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Tobias Pfleger
www.klassik.com, January 2010

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Booklet:

Der 1932 geborene dänische Komponist Per Nørgård gehört zu den bekanntesten und meistbeachteten skandinavischen Komponisten. Nicht nur wegen des Umfangs seines Schaffens und dessen Breite (Sinfonien, Opern, Kammermusik, Vokalmusik, Chormusik), sondern vornehmlich wegen seiner kompositorischen Kunstfertigkeit und Wandlungsfähigkeit ist er auch hierzulande im Konzertleben präsent, zumeist in den Aufführungsreihen zeitgenössischer Musik. In unserem nördlichen Nachbarland freilich werden seine Werke nicht nur häufig gespielt, sondern auch mit Einspielungen dokumentiert; zuweilen mit Einspielungen, die das Prädikat ‚beispielhaft‘ verdienen.

Letzteres darf der vom dänischen Label Dacapo veröffentlichten Aufnahme einer Auswahl von Nørgårds Klavierwerken verliehen werden. Der Pianist Erik Kaltoft, ein besonders in den Gefilden zeitgenössischer Musik sehr umtriebiger Künstler, widmet sich einigen der ‚kleineren‘ Klavierwerke von Per Nørgård. Aufgenommen hat er hier einige Sammlungen kurzer Klavierstücke. Besonders interessant sind die stilistischen Unterschiede zwischen den Werken um 1960 und den Werken ab etwa 1980. Während Nørgård in den jüngeren Werken eine sich in einzelnen Motiven, Intervallen und melodischen Modellen festbohrende Musik entfacht, scheinen die älteren Werke von einer ständigen Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten im Dunstkreis zentraleuropäischer Avantgarde geprägt. Mal arbeitet er hier, etwa in den ‘Fragments I–IV’ (1959–61) mit komplexen rhythmischen Abläufen, die durch mikroskopische Verschiebungen Momente der Unsicherheit entstehen lassen, mal schichtet er melodische Zellen in unterschiedlichen Zeitmaßen übereinander, eine Technik, die später die eingängige Bezeichnung ‚Unendlichkeitsreihe‘ bekam und seitdem als Markenzeichen von PerNørgård in Anschlag gebracht wird, wenn es gilt, den Komponisten der Klassifizierbarkeit halber mit einem Etikett zu versehen.

Den jüngeren Werken eignet im großen Ganzen eine stärkere Differenzierung klanglicher Elemente sowie eine melodisch-harmonische Strukturierung, die stärker auf spezifische Intervallkonstellationen ausgerichtet ist, manchmal durchaus in der Nähe von tonalen Zentren. Nicht zu vergessen ein Arbeiten mit ‚Fundsachen‘ (wie sie im sehr informationshaltigen Booklet genannt werden), also Anklängen an Themen und Motive anderer Komponisten. Unter dem Titel ‘Animals in concert’ (1984/1997) sind (bisher) drei Klavierstücke versammelt: ‘A Tortoise’s Tango’, ein Schildkröten-Tango, in dem die etwas täppische Schildkröte mit ungelenken Bewegungen einen Tango versucht, ‘Light of a Night—Paul meets bird’ und ‘Hermit Crab Tango—Esperanza’. ‘Light of a Night—Paul meets bird’ zitiert den Beatles-Song ‘Blackbird’ und schiebt die bei dem Beatles-Original dazugemischte Amsel als pianistische Umformung in die zerfasernden Songfetzen. Man könnte sich diese Stilmischung trefflich als Szene vorstellen: treffen sich die Beatles mit Messiaen im Haus von Per Nørgård… Überformt wird die Stilverbindung mit dem Idiom von Nørgård, in diesem Stück besonders fasslich in der allmählichen Filtrierung von Zentralintervallen, in der sich die Musik dann zu verbeißen scheint. Diesem Kreisen um herausgelöste Intervalle haftet aber hier nichts (negativ) Auswegloses an, es ist hat eher den Charakter einer (positiven) Konzentration. Nicht weniger unterhaltsam auch der Tango es Eremitkrebses. Nach dem zweisätzigen ‘Cob Weaver and other Secrets on the Way’ (2002) faszinieren vor allem die ‘Nine Friends’ aus dem Jahr 1984. Nørgård porträtiert mit neun kurzen Klavierstückchen einige seiner Freunde (die mit Vornamen den Einzelsätzen auch eingeschrieben sind)—ein Schelm, wer da nicht an Elgars ‘Enigma-Variationen’ denkt. Nørgård rückt die Wiederholung von melodischen Zellen hier zuweilen in die Nähe der Minimal music, und doch scheint stets alles in ständiger Metamorphose begriffen: bloße Wiederholung findet sich hier nicht, denn stets wird das Wiederaufgegriffene mit Neuem überformt.

In Erik Kaltoft findet diese Musik einen denkbar günstigen Interpreten. Nørgård Klavierstücke leben weniger aus dem Klangfarblichen als aus der Präsentation von Melodie und Rhythmus. Daher passt nicht nur der sehr direkte, präsente und geradlinige Klang dieser Aufnahme wunderbar zu der Musik, sondern vor allem der pianistische Zugriff von Kaltoft. Er zeichnet die Melodiefragmente deutlich nach, schmückt die Musik nicht aus, wo sie ganz kühl daherkommt und versieht die frühen Stücke, beispielsweise die ‘Nine Studies’ (1959) mit einer Klarheit und Deutlichkeit, die durch eine eher Klangfarben betonende Spielweise an Poesie einbüßte—einer Poesie, die direkt in der musikalischen Substanz eingelagert zu sein scheint. Was aber freilich den Pianisten nicht von der Aufgabe entbindet, diese möglichst feinsinnig zum Klingen zu bringen. Erik Kaltoft schafft das und macht Per Nørgårds Klavierstücke damit zu einem wunderbaren Fundus an Klanggesten, Melodien und rhythmischen Bewegungstypen.



Max Nyffeler
neue musikzeitung, December 2009

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6:50:56 PM, 29 July 2014
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