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Peter Steder
Der Reinbeker, February 2010

Komponisten kann man kaum überwachen, sofern sie keine Opern oder Ballette schreiben. Ein kleines Quartett kann man ganz für sich komponieren und mit Freunden in den eigenen vier Wänden spielen.« Dieses Credo des immer wieder von ideologischen und politischen Anfeindungen heimgesuchten Komponisten Dimitri Schostakowitsch (1906–1975) macht verständlich, warum er in der Königsgattung der Kammermusik eine Nische für den Rückzug ins Private sah. Eigentlich hatte er einen Zyklus von 24 Quartetten in allen Dur- und Molltonarten geplant; doch schon die vollendeten 15— sie stehen alle in verschiedenen Tonarten—bilden neben den 15 Sinfonien einen Schwerpunkt seines Schaffens. An ihnen lässt sich besonders gut sein jeweiliger Seelenzustand ablesen. Selten kommt Fröhlichkeit auf, etwa im ersten (1938): »Ich fing an, es ohne irgendwelche besonderen Gedanken oder Empfindungen zu schreiben und dachte, es würde nichts daraus…Ich schrieb die erste Seite als eine Art Übung in Form eines Quartetts, dachte überhaupt nicht daran, es zu beenden oder irgendwann aufgeführt zu sehen…Aber dann vertiefte ich mich immer mehr in meine Arbeit…Beim Komponieren bemühte ich mich, Bilder der Kindheit zu übermitteln—naive, fröhliche Frühlingsstimmungen. Man sollte darin nicht nach irgendeiner besonderen Tiefsinnigkeit suchen.« Und noch einmal in Nr.6, komponiert 1956, im »Tauwetter« nach Stalins Tod, ersteht die unbeschwerte Welt von Kindheit und Kinderliedern. Und die Coda im Finale des ironisch gefärbten Quartetts Nr.10 (1964) ist eine »Apotheose der Heiterkeit« genannt worden. Doch die meisten sind beherrscht von trister, düsterer, aber auch aufbegehrender Stimmung (dazu unten mehr); in Nr.3 wechseln bitterer Witz und Tristesse. Anlass, sie hier vorzustellen, bietet die neueste Einspielung (2005–2009) durch das 1989 gegründete Mandelring-Quartett, Preisträger großer Wettbewerbe—München (ARD), Evian (beide 1991) und Reggio Emilia—und weltweit gefragtes Ensemble, eine »neue Spitze der Quartettkunst« (FAZ). Dabei bietet sich ein Vergleich mit den 6 CDs (1993–1996) des Eder-Quartetts (gegr. 1972) aus Ungarn an, ebenfalls in Evian und München (ARD) preisgekrönt. In puncto technischer Bravour und künstlerischem Rang stehen die Teams einander nicht nach. Interessant sind einige markante Unterschiede der Interpretation: Für das lyrische Andantino von Nr.4 (1949) nehmen sich die Eders weit mehr Zeit (7:09 gegenüber 5:26), während sie beim witzig-spritzigen Scherzo an Tempo zulegen (3:43 zu 5:00), ebenso im Finale mit der jüdischen Dorfkapellen- Imitation (8:17 zu 10:01). Im letzten Quartett (1974), dem längsten, das in sechs Adagios bereits die Todesahnung widerspiegelt, gestalten sie vier davon, besonders das erste, elegischer (Gesamtdauer 35:50 zu 32:48). Das Mandelring-Team dagegen betont in Nr.6 mit zügigeren Tempi mehr den leichtfüßigen, im Finale von Nr.9 mehr den gehetzten Charakter, in Nr.2 geht es genauer auf die Tempoangaben ein. Ansonsten zeigen beide Ensembles bei weitgehend gleichem Zeitmaß beeindruckende Intensität des Ausdrucks: in Nr.7 (zum Gedenken an seine verstorbene Frau Nina), Nr.8 (»den Opfern des Kriegs und des Faschismus«, zugleich »ein Werk zu meinem Gedächtnis«: Der Komponist formt aus seinen Initialen D–S(Es)–C–H das Thema aller fünf Sätze), Nr.11 (Memorial für den verstorbenen Geiger ‚seines‘ Quartetts—alle 7 Sätze enden »morendo« = ersterbend), Nr.12 (Schost.: ein Porträt der »Welt hoher Ideale« und der »Agonie, die unfähig ist, die Widersprüchlichkeiten des Lebens zu lösen«), Nr.13 (ein Quasi-Tristan-Lamento mit groteskem Foxtrott-Totentanz). In Nr.12 wendet Sch. übrigens für einige Themen die Zwölftontechnik an. Sein Kommentar: »Wenn ein Komponist sich ausschließlich...der zwölftönigen Musik verschreibt, begrenzt er willkürlich seine Möglichkeiten, seine Ideen.«- Faszinierend an der Mandelring-Serie (audite/edelkultur 92.526–92.530, Vol.II mit Bonus-DVD) ist die Mehrkanaligkeit der SACD (SuperAudioCD), die einen Surround Sound möglich macht. Obwohl die Erweiterung des Frequenzbereichs (bis zu 100kHz) nicht direkt hörbar ist, wirkt das differenzierte Spiel z.T noch transparenter als bei herkömmlichen CDs. Der technische Fortschritt hat seinen Preis; der günstigste. Vom Preis/Leistungs-Verhältnis her sind die NAXOS-Aufnahmen unschlagbar. Obwohl ‚einfache‘ CDs, sind sie von exquisiter Klangqualität. Fünf der sechs Silberlinge wurden, z.T. mehrfach, ausgezeichnet: Vol.1 (Nr.4,6&7), 2 (Nr.1,8&9), 4 (Nr.2&12) und 6 (Nr.10,11&13) erhielten vom »Penguin Guide« das Urteil »herausragende Darbietung und herausragender Klang«, Vol.2 dazu von »La Monde de la Musique« die höchste Punktzahl, ebenso Vol.5 (Nr.14&15) und 6 (s.o) vom »BBC Music Magazine« (5 Sterne). Günstigster






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12:42:28 AM, 26 December 2014
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