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Thomas Rothschild
Titel-Forum.de, February 2009

“The Pajama Game” gehört zum Besten, was der Broadway je hervorgebracht hat und hört sich noch heute an wie eine Anthologie der Möglichkeiten, die sich dem Musical-Song bieten.

Beim Stichwort „Musical“ fällt mittlerweile den meisten Menschen Andrew Lloyd Webber ein. Zu den bedeutenden Werken dieser Gattung aber verhalten sich dessen Kitschorgien wie ein Schubert-Kopf aus Schmalz im Schaufenster eines Metzgers zu einer Skulptur von Rodin. Die „Musical Comedy“, wie es korrekt heißen müsste, hatte ihre heroische Zeit in den USA der dreißiger bis fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Meisterwerke des Musicals von Cole Porter, Irving Berlin, Rodgers und Hammerstein, Jerome Kern, Frank Loesser, Frederick Loewe und Alan Jay Lerner, George und Ira Gershwin, Kurt Weill und noch von Leonard Bernstein sind sprachlich, insbesondere mit ihrem Reimwitz, wie musikalisch weitaus vielfältiger, einfallsreicher und anspruchsvoller als das Mittelmaß, das den heutigen Musical-Bühnen große Gewinne oder auch Pleiten einbringt. Es ist bedauerlich, dass es östlich von London nur wenig Theater gibt, die sich an Neuinszenierungen der „klassischen“ Musicals heranwagen. Sie würden Maßstäbe setzen, die den aktuellen Musical-Betrieb als das erscheinen ließen, was er tatsächlich ist: ein Abfalleimer des schlechten Geschmacks.

In der Tradition der großen Musicals steht auch „The Pajama Game“ von Richard Adler und Jerry Ross. Die Story ist eher schlicht—eine Liebesgeschichte nach bewährtem Boulevardmuster, angesiedelt in einer Pyjamafabrik in Iowa, wo immerhin für das Genre eher ungewöhnliche Motive wie Streik und Zeitaufnehmer ins Spiel kommen. Ideologiekritisch kann man „The Pajama Game“ als eines jener typischen amerikanischen Produkte verstehen, in denen die Klassengegensätze sich in menschlichem Miteinander auflösen wie etwa in den Filmen von Frank Capra. Was Adler und Ross jedoch daraus machten, gehört zum Besten, was der Broadway je hervorgebracht hat. Es hört sich noch heute an wie eine Anthologie der Möglichkeiten, die sich dem Musical-Song bieten.

Duett mit sich selbst

Da ist der Walzer „I’m Not At All In Love“, der an die Wiener Operette erinnert, an die das Musical unmittelbar anschließt. Da ist das komische Duett, in dem Hines schwört, nie mehr eifersüchtig zu sein. „Hey There“ gehört zu den schönsten romantischen Arien, die überhaupt in einem Musical zu finden sind. Der in seine Untergebene Babe verknallte und vom Eigentümer Hasler abhängige Fabrikdirektor Sid hört seine eigene Stimme im Raum—ein früher Einsatz von Playback—und stimmt in ein Duett mit sich selbst ein. Auf „My Fair Lady“ weist das Duett „Her Is“ voraus, in dem das defekte Englisch des Gewerkschaftsfunktionärs Prez („her“ statt richtig „she“) Lacher provoziert. „There o­nce Was A Man“ ist eine hinreißende Hillbilly-Nummer und „Steam Heat“ ein veritabler Rock’n’Roll der ersten Stunde. Eine atemberaubende Instrumentierung wird in diesem Song organisch ergänzt durch den perkussiven Stepptanz. Henry Mancini könnte sich hier Anregungen geholt haben. Der größte Hit aus „The Pajama Game“, auch im deutschsprachigen Raum, war wohl „Hernando’s Hideaway“, ein Tango, den man als Parodie auf die Seguidilla aus „Carmen“ auffassen kann.

Die CD präsentiert die Originalbesetzung von 1954. Regie führte damals, zusammen mit George Abbott, einem der zwei Librettisten, Jerome Robbins. Kein Geringerer als Bob Fosse debütierte in der Inszenierung als Choreograph. Weil noch Platz war auf der Scheibe, wurden fünf Titel aus der Broadway-Show „John Murray Anderson’s Almanac“ angefügt, zu der Adler und Ross die Musik geschrieben haben. Da begegnet man dem 26-jährigen Harry Belafonte, schon dies eine kleine Sensation. „Which Witch?“ wiederum ist ein schönes Beispiel für das Vergnügen englischer Song-Autoren an Wortspielen. In diesem Lied erzählt eine nach Amerika gereiste Schauspielerin, John Gielgud habe sie eingeladen, 52 Wochen hindurch eine Hexe in „Macbeth“ zu spielen. Sie will nun partout wissen, welche Hexe—„which witch“. Eine Vorwegnahme von Helmut Qualtingers Sketch, in dem ein abgetakelter Schauspieler erzählt, wie er den siebten Zwerg in „Schneewittchen“ „angelegt“ habe—nämlich „hintergründig“. Und „When Am I Gonna Meet Your Mother?“ belegt, welche Tradition der nach Amerika emigrierte Georg Kreisler damals nach Österreich importieren wollte.






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12:13:16 AM, 27 April 2015
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