmarkt behaupten ohne als überholter, historischer Ballast angesehen werden zu müssen. Die Besetzung der Solisten ist legendär, der Klang des Ensembles ohne Zweifel individuell. Der Stellenwert dieser Aufnahme wird durch die zahlreichen Aufnahmen des ‘Deutschen Requiem’ der letzten Jahrzehnte bestätigt, die darauf aufbauen. Hier hat Kempe durch seine Aufnahme die Nachwelt maßgeblich beeinflusst und bereits 1955 Maßstäbe gesetzt.






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7:25:03 AM, 18 December 2014
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