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Hifi&Records, October 2009

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Michael Loos
www.klassik.com, April 2009

Muss man wirklich alle Klavierkonzerte aus der Feder des Beethoven-Schülers Ferdinand Ries kennen?—So darf man angesichts dieser dritten Folge einer Naxos-Reihe fragen. Andererseits: Wäre die x-te Mozart- oder Beethoven-Gesamteinspielung ein erstrebenswerteres Projekt? Eine Lücke im Repertoire schließen der Pianist Christopher Hinterhuber und das Symphonieorchester Gävle unter Uwe Grodd mit ihrer Ries-Edition ohne Zweifel. Die CDs widmen sich nicht nur den ‘richtigen’ Konzerten, sondern auch den übrigen Werken für Klavier und Orchester. Dazu gehören die beiden hier zu hörenden Variationen opp. 116 (über ‘Rule Britannia’) und 170.

Hauptwerk der Veröffentlichung ist das Konzert in a-moll op. 132 mit dem Titel ‘Abschieds-Concert von England’. Diese Bezeichnung bezieht sich lediglich auf biographische Details und hat keine programmatische Bedeutung. Obwohl Ries sicherlich auf Einflüsse seines Lehrers verarbeitet hat, steht er mit den drei hier versammelten Stücken doch den Romantikern näher—Hummel und Field könnte man nennen, vielleicht auch Weber und Chopin mit ihren frühen konzertanten Werken.

Das a-moll-Konzert folgt mit seiner Dreisätzigkeit der Tradition, lediglich die ‘Grave’-Einleitung des Kopfsatzes ist ein in Konzerten eher selten anzutreffender Formteil. Nach der Orchester-Exposition folgt der glanzvolle Eintritt des Solisten, der von Hinterhuber mit viel Pomp zelebriert wird. Wie es sich für ein ‘brillantes’ Konzert gehört, ordnet Grodd das Orchester dem Solisten unter, nur im langsamen Satz ist das Verhältnis etwas ausgewogener. Hinterhubers pianistische Leistung ist tadellos, die zahlreichen virtuosen Entfaltungsmöglichkeiten nutzt er ohne Zögern. Wenn das thematische Material des Werkes—zumal im Finale—bisweilen überstrapaziert wird, kann man dies nicht den Musikern vorwerfen. Die Mitglieder des Orchesters absolvieren ihre Begleitaufgaben mühelos, so dass eine erstklassige Interpretation eines allerdings zweitklassigen Konzertes entstanden ist. Man muss dies so deutlich sagen: Im Vergleich zu den genannten Zeitgenossen wirkt diese Komposition blass und schematisch, auch innerhalb von Ries’ Oeuvre nimmt das Konzert keinen Spitzenplatz ein. Im direkten Vergleich wirkt etwa das Schwesterwerk op. 55 (das Hinterhuber und Grodd bereits eingespielt haben) klar besser. Als Abwechslung in einem Repertoire, das sich nach Beethoven auf einige bekannte 'Schlachtrösser' (etwa von Schumann, Chopin und Liszt) beschränkt, sollte man das ‘Abschieds-Concert’ dennoch nicht völlig verachten. Insbesondere der ‘Larghetto’-Mittelsatz ist Ries durchaus geglückt, Hinterhubers lyrisches Spiel hebt dessen tiefromantischen Stimmung angemessen hervor.

Auch die beiden Variationswerke kann man als nett anzuhörende, aber nicht herausragende Stücke einstufen. Op. 116 variiert das eingängige ‘Rule Britannia’ einfallsreich, op. 170 bleibt dagegen etwas oberflächlich. Hinterhuber ist mit Feuereifer bei der Sache und bemüht, den Kompositionen das Mögliche abzugewinnen. Pianistisch handelt es sich um dankbare Werke, substanziell bleiben aber nicht zu überhörende Defizite. Seinen einmal gefundenen Stil änderte Ries offenbar nicht mehr wesentlich—dem Publikum um 1820 muss er gefallen haben, die Erfolge des Tondichters sind unbestritten. Heutige Ohren vermissen aber doch die Abwechslung.

Was bleibt, sind immerhin ein wunderschöner langsamer Satz (Track 2) und ein passabler Variations-Zyklus (Track 4), vorgetragen von leidenschaftlich engagierten Musikern. Da das Ganze zudem klanglich einwandfrei präsentiert wird, kann ich diese CD zumindest allen Liebhabern romantischer Klavierkonzerte ans Herz legen. Man muss—um die eingangs erwähnte Frage zu beantworten—sicher nicht alle Konzerte von Ries kennen, aber als Bindeglied zwischen Klassik und Romantik sollte man ihn auch nicht vollständig ignorieren.






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3:07:10 AM, 13 July 2014
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