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Gitarre und Laute, March 2011

Hans Werner Henze ist ein umstrittener und gleichzeitig auf der ganzen Welt anerkannter und umworbener Komponist, eine schillernde Figur der internationalen Musikszene. Und dieser Mann hat für Gitarre komponiert … mehr als nur ein Stück, weil vielleicht Andrés Segovia ihn darum gebeten hätte, nein, Hans Werner Henze hat die Gitarre immer wieder in Stücken eingesetzt, erstmalig 1958 in seiner „Kammermusik 1958“, zuletzt 1986 in seiner „Ode an eine Äolsharfe“.

Franz Halász hat auf zwei CDs alle Gitarrenstücke von Henze eingespielt, alle Gitarrenstücke und alle kammermusikalischen Werke, in denen die Gitarre verwendet wird, zum Beispiel also auch die „Drei Fragmente nach Hölderlin“ aus der „Kammermusik 1958“ und „Neue Volkslieder und Hirtengesänge“ für Fagott, Gitarre und Streichquartett, geschrieben 1983, revidiert 1996.

Dass und warum Hans Werner Henze umstritten ist, erklärt sich aus der eigenartigen künstlerischen Ambivalenz, die ihn und sein Œuvre umgibt. Als „Mann der Widersprüche“, der zeit seines Lebens „zwischen allen Stühlen“ saß, der „Deutschlands Vorzeigekomponist“ wurde und gleichzeitig als „Neoromantiker“ diskreditiert wurde, schildert ihn Jens Rosteck in seiner Biographie mit dem Titel „Rosen und Revolutionen“ [s. Rezension]. Mit den Darmstädtern der Nachkriegszeit und ihrem Vordenker Theodor W. Adorno hat er gebrochen, weil er „die strenge Dodekaphonie oder gar die Serialität, bei der alle Parameter prädeterminiert waren, vermied“ und so zog er Kritik und auch Häme einiger Kritikerpäpste auf sich. Besonders DER SPIEGEL schoss ich auf Hans Werner Henze ein: „Sein [Henzes] Floß treibt, wie alle Henziaden, im Sog der Konterrevolution. Während sich Nono, Berio und Boulez seit annähernd zwanzig Jahren durch Serien, Aleatorik und Elektronik zur neuesten Musik vortasten, ist Henze der alte Ästhet, der gepflegte Epigone, der geschmäcklerische Eklektizist geblieben.

Der Vorwurf des Eklektizismus, von dem sich die Komponisten der Nachkriegszeitgeneration weit entfernt glaubten, traf Henze dabei nicht wirklich. Ein Revolutionär hat er nie sein wollen … aber nimmt nicht auch die Vokabel Revolution auf Vorhandenes Bezug, das nämlich, was verkehrt werden soll?

Die orthodoxen Komponisten der Nachkriegszeit waren nach dem überlebten Desaster der Überzeugung, dass sämtliche philosophischen und ästhetischen Maximen grundsätzlich überdacht und radikal verändert werden mussten – aber dem in diesem Zusammenhang vielzitierten Diktum von Adorno, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben sei barbarisch, folgte Hans Werner Henze damals und auch später nicht. Hört man die hier wiedergegebenen „Drei Tentos“ und auch die „Drei Fragmente nach Hölderlin“ aus der „Kammermusik 1958“, ahnt man seine Auseinandersetzung mit Webern und der Idee des Seriellen — gleichzeitig schwant einem aber,  warum er sie für Gitarre geschrieben hat. Bei aller Atonalität sind sie nämlich ausgesprochen „romantisch“ und melodiebetont.

Und Franz Halász wird dem romantischen Anspruch dieser Stücke gerecht, wie die anderen Sänger und Instrumentalisten dieser beiden CDs auch. Der Tenor Colin Balzer singt die selten zu hörenden „Fragmente nach Hölderlin“, er spricht sie, er singt die stimmlich sehr anspruchsvollen Lieder … sehr gut verständlich und sonor. Am Schluss der ersten CD gibt es „Neue Volkslieder und Hirtengesänge“ für Fagott, Gitarre und Streichtrio und sie sind für mich eigentlich die Entdeckung dieser Aufnahme: Hier ist es Henze gelungen, Volkstümliches und moderne Klänge so miteinander zu vermählen, dass sich beide Aspekte selbstbewusst nebeneinander behaupten können. Die sieben Einzelsätze gehen auf Steirische Bauernlieder zurück.

Die zweite und wesentlich jüngere CD enthält „Carillon, Récitatif, Masque“ für Mandoline, Gitarre und Harfe als Highlight und natürlich abschließend die „Ode an eine Äolsharfe“, die Henze 1986 für David Tanenbaum geschrieben hat. Das erstere Werk lebt von der sehr eigenen klanglichen Nebeneinanderstellung dreier Zupfinstrumente. In „Carillon“ wird, wie der Titel vermuten lässt, mit Glockenklängen gespielt und mit italienischen Aspekten, die von der Mandoline bereitgehalten werden. „Récitatif“ ist sehr melodiebetont, frei heraus tonal und „Masque“ schließlich ist ein kontrapunktisches Spielen, ein Für- und Gegeneinander gleichberechtigter Stimmen.

Die Äolsharfe am Schluss ist ein Konzert für Gitarre und Instrumentalensemble, dessen Besetzung in ungeheuer breit gefächerte und vielfältige Klangwelten führt. Das „ensemble oktopus“ unter Konstantia Gourzi wird den Ansprüchen dieses Werks mehr als gerecht, lässt die Klangwelten auf uns als Zuhörer wirken … aber bei allem Klangzauber ist das Werk als Ganzes kein kammermusikalisches – dafür ist die Gitarre zu exponiert, zu „solistisch“.

Franz Halász als Solist und Initiator dieser Aufnahmen, wartet noch mit den beiden Sonaten der „Royal Winter Music“ auf, die zum Anspruchsvollsten gehören, was es an Gitarrenmusik gibt. Vor ihm hat sich gerade einmal eine Handvoll Gitarristen der Aufgabe gestellt, beide Sonaten aufzunehmen … und das hat wenig damit zu tun, dass nicht mehr Musiker dazu in der Lage gewesen wären. Aber es ist so, dass man mit „Koyunbaba“ schneller Claqueure findet—und damit geben sich immer mehr Musiker zufrieden. Sie tremolieren lieber mit Erinnerungen an die Alhambra ihre Zuhörer in den Schlaf, als ihnen Musiken nahe zu bringen, die der Gitarre und schließlich ihnen selbst zu neuem Ansehen verhelfen könnten.

Die beiden CDs mit Musik von Hans Werner Henze sind mehr als eine Dokumentation (aber das sind sie, nebenbei bemerkt, auch). Sie zeugen von der großen musikalischen Vielfalt des Schaffens Henzes und von der hohen interpretatorischen Kunst der beteiligten Musiker. Franz Halász ist sehr sensibel mit den zum Teil fragilen Kunstwerken umgegangen und hat auch in den selbstbewussten, klangmalerischen Shakespeare-Bildern seine Klasse gezeigt. Ihn als Richard III. in Gloucester zu hören, ist eine mystische Begegnung und gleich danach, in Romeo and Juliet, erlebt man Henzes kritischen Kommentar zu der zur Karikatur verkommenen Balkonszene. All das kommt in den Interpretationen von Franz Halász auf die Bühne, bravo!






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10:32:34 PM, 28 November 2014
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