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Peter Cossé
Klassik heute, September 2007

Der (wie?) junge brasilianische Pianist Alexandre Dossin kann auf erhebliche Erfolge verweisen. 2003 gewann er den—in den vorbereitenden bürokratischen Maßgaben und auch im Reglement mehr als unübersichtlichen—Argerich-Wettbewerb von Buenos Aires (samt „Special Prize“), sieben Jahre zuvor den zweiten Preis im Callas-Wettbewerb von Athen. Der Unterricht am Moskauer Konservatorium bei Sergei Dorensky dürfte auch nicht geschadet haben, denn Dossin stellt sich hier als Liszt-Interpret von hohen technischen und expressiven Graden vor. Die zahlreichen Einspielungen—vor allem der Rigoletto-Paraphrase—im Gedächtnis, macht Dossin allein schon deswegen gute Figur, indem er jedem der operntheatralischen Themen eigenes Gewicht, eigenes Kolorit, wenn man will: ein virtuelles Szenarium zu verleihen versteht. Das heißt: es handelt sich unter seinen klugen, flinken Fingern nicht um eine Reihe von Konzertzugaben unter partiellem Lernzwang (Ernani, Salve Maria aus I Lombardi etwa), sondern um eine Folge, fast schon um einen „Zyklus“ von Lisztschen Opernerwägungen im Sinne dramaturgischen Filterns und verantwortungsvollster Zurschaustellung. Natürlich darf man auch seine Technik zur Schau stellen, aber hier—und in diesem ganz speziellen Siebener-Zusammenhang—geht es um klavieristisch sondierte, in den besten Momenten sogar komprimierte Bühnenbilder und um das ihnen je beheimatete personelle Geschehen. Dossin weiß dies zu formulieren, zu bebildern. Nicht ganz so altersweise (wen wundert es) wie Claudio Arrau in seiner wundersam tastenden, forschenden, zuweilen schwer atmenden Philips-Aufnahme, deren herbstlich-leuchtende, schwerblütige Aida-Passagen zum Bewegendsten aller Bemühungen um denoperninfizierten Liszt zu rechnen ist. Auch John Ogdons harsche, ungemein energische Version der späten Boccanegra-Transformationen sei hier als große Tastentat erwähnt. Gleichwohl: ein Jüngerer wie Dossin trifft auf ein Heer von gestaltenden Vorgängern—und umso mehr wird es erfreuen, wenn diese sieben Paraphrasen bzw. Transkriptionen in so lebendiger Les- und Spielart um neue Hörerschichten werben können. Man darf den Naxos-Planern ans diskographisch schlagende Herz legen, diesen Alexandre Dossin nicht mit dieser Liszt-Premiere vereinsamt im Katalog zu platzieren. Der Appetit nach mehr ist spürbar, sofern ein persönliches Empfinden an dieser Stelle erlaubt ist.






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5:25:28 AM, 20 December 2014
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