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Peter B├╝ssers
www.klassik.com, January 2010

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Das 6. Abokonzert des Kölner Kammerorchesters sollte als Hommage an Joseph Haydn innerhalb der Reihe ‚Das Meisterwerk 2008/09’ eigentlich am 1. Juni 2009 in der Kölner Philharmonie stattfinden und den Meister anlässlich seines 200. Todestages feiern. Tatsächlich musste das Konzert jedoch verschoben werden. Das Gedenkkonzert für Haydn, welches auch durch den WDR übertragen wurde und als Konzertmitschnitt dieser CD zugrunde liegt, konnte schließlich einige Tage später stattfinden. So erscheint nun nach knapp drei Monaten in leicht geänderter Reihenfolge auf einer Doppel-CD bei Naxos der Mitschnitt jenes Konzertes, dessen Programm im Hinblick auf Haydns Werk eine gelungen Hommage darzustellen vermag. Die Schlusschöre des ersten und dritten Teils von Haydns ‘Schöpfung’ bilden auf der ersten CD den Rahmen um zwei der berühmtesten Solokonzerte Haydns: das 1961 wiederentdeckte Cellokonzert in C-Dur (Hob. VIIb:1) und sein einziges Trompetenkonzert (Hob. VIIe:1) in Es-Dur, welches unter dem Titel ‚Concerto per il Clarino’ als erste Komposition für die von Anton Weidinger neu erfundene Klappentrompete komponiert wurde. Hiermit ergab sich für Komponist und Solist eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten, da man nun nicht mehr nur auf Naturtöne beschränkt war. Auf der zweiten CD findet sich mit der ‚Harmoniemesse’ die letzte der sechs von Haydn zwischen 1796 und 1802 komponierten großen Messen, die er mit einer Ausnahme allesamt zum Namenstag der Fürstin Esterhazy komponierte. Insgesamt präsentiert das Programm dieser Hommage somit überwiegend den späteren Haydn.

Schlagabtausch am Dirigentenpult
Ein Blick ins Booklet verrät, dass sich hier gleich drei Dirigenten den Taktstock in die Hand geben: So unterliegt die Gesamtleitung des Konzertes zwar Helmut Müller-Brühl, aber das Dirigat der Chöre übernimmt der Leiter des Kölner Domchores, Domkapellmeister Eberhard Metternich; die Solokonzerte werden vom jungen Dirigent Christian Ludwig dirigiert. Dieser hatte zur Spielzeit 2008/2009 die künstlerische Gesamtleitung des Kölner Kammerorchesters von Helmut Müller-Brühl übernommen. Die beiden Sätze aus der ‘Schöpfung’, die für Solistenterzett sowie Chor und Orchester komponiert sind, überzeugen durch ein gut ausbalanciertes, konzertierendes Zusammenspiel zwischen den drei beteiligten Klanggruppen. Die enthaltenen Solokonzerte liegen bereits als Studioaufnahme unter Helmut Müller-Brühl vor und stellen somit für das Orchester vertrautes Repertoire dar. Trotzdem handelt es sich nicht nur durch die Besetzung mit anderen Instrumentalsolisten, sondern auch durch den neuen Dirigenten nicht um eine bloße Reproduktion. Die Tatsache, dass Christian Ludwig in seinem Tempo sowohl der Interpretation Helmut Müller-Brühls als auch der kürzlich von Sol Gabetta vorgelegten Aufnahme geschwind enteilt, kommt zwar den virtuosen Sätzen zugute, aber gleichzeitig bleibt im Mittelsatz genau aus diesem Grund der Musik beinahe zu wenig Raum. Trotzdem weiß Ludwig die Musik lebendig darzustellen, und das macht insbesondere im Schlusssatz großen Spaß. Auf ganzer Linie überzeugt hier der junge Solist Claudio Bohórquez durch Virtuosität, ein brillantes Spiel und einen hervorragenden Celloklang und macht insbesondere die Rahmensätze des Konzerts zu einem im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Hörerlebnis. Hingegen vermag beim Trompetenkonzert die Solistin Laura Vukobratovic nicht so sehr zu überzeugen wie beispielsweise Jürgen Schuster auf der Studioaufnahme des Kölner Kammerorchesters. So füllt ihr schön geformter Ton die Kölner Philharmonie zwar aus, ihrem Klang mangelt es in diesem Raum aber an Klarheit und Brillanz. Vor allem in der Kadenz des ersten Satzes, die völlig anders und nicht halb so virtuos ausfällt wie auf der erwähnten Studioaufnahme, kommt ihr Trompetenklang in den sprungreicheren Abschnitten stellenweise ein wenig zittrig daher. Zusätzlich erweckt ein Fade-Out gegen Ende der besagten Kadenz den Eindruck, es sei nach der letzten Fermate nachträglich geschnitten worden. Mit dem Schlusschor der Schöpfung endet die erste CD und gestaltet wörtlich durch den Titel ‘Singt dem Herren, alle Stimmen’ einen Auftakt für die auf der zweiten CD folgende ‚Harmoniemesse’.

Haydns ‚Missa Solemnis’ und Müller-Brühls Vermächtnis
Das ‘Kyrie’ der ‚Harmoniemesse’ beginnt auf dieser Aufnahme mit einem verfrühten Paukenschlag, dem sich der dazugehörige B-Dur Akkord des Orchesterapparats nachschiebt. Der im ‘Adagio’ gehaltene Satz verlangt in dieser Hinsicht hohe Konzentration von Dirigent und Orchester, die sich bei diesem Konzert erst im weiteren Verlauf der Messe einzustellen vermag. Doch spätestens mit dem Einsatz ‘Gloria in excelsis Deo’ ist der kleine Fauxpas verziehen. Die Sopranistin Sunhae Im führt das Thema des kommenden Satzes ein, bevor es vom Chor übernommen wird um weiterverarbeitet zu werden. Der kontrollierte Einsatz ihres Vibrato fügt sich hier wesentlich stimmiger in das Klangbild ein als auf der Aufnahme der h-Moll-Messe unter Müller-Brühl. Das Ensemble hat sich nach dem ersten Satz im ‘Vivace assai’ hörbar gefangen. Insgesamt lässt auch die Auswahl der versammelten Vokalsolisten keine Wünsche offen. Im darauffolgenden ‘Gratias agimus tibi’ des in dieser Komposition dreigeteilten Gloria stellen sich in der Messe erstmals alle vier Solisten vor. Obwohl man dem Bass-Bariton Hanno Müller-Brachmann, der die Bass-Partie bei früheren Aufführungen übernommen hatte—vor allem nach den hervorragenden Aufnahmen der geistlichen Solokantaten von Bach unter Müller-Brühl—beinahe nachtrauert, erfreut man sich doch an Stephan MacLeod, mit dem ein guter Ersatz gefunden wurde. Auch am klaren Klang des traditionellen Kölner Domchors erfreut man sich, staunt man doch bei jedem Knabenchor über die natürliche, aber leider zu selten gehörte Klangfarbe. Dass es in den Fugen von ‘Quoniam’ und ‘Benedictus’ teilweise wackelt und Sopran und Alt intonatorisch nicht immer völlig richtig liegen, kann bei diesem Mitschnitt—wenn auch schwer zu überhören—verziehen werden, liefert der Chor doch sonst eine mehr als nur akzeptable Leistung ab. Wer in den letzten Jahren die Möglichkeit hatte die berühmten Thomaner einmal live zu erleben und vermutlich enttäuscht das Konzert verlassen musste, weil sie der Qualität ihrer CD-Einspielungen live nicht vermögen gerecht zu werden, der wird den Kölner Domchor für seinen himmlischen und ausgezeichneten Klang lieben.

Qualitativ stellt die CD einen guten Livemitschnitt dar. Orchester und Chor sind gut abgenommen, vor allem die Solisten sind bei diesem Mitschnitt sehr präsent. Auch die traumhafte Raumakustik der Kölner Philharmonie findet sich auf dieser Aufnahme ein weiteres Mal dokumentiert. Aber obwohl sich das Kölner Publikum für seine Verhältnisse mit Kollektivhusten stark zurückhält, bleibt durch kleinere Störgeräusche die Live-Atmosphäre wahrnehmbar. Leider gehören Huster in Konzerten zwar fast schon zu einem authentischen Klangbild, auf Aufnahmen stören sie jedoch umso mehr. Das komplett deutschsprachige Booklet von Naxos ist mit 28 Seiten überdurchschnittlich umfangreich, informiert über Werke und Interpreten mit Bild. Es fehlen lediglich die Biographien Ludwigs und Müller-Brühls.

Ein würdiger Abgang
Die Übergabe der Gesamtleitung des Kölner Kammerorchesters an Christian Ludwig findet sich ebenso wie der dirigentische Abschied Müller-Brühls vom Orchester gleichsam auf dieser CD dokumentiert. So handelte es sich doch bei diesem Konzert um seinen wahrscheinlich letzten Auftritt mit dem Orchester, dessen Leitung er 45 Jahre (!) lang inne hatte, in denen er neben den schon erwähnten und empfehlenswerten Haydn-Einspielungen viele von der Presse ausgezeichnete Aufnahmen—namentlich u.a. vor allem von Bach, Mozart und Beethoven—vorlegen konnte. Die Konzertreihe ‚Das Meisterwerk’, die er 1988 ins Leben rief, wurde über die Jahre zu seinem Lebenswerk.Das insgesamt solide, knapp 90 Minuten Musik umfassende Programm stellt insgesamt eine würdige Hommage an Joseph Haydn dar. Sowohl hinsichtlich der hier versammelten Solisten und Ensembles, als auch hinsichtlich der Interpretationen von gleich drei verschiedenen Dirigenten, portraitiert dieser Konzertmitschnitt alle beteiligten Musiker in Form eines besonderen Zeitdokuments in der Geschichte des Kölner Kammerorchesters.



M.S.
Fono Forum, December 2009

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6:44:33 PM, 17 April 2014
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