Classical Music Home

The World's Leading Classical Music Group

Email Password  
Not a subscriber yet?
Keyword Search
in
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...


Rondo, September 2009

View PDF  


Daniel Krause
www.klassik.com, June 2009

Vor dem Ruhm

Unter den Komponisten des deutsch-österreichischen Repertoires wird Robert Schumann—diesseits des Dreigestirns von Bach, Mozart und Beethoven—in Russland am höchsten geschätzt, weit höher als Schubert, Brahms oder Mendelssohn. Es heißt, im Stalingrad-Mahnmal sei über lange Zeit per Tonband die ‘Träumerei’ aus Schumanns, des Deutschen (!), ‘Kinderszenen’ erklungen.

Solche russische Schumann-Verehrung ist gewiss nicht pianistischen Vorzügen seiner Kompositionen geschuldet. Für virtuosen Selbstgenuss nach Art der russischen Klavierschule bieten sie selten Gelegenheit, viel eher zur seelischen Expansion. Schumanns Empfindungsradikalismus, verbunden mit weit reichender Formenzerklüftung, mag Pianisten von Emil Gilels’, Wladimir Horowitz’, Jewgenij Kissins Schlag willkommene Anknüpfungspunkte zum eigenen Herkommen, der russischen musikalischen Sozialisation, bieten. Dies gilt umso mehr für den geistig flexibelsten russischen Pianisten: Swjatoslaw Richter.

Erstmals seit Jahrzehnten—und erstmals auf CD—sind Richters Schumann- und Schubert-Einspielungen der Jahre 1948, 1952 und 1956 herausgebracht worden. Dieses Verdienst gebührt, kaum überraschend, Naxos. Neben Schumanns ‘Humoreske’ op. 20, und fünf seiner ‘Fantasiestücke’ op. 12, werden Franz Schuberts ‘Impromptus’ Es-Dur D 899, und As-Dur D 935, sein ‘Moment musical’ C-Dur, D 780 und, gleichsam als Dreingabe, Chopins Etüde e-moll op. 25, geboten.

Swjatoslaw Richter ist damals, Jahre vor seinem sagenumwobenen Debüt in Carnegie Hall, längst kein Unbekannter mehr. Im Westen wird er zumindest als ein ‚Geheimtipp’ gehandelt, dies völlig zu Recht: Nichts in diesen frühen Einspielungen deutet auf technische oder musikalische Unsicherheiten. Alles ist da: Unerbittliche Motorik, flinkeste Läufe, dezentes, zuweilen riskantes, Rubato, scharf ausgeleuchtete, gleichsam geröntgte, Akkorde. Alle dynamischen Stufen zwischen mehrfachem piano und forte. Durchdachte, teils exzentrische, Tempi. Exakte Phrasierung, zuweilen ins Deklamatorische hinaufgesteigert. Auch ist ein vergleichsweise hohes Maß stilistischer Anpassungsfähigkeit festzustellen: Dieser Schumann ist kein Schostakowitsch, und die Schubert-Impromptus zeigen sich—meistens—recht diszipliniert und verhalten. (Dies nimmt nicht Wunder, denn Richter, Jahrgang 1915, ist damals schon ein reifer Künstler um die vierzig.)

Die Naxos-Ingenieure leisten Erstaunliches. Gewiss sind die Limitationen sowjetischer Tontechnik der vierziger, fünfziger Jahre unüberhörbar. Was aber Ward Marston aus solcherlei ‚archaischem’ Material hervorzuzaubern versteht, kann sich hören lassen: Linke wie Rechte sind jederzeit deutlich vernehmbar. Verzerrungen treten nicht auf, die Balance der Register wird zuverlässig gewahrt. An klanglicher Präsenz nimmt es dieses Material mit westlichen Produktionen der fünfziger Jahre mühelos auf. An musikalischer ebenso—Swjatoslaw Richter sei es gedankt.






Famous Composers Quick Link:
Bach | Beethoven | Chopin | Dowland | Handel | Haydn | Mozart | Glazunov | Schumann | R Strauss | Vivaldi
7:12:56 PM, 21 April 2014
All Naxos Historical, Naxos Classical Archives, Naxos Jazz, Folk and Rock Legends and Naxos Nostalgia titles are not available in the United States and some titles may not be available in Australia and Singapore because these countries have copyright laws that provide or may provide for terms of protection for sound recordings that differ from the rest of the world.
Copyright © 2014 Naxos Digital Services Ltd. All rights reserved.     Terms of Use     Privacy Policy
-212-
Classical Music Home
NOTICE: This site was unavailable for several hours on Saturday, June 25th 2011 due to some unexpected but essential maintenance work. We apologize for any inconvenience.